HAWOLI — Spannung (1978)
Zwei Findlinge, der eine etwas größer als der andere, ruhen auf einer baumbestandenen, jedoch kurzgemähten Grasfläche unweit der Landstraße zwischen Neuenkirchen und Behningen. Im Hintergrund herrscht die Betriebsamkeit eines Bauernhofs. Massiv und unverrückbar liegen die Felsbrocken da. Miteinander verbunden, jedoch gleichzeitig auf Distanz gehalten, werden sie von einem spiralförmig gebogenen Vierkantstahl, der durch ihr Volumen hindurchgetrieben zu sein scheint.
Was sich dem Betrachter auf Anhieb vermittelt, ist die der Arbeit innewohnende Energie. Für den tausende Kilometer weiten Transport der Granitbrocken im Bauch eines Gletschers von skandinavischen Bergregionen bis in die norddeutsche Tiefebene waren enorme Kräfte erforderlich – ebenso wie für das Kochen, Gießen und Walzen des Vierkantstahls und schließlich für die bildhauerisch anspruchsvolle Verbindung von Stein und Metall.
Obwohl die Arbeit „Spannung“ eine fast Zen-artige, meditative Ruhe ausstrahlt, lässt sich die gespeicherte Kraft nicht übersehen. Der Künstler HAWOLI selbst sagt dazu: „Zwischen zwei Findlingen, die durch Gewicht, Form und Oberfläche ihren eigenen Charakter haben, entstehen durch Gegenüberstellung zwei sich überschneidende Kraftfelder.“
HAWOLI wurde 1935 im niedersächsischen Bleckede als Hans Wolfgang Lingemann geboren, verbrachte jedoch den größten Teil seiner Kindheit im Ruhrgebiet. Sein Kunststudium absolvierte er an der Folkwangschule in Essen. Zunächst betätigte er sich als Maler, bevor er in den späten 1960er Jahren mit überdimensionierten, häufig an Schrauben erinnernden Kunststoffobjekten bekannt wurde. Strahlend weiß oder knallrot gespritzt, fanden diese Werke ihren Platz im urbanen Raum, teilweise angetrieben von Elektromotoren. Formal zeigten sie Anklänge an Minimal Art, Pop Art, namentlich Claes Oldenburg, sowie an die kinetische Kunst der Gruppe ZERO.
Doch nur, wer sich ändert, bleibt sich treu: „Änderungen in meinem Werk resultieren aus dem Erlebnis neuer Räume und der Begegnung mit anderen Menschen“, so HAWOLI. Die Arbeit mit Findlingen, die in der Umgebung von Neuenkirchen häufig anzutreffen sind, begann er 1978, fünf Jahre nach seinem Umzug auf den Springhornhof. Sie war bis zuletzt prägend für sein Werk.
