Für ihre Ausstellung im Kunstverein Springhornhof machte sich die Künstlerin Alexandra Leykauf auf die Suche nach dem „Anderen“. Sie findet dieses „Andere“ zum Beispiel in den Reproduktionen berühmter Landschaftsgemälde von Künstlern wie Van Gogh, Monet oder Renoir in Kalendern oder Büchern: Versteckte Gesichter, Körper oder Augenpaare, die plötzlich aus dem Bild zurück zu blicken scheinen. Mittels Vergrößerungen, Nachkolorierung, Drehung und perspektivischer Verschiebung arbeitet Leykauf diese Details heraus und macht sie sichtbar. Das Wahrnehmungsphänomen der „Pareidolie“ begegnet uns auch In der Natur wann immer wir meinen, in einer Wolkenformation ein Gesicht oder in einem Baumstamm eine Gestalt zu erkennen. Diese Fähigkeit, uns in anderen Menschen, aber auch in Tieren und der Natur wieder zu erkennen, ist die Grundlage für Empathie.
Vergrößerten Reproduktionen von Landschaftsgemälden, die Heuhaufen zeigen, installiert Leykauf zu einem begehbaren Tor mit vier Ein- und Ausgängen, die den Betrachter in Lebensgröße ins Bild hineinversetzen. Die Konstruktion steht vor einem großen Wandbehang, auf dem die Künstlerin ihre eigenen Kleidungsstücke ausgelegt hat. Durch ein Rattangeflecht hindurch wurde das Arrangement mit Farbe übersprüht, so dass sich die Umrisse der Kleidungsstücke deutlich abzeichnen und der Eindruck einer sehr persönlichen Landschaft entsteht.
Um einen Blickwinkel auf Landschaft, der nicht vom menschlichen Körper sondern von Apparaturen ausgeht, geht es in einer Zusammenstellung von mehreren Filmsequenzen. Luftaufnahmen von Äckern im britischen Essex, die ursprünglich zu archäologischen Zwecken erstellt wurden, machen anhand von minimalen Veränderungen in der Vegetation menschliche Eingriffe in der Landschaft sichtbar, die vor vielen Jahrhunderte stattgefunden haben. Schnecken kriechen über einen Scanner und werden dabei von unten gescannt. Momentaufnahmen zeigen den Blick von der Zimmerdecke auf und durch den gläsernen Arbeitstisch der Künstlerin.
An anderer Stelle der Ausstellung widmet sich Leykauf lebensgroßen Holzfiguren aus prähistorischen Sammlungen, die aus Mooren geborgen wurden und seltene Beispiele des germanischen und keltischen Glaubens sind. Es wird angenommen, dass sie Götter und Göttinnen verkörperten. Es ist dieser seltsame Vorgang, Bäume mit minimalen handwerklichen Eingriffen in menschenähnliche Figuren zu verwandeln, um sie als dieselben Götter zu verehren, die der keltisch-germanischen Mythologie zufolge die Menschheit aus Bäumen erschufen, die Leykauf an diesen Objekten fasziniert. Die Grobheit dieser Idole ist nicht auf mangelndes Können zurückzuführen – aufwändiger Schmuck aus der gleichen Zeit zeugt davon –, es scheint eher so etwas wie die Ökonomie der Mittel im Spiel zu sein. Zuerst scheint es einen pareidolischen Moment gegeben zu haben, einen Baum, der einer menschlichen Figur ähnelt, der dann mit möglichst wenig Eingriff vertieft und verbessert wurde. Ein Grund für die Entscheidung, die Idole eher abstrakt zu halten, war vielleicht auch Raum für Projektion und Imagination zu lassen. Fotografien dieser hölzernen Figuren reproduziert Leykauf nahezu lebensgross auf Spiegel, so dass sich die Erscheinung der Betrachtenden mit denen der Figuren vermischen.
Wie in allen Arbeiten von Leykauf steht auch hier Fragen der Repräsentation und Verkörperung im Mittelpunkt ihres künstlerischen Denkens. Während die „Vermenschlichung“ als unwissenschaftlich und daher als etwas zu Vermeidendes angesehen wird, würde Leykauf argumentieren, dass die Objektivierung der nicht-menschlichen Welt uns in den ökologischen Schlamassel gebracht hat, in dem wir heute stecken.
Alexandra Leykauf wurde 1976 in Nürnberg geboren, hat in Nürnberg und Amsterdam studiert und lebt mittlerweile in Berlin. Einzel- und Gruppenausstellungen hatte sie unter anderem in der Villa Du Parc, Annemasse (2015), der GAK, Bremen (2015), der Städtischen Galerie Wolfsburg (2014) im Stedelijk Museum Amsterdam (2014), und bei der III. Moscow Biennale in Moskau (2012). Ihre Werke sind in zahlreichen Sammlungen wie der des Centre Pompidou (F), des Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris (F) und der Royal Dutch KPN Collection (NL) vertreten.
Gefördert durch das Land Niedersachsen und den
Lüneburgischen Landschaftsverband.
Für ihre Ausstellung im Kunstverein Springhornhof machte sich die Künstlerin Alexandra Leykauf auf die Suche nach dem „Anderen“. Sie findet dieses „Andere“ zum Beispiel in den Reproduktionen berühmter Landschaftsgemälde von Künstlern wie Van Gogh, Monet oder Renoir in Kalendern oder Büchern: Versteckte Gesichter, Körper oder Augenpaare, die plötzlich aus dem Bild zurück zu blicken scheinen. Mittels Vergrößerungen, Nachkolorierung, Drehung und perspektivischer Verschiebung arbeitet Leykauf diese Details heraus und macht sie sichtbar. Das Wahrnehmungsphänomen der „Pareidolie“ begegnet uns auch In der Natur wann immer wir meinen, in einer Wolkenformation ein Gesicht oder in einem Baumstamm eine Gestalt zu erkennen. Diese Fähigkeit, uns in anderen Menschen, aber auch in Tieren und der Natur wieder zu erkennen, ist die Grundlage für Empathie.
Vergrößerten Reproduktionen von Landschaftsgemälden, die Heuhaufen zeigen, installiert Leykauf zu einem begehbaren Tor mit vier Ein- und Ausgängen, die den Betrachter in Lebensgröße ins Bild hineinversetzen. Die Konstruktion steht vor einem großen Wandbehang, auf dem die Künstlerin ihre eigenen Kleidungsstücke ausgelegt hat. Durch ein Rattangeflecht hindurch wurde das Arrangement mit Farbe übersprüht, so dass sich die Umrisse der Kleidungsstücke deutlich abzeichnen und der Eindruck einer sehr persönlichen Landschaft entsteht.
Um einen Blickwinkel auf Landschaft, der nicht vom menschlichen Körper sondern von Apparaturen ausgeht, geht es in einer Zusammenstellung von mehreren Filmsequenzen. Luftaufnahmen von Äckern im britischen Essex, die ursprünglich zu archäologischen Zwecken erstellt wurden, machen anhand von minimalen Veränderungen in der Vegetation menschliche Eingriffe in der Landschaft sichtbar, die vor vielen Jahrhunderte stattgefunden haben. Schnecken kriechen über einen Scanner und werden dabei von unten gescannt. Momentaufnahmen zeigen den Blick von der Zimmerdecke auf und durch den gläsernen Arbeitstisch der Künstlerin.
An anderer Stelle der Ausstellung widmet sich Leykauf lebensgroßen Holzfiguren aus prähistorischen Sammlungen, die aus Mooren geborgen wurden und seltene Beispiele des germanischen und keltischen Glaubens sind. Es wird angenommen, dass sie Götter und Göttinnen verkörperten. Es ist dieser seltsame Vorgang, Bäume mit minimalen handwerklichen Eingriffen in menschenähnliche Figuren zu verwandeln, um sie als dieselben Götter zu verehren, die der keltisch-germanischen Mythologie zufolge die Menschheit aus Bäumen erschufen, die Leykauf an diesen Objekten fasziniert. Die Grobheit dieser Idole ist nicht auf mangelndes Können zurückzuführen – aufwändiger Schmuck aus der gleichen Zeit zeugt davon –, es scheint eher so etwas wie die Ökonomie der Mittel im Spiel zu sein. Zuerst scheint es einen pareidolischen Moment gegeben zu haben, einen Baum, der einer menschlichen Figur ähnelt, der dann mit möglichst wenig Eingriff vertieft und verbessert wurde. Ein Grund für die Entscheidung, die Idole eher abstrakt zu halten, war vielleicht auch Raum für Projektion und Imagination zu lassen. Fotografien dieser hölzernen Figuren reproduziert Leykauf nahezu lebensgross auf Spiegel, so dass sich die Erscheinung der Betrachtenden mit denen der Figuren vermischen.
Wie in allen Arbeiten von Leykauf steht auch hier Fragen der Repräsentation und Verkörperung im Mittelpunkt ihres künstlerischen Denkens. Während die „Vermenschlichung“ als unwissenschaftlich und daher als etwas zu Vermeidendes angesehen wird, würde Leykauf argumentieren, dass die Objektivierung der nicht-menschlichen Welt uns in den ökologischen Schlamassel gebracht hat, in dem wir heute stecken.
Alexandra Leykauf wurde 1976 in Nürnberg geboren, hat in Nürnberg und Amsterdam studiert und lebt mittlerweile in Berlin. Einzel- und Gruppenausstellungen hatte sie unter anderem in der Villa Du Parc, Annemasse (2015), der GAK, Bremen (2015), der Städtischen Galerie Wolfsburg (2014) im Stedelijk Museum Amsterdam (2014), und bei der III. Moscow Biennale in Moskau (2012). Ihre Werke sind in zahlreichen Sammlungen wie der des Centre Pompidou (F), des Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris (F) und der Royal Dutch KPN Collection (NL) vertreten.
Gefördert durch das Land Niedersachsen und den
Lüneburgischen Landschaftsverband.
10. Juli 2021 – 12. September 2021
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