Rudolf Wachter – Raumknoten (1978)

Als 2003 Rudolf Wachters (1923–2011) Skulptur aus unbehandeltem Holz so morsch geworden war, dass sie abgebaut werden musste, setzten sich die Bewohner von Brochdorf für einen Wiederaufbau ein. In den zwanzig Jahren seit ihrer Errichtung hatte sich die Arbeit zu einem wichtigen Identifikationspunkt im Ortszentrum entwickelt – vor allem, weil Wachter sich direkt mit den Fachwerkhäusern des Dorfes auseinandersetzt und ihnen ein „ideales Fachwerk“ gegenüberstellt.

In seiner Arbeit Raumknoten sind jedoch die Größenverhältnisse bewusst verschoben. Wachter dehnt die einzelnen Balken auf eine Länge von fünf Metern aus und vergrößert damit ein Detail des Fachwerks, das man normalerweise kaum wahrnimmt: das Element der selbsttragenden Balken. Wie die Konstruktion hält auch die Skulptur ohne Schrauben oder Nägel, sondern basiert auf einer formschlüssigen Steckverbindung. Durch ihre überdimensionierten Maße verweist die Arbeit auf einen unendlichen Umraum und macht die Fixierung eines Punktes darin plastisch erfahrbar. Sie fungiert als Fragment, das der Betrachter im Geist ergänzt.

Die gekreuzten Balken wirken wie Raumvektoren, die in ein dreidimensionales Koordinatensystem auszugreifen scheinen. Die Grundkonstruktion des Raumknotens ist bereits seit dem Mittelalter als Geschicklichkeitsspiel unter verschiedenen Namen wie „Zimmermannsknoten“ oder „Teufelsknoten“ bekannt – selbstverständlich in deutlich kleinerem Maßstab. Durch die Monumentalisierung verleiht Wachter der Form eine eigenständige Präsenz im Raum.

Rudolf Wachter lebte und arbeitete in München und war seit 2003 Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. Nach einem Stipendienaufenthalt in der MacDowell Colony in New Hampshire schuf er ab den 1970er-Jahren überwiegend großformatige Holzskulpturen, die er mit der Motorsäge bearbeitete.