Mark Dion – Springhornhof Institut für Paläolithische Archäologie (2009)


Mark Dion, geb. 1961, lebt in Pennsylvania und New York, USA

Naturkundliche Sammlungen, Archive und Forschungsstätten sind durchgängige Formate in der künstlerischen Arbeit des international aktiven Künstlers Mark Dion. Sein Vorgehen gleicht dem eines Feldforschers, der sein jeweiliges Umfeld auf Grundlage selbst erstellter, ungewöhnlicher Parameter erkundet. Der 1961 in New Bedford, Massachusetts, geborene, in New York lebende Künstler organisiert seine Beobachtungen und Funde an den gegebenen Schauplätzen seiner Untersuchungen nach eigenwilligen Kriterien und Systemen. Zugleich macht er die geschichtlich tradierten Konventionen des Sammelns, Forschens und Auswertens sichtbar. Dabei führt er auch die Strukturen vor Augen, die seit Jahrhunderten die Gewinnung, Musealisierung und Vermittlung von Wissen in unserer (westlichen) Kultur prägen. Seine Installationen, mit denen er unter anderem an den Skulptur-Projekten Münster und der Venedig-Biennale 1997 sowie an der dOCUMENTA (13) 2014 teilnahm, umfassen das Ordnen von Zivilisationsmüll ebenso wie die Betrachtung von Flora und Fauna im städtischen Umfeld oder die Spurensuche nach historischen Tiefendimensionen heutiger Landschaftsformen.

Auf letztere begab sich Dion mit seinem „Institut für Paläolithische Archäologie“, das er 2009 im Treppenspeicher auf dem Springhornhof einrichtete. Das „Institut“ beinhaltet eine Fülle von Werkzeugen, Arbeitskleidung, beschrifteten Archivkisten, Karten, Schaukästen, eine Audiocollage zur Rolle der Amateurforschung und ein Diorama mit Mammut inmitten einer fiktiven neolithischen Vision Neuenkirchens. Als Basis dafür dienten steinzeitliche Fundstücke des Bochumer Kunsthändlers und Hobbyarchäologen Wilm Falazik, der zu Beginn der 1960er Jahre auf dem Springhornhof eine Galerie begründete. Falazik trug die prähistorischen Objekte in Neuenkirchen und Umgebung zusammen, und vereinte in seinen Aufzeichnungen dazu Tatsache und Spekulation. Dions wunderkammerartiges Konglomerat folgt dieser magischen Logik. „Natur“ und „Landschaft“ offenbaren sich darin als vielschichtige Konstrukte, an deren Gestaltgebung und Interpretation Künstler und Wissenschaftler über die Jahrhunderte mitgewirkt haben.