Aram Bartholl – Keepalive (2015)
Aram Bartholl, der 1972 in Bremen geboren wurde, arbeitet mit Wegen der Wissens- und Informationsvermittlung, die den Entwicklungen des digitalen Zeitalters entgegenwirken und damit unseren Umgang mit Daten hinterfragen. So initiierte er 2010 in New York das Projekt „Dead Drops“, bei dem er USB-Sticks in Wände, Gebäude oder andere öffentlich zugängliche Orte einmauerte. Wer wollte, konnte seinen Laptop an diesen „Toten Briefkasten“ anschließen und eigene Daten darauf übertragen oder von anderen Nutzern bereitgestellte Daten herunterladen. Durch zahlreiche erwünschte Nachahmer entstand an verschiedenen Orten der Welt ein Peer-to-Peer-Netzwerk zum Datentausch, das weder serverbasiert noch dem World Wide Web angegliedert war. Aram Bartholl hebelt in diesem und anderen seiner Projekte zementierte Machtverhältnisse und Kontrollmechanismen bei der Nutzung von Internetdiensten zur Datenübertragung aus, häufig auch durch das Hinzufügen einer unkontrollierbaren Zufallskomponente.
Auch in seinem Werk „Keepalive“ spielen diese Themen eine Rolle: Ein zuvor manipulierter Findling wird in der Nähe einer Siedlung platziert, könnte jedoch auch auf natürlichem Weg dorthin gelangt sein. Dieser Stein wird durch einen WLAN-Router und einen thermoelektrischen Stromgenerator zum heimlichen Datenträger. Doch entsprechend seiner archaischen Konnotationen ist er nicht mit dem omnipräsenten Internet verbunden, sondern erlaubt ähnlich wie in „Dead Drops“ den Datenaustausch nur an genau dieser Stelle. Zudem lässt sich die Datenquelle nur über ein an dem Stein entfachtes Feuer aktivieren.
Aram Bartholl verknüpft so die abstrakte, körperlose Welt des High-Tech mit der prähistorischen Technikgeschichte. Der Router verbindet uns mit einer Bibliothek, die Hunderte von Survival-Guides zum Download bereitstellt; es können jedoch auch eigene, individuelle Informationen auf dem Datenträger des Steins ergänzt werden. Die Survival-Guides bieten Hilfestellung beim „Überleben“ im Wirrwarr der Welt der Computerprogramme, ebenso wie sie uns das Feuermachen oder die Orientierung im Wald erklären. „Keepalive“ stellt die Frage, was „Überleben“ wirklich bedeutet, und ergründet unsere Bedürfnisse. Die Arbeit stellt sich dem Zentralisierungszwang im Internet entgegen, wirft Fragen zur Demokratie der Wissensverwaltung auf und leitet eine Gegenbewegung der Autonomie ein.
Aram Bartholl (*1972 in Bremen) ist Mitglied der Künstlergruppe Free Art and Technology Lab – F.A.T. Lab und bewegt sich in netzpolitischen Kreisen wie z.B dem Chaos Computer Club. Neben zahlreichen Vorträgen, Workshops und Performances wurden seine Arbeiten international u. a. ausgestellt im MoMA Museum of Modern Art, NY, The Pace GalleryNY und Hayward Gallery London. Aram Bartholl lebt und arbeitet in Berlin.
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Das Projekt „Keepalive“ von Aram Bartholl entstand im Rahmen des Forschungsprojekts „Art and Civic Media“ als Teil des Innovations-Inkubators Lüneburg, einem EU-Großprojekt, gefördert vom Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung und vom Land Niedersachsen.
