Mic Enneper – Steinlawine (1978)
Der Arbeit von Mic Enneper, der 1950 in Unna geboren wurde und heute in Köln und Berlin lebt, wohnt eine archaische Kraft inne. Die Steinlawine bildet eine Urgewalt ab und ist zugleich ein vom Künstler kalkulierter Modellversuch. Mit schwerem Gerät wurde zunächst in der stillgelegten Kiesgrube ein Wall aus Findlingen aufgetürmt und anschließend über die Steilkante geschoben. Durch Druck und Wucht entstand eine Steinlawine, die die an sich passive und träge Masse der Steine zunächst in Bewegung versetzte und diese kraftvolle Bewegung anschließend in der Zeit fixierte. In diesem stillgestellten Zustand birgt die Lawine noch die Möglichkeit der Bewegung und wird damit zu einer Materialisierung der Vergangenheit.
Mic Enneper verweist auf die Findlinge in der Lüneburger Heide, die als Manifestation von Passivität aus dem Skandinavischen Gebirge gerissen und von enormen Eismassen rund und glattgeschliffen nach Norddeutschland transportiert wurden. Dort liegen sie wie isolierte Fremdkörper in der Landschaft und werden von Landwirten am Feldrand zu Wällen aufgetürmt. Indem der Künstler die Gesteinsbrocken erneut durch Aktivität belebt, sie zu einem massiven Wall formt und die Steinlawine auslöst, macht er ihr Kraftpotenzial sichtbar und führt sie formal in ihren ursprünglichen Kontext von Berg und Gletscher zurück.
Mic Enneper macht die Zeit in ihren verschiedenen Zuständen und Bedeutungen zum zentralen Thema seiner zumeist räumlich-installativen Arbeiten, die bundesweit in musealen Ausstellungen gezeigt wurden. Bereits in den 1970er Jahren schuf er eine Reihe von Eingriffen in abgelegene Landschaftsräume, deren eigene Vergänglichkeit durch Verwitterung thematisiert wurde.
