Peter Pommerer — Die eingefangene Zeichnung (2003)

Peter Pommerer,
geb. 1968 in Stuttgart, lebt in Stuttgart

Ein Acker am Waldrand des Forstes Rutenmühle. Man muss schon etwas vom befestigten Weg abweichen, um Peter Pommerers Installation „Die eingefangene Zeichnung“ zu erreichen. Doch dann gelangt man an einen überaus idyllischen Ort. Im Hintergrund quaken Frösche und gelegentlich mischt sich auch der Ruf eines Kuckucks in die Stille. Hier geht es aber offenbar um wesentlich größere und exotischere Tiere. Pommerer hat sich das modernistisch-brutalistische Elefantengehege des Wiener Tiergartens zur Vorlage genommen und einzelne Teile davon in der Lüneburger Heide dupliziert. Das Ensemble besteht aus verschiedenen Sichtbetonelementen, einem hufeisenförmigen Bassin ohne Wasser, Eisenketten, Eisenringen, einem rindenlosen, totempfahlartigen Kratzbaum mit ausgedienten LKW-Reifen und – Peter Pommerer ist in erster Linie ein begnadeter Zeichner – einer mehrteiligen Glasscheibe mit einer sandgestrahlten Zeichnung darauf. Hier tauchen all die figurativen und ornamentalen Elemente auf, die man auch von anderen Arbeiten des 1968 in Stuttgart geborenen Berliner Künstlers schon kennt: Wie mit der Schablone aufgetragene Schnörkel, Mondsicheln, Blumen und Kreisformen und dazwischen immer wieder – er ist eigentlich schon zum Markenzeichen Peter Pommerers geworden – ein kleiner bekrönter Elefant. Diese an eine fröhliche Kinderzimmertapete erinnernde Projektion einer heilen Welt steht dabei im klaren Kontrast zu dem repressiven Charakter des architektonischen Settings, welches Pommerer hier aufgebaut hat. Die Zwangsfixierung und Dressur so intelligenter und sensibler Zoo- und Zirkustiere wie es Elefanten nun einmal sind, ruft unter Experten aber auch in der Öffentlichkeit zunehmend Widerspruch hervor. Doch einen Trost gibt es: Entweder sind Pommerers Elefanten nie hier angekommen oder sie haben ihr nach allen Seiten hin offenes Gehege mit der Souveränität des gewieften Dickhäuters längst schon in Richtung Freiheit verlassen. Bleibt also nur ein Gefangener: Nämlich „Die eingefangene Zeichnung“, die an diesem dystopischen Ort immerhin so etwas wie eine hoffnungsvolle Utopie postuliert.