Rolf Jörres — Steinfelder (1979)
Findlinge, die auf einer rund 2.500 Quadratmeter großen Fläche zu kleinen Formationen oder größeren Ensembles zusammengefügt sind, wecken zunächst Assoziationen an prähistorische Kultstätten wie Stonehenge, keltische Dolmen oder die steinernen Hinterlassenschaften anderer Megalithkulturen, wie sie auch in der Lüneburger Heide zu finden sind. Auch die 1979 entstandene, zehnteilige Arbeit „Steinfelder“ des 1933 in Essen geborenen Düsseldorfer Künstlers Rolf Jörres weist auf den ersten Blick eine formale Nähe zu den magisch und mythologisch aufgeladenen Steinformationen längst untergegangener Kulturen auf. Doch weit gefehlt: Rolf Jörres negiert jegliche mythologisch argumentierende Interpretation seiner Arbeit.
Ursprünglich in Graz und Wien zum Architekten ausgebildet, reifte in ihm früh der Entschluss, Bildhauer zu werden. Ein dem Architekten eigener, planvoller Umgang mit dem zur Verfügung stehenden Material prägt auch seine skulpturalen Setzungen. Getreu dem Motto „Ein Künstler – ein Material“ arrangierte Jörres vorgefundene Steinblöcke nach rein bildhauerisch-kompositorischen Kriterien wie Form, Größe, Masse und Struktur zu vollkommen neuen Ordnungszusammenhängen.
Sein Material suchte er in der Umgebung des Aufstellareals selbst zusammen. Auch verschiedene Landwirte stellten ihm Steine zur Verfügung, die teilweise Spuren ihrer früheren Nutzung als Fundament oder Baumaterial tragen. Andere Steine weisen aufgrund natürlicher Erosion Abplatzungen oder andere Deformationen auf. Der Künstler selbst nahm jedoch keine weiteren Manipulationen oder Bearbeitungen vor.
Die einzelnen Elemente seiner Figurationen repräsentieren nicht mehr und nicht weniger als die Grundfunktionen von Objekten im Raum: Stehen, Liegen, Aneinanderlehnen, Aufeinanderliegen, Gestapeltsein usw. Realisiert werden konnte die großflächige Anordnung – die heute wirkt, als sei sie immer schon dagewesen – nur mit Hilfe zahlreicher Freiwilliger sowie von Baggern, Tiefladern, Kränen und anderem schweren Gerät.
