Leo Kornbrust – Hier ordnen Bäume mit (1977)
Als unauffälliges, aber nachhaltiges Zeichen hat Leo Kornbrusts skulpturales Bodenensemble seit 1977 Bestand. Es entstand im Rahmen eines künstlerischen Symposions, an dem eine Gruppe von elf Künstlerinnen und Künstlern teilnahm. Unter dem Motto „Material aus der Landschaft — Kunst in die Landschaft“ wurden verschiedene Werke aus naturgegebenen Materialien in der Umgebung von Neuenkirchen geschaffen. Kornbrust fügte unter Mitwirkung von Kindern an einer Weggabelung am ehemaligen Ortsausgang von Brochdorf kleine Findlinge zu einer dreieckigen Form zusammen. Wie eine große Pfeilspitze zeigt sie auf den Punkt, an dem sich der Pfad teilt oder vereint – je nach Perspektive.
An diesem Ort, wo sich die Wege zugleich trennen und zusammenfinden, wirkt Kornbrusts steinernes Dreieck auf seinem dreieckigen Platz wie ein Ruhepol inmitten einer Dynamik von Ankunft und Abschied. Der ästhetisch gefassten Ordnung der unbearbeiteten Steine steht die natürliche Ordnung der Bäume gegenüber, die das nahegelegene Denkmal umrahmen und am Wegesrand Spalier stehen wie ein hölzernes Willkommenskomitee.
Der 1929 in St. Wendel geborene und dort ansässige Künstler hatte lange den Lehrstuhl für Bildhauerei in Verbindung mit Architektur an der Akademie der Bildenden Künste in München inne. Ab den 1960er Jahren entwickelte er sich von einer figurativen, vom Menschen ausgehenden Bildsprache zunehmend zu streng abstrakten, in Stein gearbeiteten Geometrien und organischen Gestaltungen. Er schuf zahlreiche Skulpturen im öffentlichen Raum, darunter auch Schriftplastiken gemeinsam mit seiner Ehefrau, der Dichterin Felicitas Frischmuth.
Aus dem 1971 von Kornbrust initiierten „Internationalen Steinbildhauersymposion St. Wendel“ ging 1979 die „Straße der Skulpturen“ hervor – als „Choreografie der Skulptur in der Landschaft“ und Hommage an den verehrten Künstler Otto Freundlich sowie dessen Idee einer europaweit verlaufenden „Straße des Friedens“. Kornbrusts Wegmarkenmosaik in der Heide fügt sich fast nahtlos in die Landschaft ein. Gleichzeitig verleiht es den Schritten von Passanten Richtung, dem Blick Ausgangspunkt und Ziel.
