HAWOLI — Balance (1985)

Die Spannung zwischen den lebendigen Kräften der Natur und den technoiden, potenziell zerstörerischen Kräften der Kultur ist ein wiederkehrendes Thema im Werk des Malers und Bildhauers Hawoli († 2025). In der seit seinem Umzug auf den Springhornhof 1973 stetig gewachsenen Kunstlandschaft hat er zahlreiche Arbeiten realisiert. Oft verbindet er darin Naturstein und Stahl, die gegeneinander austariert oder im Sinne einer „Balance zwischen dem Gewachsenen und Gedachten“ (Eckard Schneider, 1986) gegenübergestellt werden.

Die Idee eines empfindlichen Gleichgewichts, das es zu halten gilt, kommt auch im Ensemble „Balance“ (1985) zum Ausdruck. Der Bildhauer hat hier drei gebündelte, sich neigende Fichtenstämme durch ein Drahtseil mit einem liegenden Felsbrocken verknüpft. Wie überdimensionierte Mikadostäbe, die im Moment des Fallens zwischen aufrechtem Stand und Herabsinken festgehalten sind, verharren die Baumstämme in prekärer Schwebe. Der Stein bildet dazu ein ruhendes, Halt gebendes Gegengewicht, wobei dieser beim Niederfallen der Holzstämme potenziell aus den Angeln gehoben werden würde. Die Botschaft des Künstlers, der der Natur mit Bedachtsamkeit begegnet, wird durch die Platzierung der Skulptur an einer viel befahrenen Straßenkreuzung noch akuter.

„Balance“ gehört zu einer Gruppe gleichnamiger, im selben Jahr entstandener Findlings- und Stahlarbeiten des Künstlers, in denen die Gegensätze zwischen dem Organischen und der Konstruktion aufeinandertreffen und vereint sind. Der Künstler begann zunächst in Duisburg eine Ingenieursausbildung und wechselte dann an die Folkwangschule Essen, um Malerei zu studieren. Ende der 1960er Jahre entstanden erste plastische Formen, ab 1978 Arbeiten in Stein. Für seinen auf das Wesentliche reduzierten ästhetischen Ansatz und die existenziellen Fragen, die er bearbeitet, hat Hawoli entscheidende Impulse in der weiten Landschaft der Lüneburger Heide gefunden.