Peter Könitz & Karl Ciesluk – Wege (1980)

Peter Könitz, geb. 1942 in Mühlheim/Ruhr, lebt bei Hamburg
Karl Ciesluk, geb. 1952 in Ottawa/CDN, lebt in Ottawa/CDN

Das Gemeinschaftsprojekt „Wege“ hatte es zum Ziel hatte, neue Formen des Weges als klassisches Landschaftselement zu entwickeln. Ursprünglich waren fünf Künstler beteiligt, doch erhalten sind heute nur noch die Eingriffe von Peter Könitz und Karl Ciesluk.

Die Arbeit von Peter Könitz führt den Besucher vom befestigten Weg auf einen gekrümmten Steg, der aus in zwei Hälften geschnittenen Eichenstämmen besteht und in ein dichtes Waldstück hineinführt. Das Begehen dieses scheinbar endlosen Weges erfordert und ermöglicht eine vollkommene Konzentration auf den Moment sowie auf die Koordination von Fuß und Auge. Die organische Wuchsform der Eichen bestimmt den Verlauf des Stegs, der fast die flüssige Dynamik eines Wasserrinnsals aufnimmt. In regelmäßigen Abständen durchkreuzen horizontal befestigte Eisenträger den Weg. Diese sogenannten Doppel-T-Träger – Inbegriff der „höher, schneller, weiter“-Mentalität der Industriemoderne – beziehen sich direkt auf die Straße. Mit ihrer Länge von drei Metern entsprechen sie nicht nur der Breite der Straße, der letzte von ihnen ist sogar am Straßenrand eingelassen. Die starren, industriell gleichförmigen Eisenträger können als Eingriff in die fließende, organische Bewegung verstanden werden. Gleichzeitig dienen sie als Orientierungspunkte, die die Schlangenlinie des Holzwegs strukturieren, den Schritt abbremsen und dem Blick Halt geben.

Der „Path Maker“ von Karl Ciesluk hingegen beschreibt einen enormen Kraftaufwand. Seine Arbeit verdichtet sich in einem klar erkennbaren Endpunkt – einem massiven Findling. Der schwere Stein zieht eine 70 Meter lange Furche durch das Erdreich, reißt es auf und türmt es vor sich auf, bis die Schubkraft erschöpft ist und kein Weiterkommen mehr möglich ist. Hier wird der Weg als Eingriff sichtbar, als Wunde, die jedoch keine bloße Verletzung darstellt, sondern die Prozesshaftigkeit der steten Weiterentwicklung der Natur kennzeichnet. Damit nimmt Karl Ciesluk direkt Bezug auf den Findling als Naturmaterial, das während der Eiszeit mit enormem Schub von den Gletschermassen transportiert wurde und nun als Zeitzeuge der scheinbar größtmöglichen Vergangenheit die Wege der Landschaft in der Lüneburger Heide markiert.