Volker Lang — zwischen zwei Straßen (1997)

Aus der Ferne wirkt Volker Langs begehbare Skulptur „Zwischen zwei Straßen“ wie die räumliche Zeichnung eines in sich verschachtelten, fragmentarischen Bauwerks. Die vierteilige, aus ineinander verschränkten Verstrebungen bestehende hölzerne Struktur entstand im Zuge der Sommerausstellung des Kunstvereins Springhornhof im Jahr 1997. Sie erhebt sich buchstäblich zwischen zwei Straßen, die etwas südlich der Ortschaft Ilhorn verlaufen. Verbunden durch einen Landweg, umschließen sie eine von Bäumen bewachsene Flurgrenze, einen sogenannten „Knick“.

Der Baumbestand ist an der Stelle unterbrochen, an der sich eine rund dreißig Meter lange und acht Meter breite Betonplatte erstreckt – ein ehemaliger Melkstand, den Lang als Fundament seiner angedeuteten Architektur verwendete. Im Vordergrund wird sein durchlässiges Gehäuse, das an einen zu allen Seiten hin offenen Arkadengang erinnert, von Ackerland flankiert. Im Hintergrund breitet sich hinter Wiesen und Sträuchern ein Waldstück aus. Die Proportionen der Struktur ermittelte der Künstler anhand seiner eigenen Schrittlänge.

Langs Architektur der Leerstellen und filigranen Umfassungen erweitert sich in die Landschaft hinein. Wie Ortrud Westheider bemerkt, evoziert sie „Arkadenkolonnaden in einer gemalten Ideallandschaft“ und rückt zugleich die kunsthistorisch tradierte Perspektive auf die Natur in den Fokus: „Durch die architektonische Skulptur hindurch betrachtet, erscheinen die unterschiedlichen Blicke auf die Landschaft wie gerahmte Bilder.“

1964 in Augsburg geboren, absolvierte der in Hamburg lebende Künstler nach einer Lehre als Kirchenmaler ein Studium an der Hamburger Hochschule für bildende Künste. Das Landschaftsprojekt „Zwischen zwei Straßen“ markiert den Beginn einer ganzen Reihe poetisch durchwirkter architektonischer Skulpturen und Gedenkstätten, die Lang in öffentlichen Räumen verwirklicht hat. Dazu gehören unter anderem „Wellenhaus“ (2001: Kunstverein Cuxhaven, Overbeck-Gesellschaft Lübeck-Travemünde) und „Südwärts“ (2005: HafenCity Hamburg). 2015 gestaltete er zudem einen Gedenkort für Deserteure und andere Opfer der NS-Militärjustiz in Hamburg.