HAWOLI — Gegen-Steine / Walze (1982)

Der Bildhauer HAWOLI (1935–2025, geboren in Bleckede, lebte in Neuenkirchen) untersucht in seinen Arbeiten das ambivalente Verhältnis von Natur und Kunst. Seine „Gegen-Steine“ befinden sich auf einem kleinen Stück Brachland, das auf der einen Seite von einem Fluss und auf der anderen Seite von einem Graben begrenzt wird. Die sechs aufgerichteten Findlinge, denen eine horizontale, aus Straßenbau und Landwirtschaft bekannte Eisenwalze gegenübergestellt wurde, thematisieren die Landschaft als künstliches Prinzip – als vom Menschen domestizierte Natur, die sich dieser Kultivierung immer wieder widersetzt. Von beiden Polen geht eine Kraft aus.

So birgt die Eisenwalze durch ihre Position und Form das Bewegungsmoment in sich und spiegelt damit auch die Wortbedeutung des geometrischen Zylinders wider, die sich vom altgriechischen kylíndein („rollen“ oder „wälzen“) ableitet. Dies macht die Walze zum handelnden, aggressiven Part in diesem unausgesprochenen Duell. Demgegenüber steht die Massivität der Steine, die als stumme, reglose Reihe den Graben und die dahinter liegende Wiese gegen den eisernen Körper abzuschirmen scheinen.

Im leeren Raum zwischen den beiden Polen entsteht eine Spannung. HAWOLI greift die ungewöhnliche Dreiecksform des Landstücks auf und verwendet ein geometrisches Prinzip, das unsere optische Wahrnehmung irritiert: Der Hohlkörper des Eisenrohres ist in der Nähe der Dreiecksspitze platziert, die Findlinge auf der Basis; beide wirken – je nach Perspektive – in etwa gleich lang, obwohl der eiserne Zylinder mit 4,70 m tatsächlich nur halb so lang ist wie die Steinreihe.

Je nachdem, wo wir uns als Betrachter befinden, kann das Kräftegleichgewicht, ähnlich einem Tauziehen, in diese oder jene Richtung kippen. Die Natur ist weder der Technik unterlegen, noch wird sie affirmativ zum Sieger erklärt. Was die Arbeit auszeichnet, ist eine spannungsreiche Harmonie, die uns den Umgang mit der Landschaft und mit der Natur als einen immer wieder neu zu definierenden Dialog vor Augen führt.