Gabriela Albergaría – D28 (2015)
Wer vom Schäferhof dem Heide-Erlebnispfad folgt, wird nach wenigen Metern auf einen mit großer Perfektion gepflasterten Weg treffen. Aus roten Ziegelsteinen, die im weichen Waldboden verankert sind, hat die portugiesische Künstlerin Gabriela Albergaría hier eine Bodeninstallation mit dem knappen Titel „D28“ realisiert. Der 14 Meter lange und 1,30 Meter breite Streifen nimmt die vorhandenen Bodenwellen auf, die einst durch den Einsatz von Dampfpflügen entstanden. Er passt sich insofern der Ende des 19. Jahrhunderts durch massive menschliche Eingriffe entstandenen, nur scheinbar natürlichen Landschaftsform an.
Dennoch wundert man sich: Ein roter Steinteppich für das nächtliche Defilee von Hase, Fuchs und Igel? Ein Stück Trottoir als demonstrativer Verweis auf die womöglich bloß behauptete Abwesenheit des Urbanen im Kontext von Wald- und Forstwirtschaft? Die Fiktion eines alten Römerweges in einer Region, die der römische Historiker Tacitus einst als rau, unwirtlich und trostlos beschrieb?
Fest steht, dass Albergaría, die 1965 in Vale de Cambra geboren wurde und heute in Lissabon und New York lebt, Gärten, aber auch andere vom Menschen gestaltete Landschaften zum Ausgangspunkt ihrer künstlerischen Recherche nimmt. Sozialgeschichtliche Aspekte fließen dabei in ihre weltweit entstehenden Projekte ebenso ein wie kollektive und ganz persönliche Erinnerungen.
Doch zurück zum Titel: „D28“ – so lautet die Bezeichnung der Lüneburger Heide in der vom Bundesamt für Naturschutz herausgegebenen Liste naturräumlicher Einheiten. Indem sich Albergaría diese Amtsbezeichnung zu eigen macht, konterkariert sie sie zugleich. Der kurze Weg ins Nirgendwo, den sie geschaffen hat, entpuppt sich nämlich trotz all seiner Absurdität als wesentlich poetischer, als es der Titel vermuten lässt. Denjenigen, der ihn betritt, irritiert er durch seine Festigkeit und Solidität, die im Kontrast zur Weichheit der Umgebung steht. Gleichzeitig wird er zur sockelartigen Präsentationsfläche für Tannenzapfen, Zweige, allerlei Getier und andere Fundstücke aus Natur und Zivilisation, die wir sonst im Vorübergehen gar nicht wahrgenommen hätten.
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Die Außeninstallation D28 entstand als Teil einer Serie von Kunstprojekten des Europäischen Landschaftskunstnetzwerks ELAN, mit denen sich Künstlerinnen und Künstler im Springhornhof, im Yorkshire Sculpture Park (GB), dem Centre of Polish Sculpture in Oronsko (PL) und bei Arte Sella im Trentino (I) auf ökologische Bedingungen, Landschaftsgestaltung, Vegetation und Wachstumsprozesse des jeweiligen Ortes beziehen.
Gabriela Albergaria (*1965 Vale de Cambra, Portugal. Lebt in New York, USA) hat Kunst an der Universität in Porto studiert und war artist-in-residence am Künstlerhaus Bethanien, an der Cité International des Arts Paris und im Botanischen Garten der Oxford University. Seit 1990 hat sie an zahlreichen Gruppen- und Einzelausstellungen teilgenommen. Ihre Projekte und Installationen waren unter anderem in Sao Paulo (Brasilien), der Villa Arson in Nizza, der Kunsthalle Emden, der Vancouver Art Gallery und der Biennale Montevideo zu sehen.
