Marcel Große – Interface (2026)

Auf der großen, kreisrunden Betonfläche befand sich bis vor wenigen Jahren die Spiegelinstallation „Himmel und Erde“ von Valerij Bugrov. Die Spiegel sind verschwunden, das Fundament ist geblieben. Aus diesem Überbleibsel ist nun ein neuer künstlerischer Ort entstanden.

Elf junge Menschen aus acht Ländern haben sich während eines zweiwöchigen Kunst-Workcamps gemeinsam mit dem Hamburger Künstler Marcel Große mit diesem Ort und der Frage beschäftigt: Was bleibt, wenn etwas verschwunden ist?

Entstanden ist eine neue Schicht der Erinnerung. Drei große Findlinge, eingemeißelte Formen und Symbole sowie ein Muster aus Metallplatten verbinden die Geschichte des Ortes mit neuen künstlerischen Spuren. Die Metallplatten spiegeln die Umgebung und zeigen Motive aus Medizin und Wissenschaft – Bilder des Beobachtens, Forschens und Verstehens.

Besonders unmittelbar sind die Zeichen der Jugendlichen. Sie haben eigene Symbole entwickelt und sie mit Handwerkszeugen direkt in den Beton gemeißelt. Damit knüpfen sie an eine jahrtausendealte Form menschlichen Ausdrucks an: das Hinterlassen von Zeichen an einem Ort. In einer Zeit, in der Bilder und Nachrichten in Sekunden entstehen und verschwinden können, wird das Einschreiben in den Beton zu einer bewussten Geste: Hier eine Spur zu hinterlassen bedeutet, sich Zeit zu nehmen und sichtbar zu werden.

So treffen an diesem Ort verschiedene Zeiten aufeinander – die Landschaft, die Geschichte des Fundaments, die Erinnerung an die frühere Installation und die persönlichen Spuren einer internationalen jungen Generation. Das Projekt macht aus einem zurückgebliebenen Fundament einen gemeinsamen Erinnerungsraum. Das Vergangene wurde nicht beseitigt, sondern weitergeschrieben. Aus dem Verschwundenen ist etwas Neues entstanden.