Harald Finke — Subdialog Neuenkirchener Eiche (1986)

„Ist es denkbar, dass der Mensch mit Bäumen reden kann? Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen Mensch und Baum?“ Diese Fragen liegen Harald Finkes Skulptur „Dialogarbeitsplatz Neuenkirchener Eiche“ zugrunde. Sie entstand 1986 im Rahmen der gemeinsam mit seinem Künstlerkollegen Carl Vetter realisierten Sommerausstellung „Dialog“ in einem Waldstück bei Neuenkirchen. In dieser zwischen Feldern, Äckern und Straßen eingebetteten Naturenklave fügt sich Finkes zurückhaltende plastische Gestalt leise in den vorhandenen Baumbestand ein.

Der 1941 in Kiel geborene und im Raum Hamburg lebende Künstler konzipierte sein emporstrebendes, filigranes Eisenstab-Gehäuse gezielt mit Blick auf eine gegenüberstehende Eiche. Wie von der Borkenhülle eines ausgehöhlten Baumstamms eng umschlossen, kann der Besucher in Finkes „Dialogarbeitsplatz“ buchstäblich auf Augenhöhe in einen visuellen, gedanklichen oder auch verbalen Austausch mit seinem pflanzlichen Pendant treten: eine Kontemplation des „Baumleibs“, der sich „vom Erdschwarz in das Himmelsblau“ (Finke) erstreckt, aus gleichsam baumartiger Warte.

Viel Bewegungsfreiheit bietet diese Umhüllung nicht. Das Auge des Betrachters wird nach oben oder durch den Eintrittsspalt hin zur Eiche gelenkt, die seit der Installation der Skulptur weitergewachsen ist. Auch darüber lässt sich nachdenken: über den Verlauf der Zeit und die organischen Prozesse der Natur, die jenseits menschlicher Maßgaben ihrer eigenen, unzähmbaren Dynamik folgen.

Das Zwiegespräch mit Pflanzen steht seit vielen Jahren im Zentrum von Finkes Werk, das unter anderem „Pflanzenmusik“, „PflanzenSchriftZeichen“, „Metamorphosen“ und „Pflanzendialoge“ umfasst. Der Künstler, der zunächst in Hamburg Ingenieurswesen, dann in Sydney Malerei und an der Hamburger Hochschule für bildende Künste bei Franz Erhard Walther und Joseph Beuys studierte, möchte die Aufmerksamkeit auf „das Pflanzliche in uns“ lenken. Das Ziel, „einen Friedensschluss mit der Natur“ zu erreichen, ist aus seiner Sicht keine Utopie, sondern „denkbar und möglich“.