Natalia Stachon / Worddust everywhere

Natalia Stachon (*1976 in Kattowitz, lebt und arbeitet in Berlin) entwickelt für ihre Ausstellung Worddust everywhere im Kunstverein Springhornhof ein Gefüge aus Skulpturen, Rauminterventionen und Zeichnungen, in dem die Gegenwart von Sprache und Zeichen sinnlich erfahrbar wird. Als geprägte, auf dem Boden verstreute Straßenschilder mit Wortfragmenten. In Form transparenter Objekte an den Wänden, die an Lautsprecher erinnern, jedoch eher eine stumme Abwesenheit spürbar machen. Oder als zerknüllte in aufwändiger Handarbeit polierte Kupferblätter, die scheinbar achtlos wie verworfene Visionen und Ideen daliegen. 

Die Künstlerin zeigt uns hier die leeren Bühnen und Kulissen – die Infrastruktur, die wir errichten und in der wir unsere Getriebenheit ausleben. Doch sie überführt diese in poetische Orte voller Stille, Eingefrorenheit und Intensität, in denen Raum und Sprache zur einer Einheit werden.

Der Titel der Ausstellung stammt aus dem Roman Nova Express (1964) von William S. Burroughs, den er in der cut-up Methode verfasste: dazu hat er unterschiedliche Textquellen in kleine Fragmente zerschnitten oder gefaltet und dann neu angeordnet. Durch diese endlose Überlagerung von Ausschnitten scheint alles ineinander zu greifen und auf einmal Sinn zu ergeben. Wie ein tausendfach belichteter Film enthält diese Literatur einen unwiederbringbaren Augenblick lang Vieles von Aktualität und Bedeutung. 

Wortfragmente sind in unserer Gegenwart unausweilich. Staub gleich legen sich die Anweisungen, Verbote, Nachrichten, Wortketten auf alles, kriechen in jede Ritze. „Wie Gefangene stecken wir fest in einer riesigen Schreib,- Beschriftungs- und Beschreibungsmaschine“ (Tom McCarthy). Doch genau in dieser Unfassbarkeit hat Burroughs auch die poetische Sprengkraft von Sprache erkannt.