Gary Rieveschl — Split Ring Birch Mound (1977)

Mit Robert Smithsons „Spiral Jetty“ (1970) erhielt das Symbol der Spirale einen ikonischen Stellenwert in der Land Art. Auch der begehbare, aufgeschüttete Wall von Gary Rieveschl im Inneren des Waldes erinnert an dieses Zeichen. Die Spirale wird in verschiedenen Kulturkreisen verwendet und häufig als Symbol für die Einheit von Leben und Tod, Mikro- und Makrokosmos oder als Hinweis auf Erneuerung und unendlichen Wandel gedeutet.

Obwohl die von Rieveschl gewählte Form streng genommen eher einem Schlüsselring ähnelt, deutet sie doch eine wachsende Spiralbewegung an. Ihre Offenheit verbindet Außen- und Innenraum und schafft eine aus der Vogelperspektive erkennbare Korrespondenz von Form und Gegenform, wodurch die Arbeit in den größeren Kontext ihrer Umgebung eingebettet wird. Durch die entstandene Eingangs- bzw. Ausgangsmöglichkeit wird der Betrachter eingeladen, mit seinem Körper Teil dieser größeren Einheit zu werden. Bewegt er sich auf das Zentrum zu, wird er gleichzeitig zum End- und Ausgangspunkt der beschriebenen Form.

Dieser Perspektivwechsel knüpft an die symbolische Bedeutung der Spirale an, die besagt, dass jede Bewegung einem unendlichen Wandel unterliegt. Letzteres spiegelt sich auch im Produktionsprozess von Rieveschls Arbeit wider: Der 1943 in Cincinnati geborene Amerikaner brachte sowohl das Erdreich für die Wallaufschüttung als auch die Grassoden, mit denen der Wall verkleidet ist, sowie Birken aus der Umgebung an andere Stellen und kontextualisierte sie neu.

Bewegung und Kreislauf sowie die Grundelemente Feuer und Wasser spielen eine zentrale Rolle im Gesamtwerk von Gary Rieveschl, der zunächst Kunstgeschichte und später Kunst an der Harvard University studierte. Von 1967 bis 1969 arbeitete er unter anderem mit dem Zero-Künstler Otto Piene am Massachusetts Institute of Technology an kinetischen und akustischen Objekten. Besonders in den 1970er- und 1980er-Jahren schuf Rieveschl diverse Arbeiten im öffentlichen Raum in Deutschland, darunter 1976 die „Waller Welle“ in Bremen aus 16.000 Narzissen sowie die vier Meter hohe „Feuersäule Vortex“ auf dem Kieler Rathausplatz.