Christiane Möbus – Der innere Kreis der äußeren Linie folgend (1977)
Als Christiane Möbus im Jahr 1977 zusammen mit 14 anderen Künstlern eingeladen wurde, für den Springhornhof eine Arbeit zu realisieren, gab es eine klar formulierte Aufgabenstellung. Sie lautete: „Material aus der Landschaft – Kunst in der Landschaft“. Damit war das künstlerische Arbeitsmaterial eindeutig definiert. Ausschließlich vor Ort gefundene Pflanzen, Erde, Wasser, Steine, Bäume oder aber landwirtschaftliches Gerät durften verwendet werden. Zudem sollte die Produktion der Arbeit direkt vor Ort, für die Bewohner möglichst sichtbar geschehen. Dadurch, so die Hoffnung des damaligen Bürgermeisters in seinem Vorwort zum Katalog, werde „der Integrationsprozeß zwischen der Landbevölkerung und der modernen Kunst weiter gefördert.“ Die damals 30-jährige Bildhauerin und Objektkünstlerin Christiane Möbus hat mit ihrer Arbeit „Der äußere Kreis der inneren Linie folgend“ all diese Vorgaben bedient, aber dennoch eine auch künstlerisch konsequente Arbeit geschaffen. Dass sie gleich nach ihrem Studium zwei Jahre als DAAD-Stipendiatin in New York verbracht hat, und mit den dort gerade angesagten Kunstströmungen Konzeptkunst, Minimal Art und Land Art bestens vertraut war, ist der Arbeit anzumerken. An einem wenig frequentierten aber dennoch gut zugänglichen Feldweg hat sie einen Findling platziert und in dessen Oberfläche mit Bildhauerwerkzeugen eine rundumlaufende Linie eingemeißelt. Der Betrachter kann nicht genau überprüfen, ob sich die Linie auch auf der Unterseite des Findlings faktisch oder bloß imaginär fortsetzt. Christiane Möbus gelingt es, mit ihrer ebenso minimalen wie irreversiblen Markierung, die Dialektik von Natur und Kultur, von Vorgefundenem und Bearbeitetem klar herauszuarbeiten. Eine akribische Feldforscherin, die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in ihren Arbeiten miteinander verzahnt, ist Christiane Möbus, die heute als eine der wichtigsten Bildhauerinnen der Gegenwart gilt, geblieben. Nach wie vor, wenn auch wesentlich narrativer aufgeladen, verarbeitet die in Hannover und Berlin lebende Künstlerin, die 2010 den renommierten Gabriele Münter Preis erhielt, Archaisches: Von toten Bäumen bis hin zu präparierten Schwänen, Eisbären oder Giraffen.
