Natalia Stachon / Worddust everywhere

Natalia Stachon (*1976 in Kattowitz, lebt und arbeitet in Berlin) entwickelt für ihre Ausstellung „Worddust everywhere“ im Kunstverein Springhornhof ein Gefüge aus Skulpturen, Rauminterventionen und Zeichnungen, in dem die Gegenwart von Sprache und Zeichen sinnlich erfahrbar wird. Als geprägte, auf dem Boden verstreute Straßenschilder mit Wortfragmenten. In Form transparenter Objekte an den Wänden, die an Lautsprecher erinnern, jedoch eher eine stumme Abwesenheit spürbar machen. Oder als zerknüllte in aufwändiger Handarbeit polierte Kupferblätter, die scheinbar achtlos wie verworfene Visionen und Ideen daliegen. 

Die Künstlerin zeigt uns hier die leeren Bühnen und Kulissen – die Infrastruktur, die wir errichten und in der wir unsere Getriebenheit ausleben. Doch sie überführt diese in poetische Orte voller Stille, Eingefrorenheit und Intensität, in denen Raum und Sprache zur einer Einheit werden.

Der Titel der Ausstellung stammt aus dem Roman Nova Express (1964) von William S. Burroughs, den er in der cut-up Methode verfasste: dazu hat er unterschiedliche Textquellen in kleine Fragmente zerschnitten oder gefaltet und dann neu angeordnet. Durch diese endlose Überlagerung von Ausschnitten scheint alles ineinander zu greifen und auf einmal Sinn zu ergeben. Wie ein tausendfach belichteter Film enthält diese Literatur einen unwiederbringbaren Augenblick lang Vieles von Aktualität und Bedeutung. 

Wortfragmente sind in unserer Gegenwart unausweichlich. Staub gleich legen sich die Anweisungen, Verbote, Nachrichten, Wortketten auf alles, kriechen in jede Ritze. „Wie Gefangene stecken wir fest in einer riesigen Schreib,- Beschriftungs- und Beschreibungsmaschine“ (Tom McCarthy). Doch genau in dieser Unfassbarkeit hat Burroughs auch die poetische Sprengkraft von Sprache erkannt. 

Natalia Stachon studierte von 1997–2004 in Hamburg an der Hochschule für bildende Künste und an der Zürcher Hochschule für Gestaltung und Kunst. 2010 war sie Stipendiatin der Konrad-Adenauer-Stiftung Berlin. Ihre Werke waren unter anderem im Skulpturenmuseum Glaskasten Marl, im Center of Contemporary Art, Torun/Polen, im Haus Konstruktiv Zürich, im n.b.k. Neuer Berliner Kunstverein und im Museum für Konkrete Kunst in Ingolstadt zu sehen. 2013 erschien die Monographie Natalia Stachon. Daimler Artist Book #3, herausgegeben von der Daimler Kunstsammlung Stuttgart/Berlin.

Essen & Schlafen in der Umgebung

direkt nebenan:
Café & Ferienwohnungen Hof Wilkens, Bahnhofstraße 11Café Fr – So 14 – 18 Uhr (Weihnachten bis Ostern geschlossen)

wenige Schritte entfernt:
Hotel & Restaurant Neuenkirchener Hof, Hauptstraße 27, regionale Küche, Biergarten
Eiscafé Venezia, Hauptstraße 27 (in den Wintermonaten geschlossen)
La Piazza, Hauptstraße Ecke Frielinger Str., einfache ital. Küche, Pizza
Feuerstein, Hauptstraße Ecke Kirchstraße, Spezialitäten vom Balkan
Bäckerei & Cafe Schlumbohm, Bahnhofstraße
Bäckerei & Cafe Tamke, Hauptstraße

an der B71 Richtung Soltau/A7:
Café, Pension & Ferienwohnungen Eggershof, Ellingen, mit Heuhotel, Spielplatz & Streichelzoo (8 km)
Menkenhof, Bauernpension, Ferienwohnungen & Reiterhof (7 km)

an der B71 Richtung Rotenburg (Wümme)
Badens Gasthaus, Ferienwohnungen & Gästehaus. Brochdorf (2,5 km)
Hotel & Restaurant Landhaus Tewel (5 km), regionale Spezialitäten, FischFerienwohnung Zimmermann (behindertengerecht), Tewel (5 km)

Richtung Schneverdingen/A1:
Hotel & Gasthaus Camp Reinsehlen, in direkter Nachbarschaft des „Parcours“ von Jeppe Hein (17 km)

Richtung Bad Fallingbostel:
Ferienhof Springhorn, Reiterhof mit Pension & Ferienwohnungen (5,5 km)

Weitere Tipps und Informationen erhalten Sie bei der Heidetouristik Neuenkirchen.

Antje Schiffers / Myvillages

Buchen und Eichen treten auf

bis 30. August 2020 / Fr, Sa, So 14 – 17 Uhr und nach Vereinbarung

In ihrer Ausstellung schreibt die Künstlerin Antje Schiffers einen Theaterabend fort, der im vergangenen Dezember an diesem Ort stattgefunden hat. 

Geschichten und Assoziationen rund um die Produkte, die im „International Village Shop“ im Foyer des Kunstvereins erhältlich sind, haben Schiffers und Choreographin Sommer Ulrickson mit mehr als 30 Mitwirkenden aus dem Dorf kollektiv als abendfüllende Revue in Szene gesetzt. 

Bühnenbilder, Szenen und Requisiten der Revue hat Schiffers nun durch Fotos, Wandgemälde, Shakespearezitate, Autogrammkarten und einen großen Kulissenfundus ergänzt und eine mehrteilige begehbare Inszenierung daraus gemacht – fragmentarisch, ein bisschen melancholisch und mit zweifelhaftem Wahrheitsgehalt. 

Es geht um das Präsentieren und Inszenieren von Geschichten, Orten und Ereignissen. Wer bestimmt, was erzählt wird und wie? Bühnen und Festplätze werden vorbereitet und warten auf den Auftritt, den Austausch, das Fest. 

Gefördert durch

The International Village Shop – live!

Ein Theaterstück, eine Revue, eine Aneignung

Samstag, den 14. Dezember 2019

Künstlerin Antje Schiffers und die aus Los Angeles stammende Choreografin Sommer Ulrickson haben mit über dreissig Mitspielern aus der Lüneburger Heide und internationalen Gästen ein abendfüllendes Stück mit Musik, rennenden Bäumen, Gedicht, Werbeblock, Balanceakten, Laufsteg, stillen Tischzenen und Gesang entwickelt. Das Publikum wird von Station zu Station durch die Ausstellungsräume geleitet, ein Teil der Kulissen macht sich mit auf den Weg und im Anschluss gibt es Kartoffelsalat und Würstchen an der Bar.

Im Mittelpunkt dieses übermütigen Spiels mit Nacherzählung und Fiktion, Klischee und Bruch stehen die Waren des „International Village Shop“. Seit zwei Jahren betreibt Antje Schiffers mit der Künstlerinnengrupe Myvillages im Eingangsbereich des Kunstvereins den „Internationalen Dorfladen“. Hier gibt es Produkte, die eigens mit verschiedenen Dorfgemeinschaften erfunden und produziert wurden: Froschbutterlöffel aus Oberfranken, Fufu-Schalen aus Ghana, andalusisches Geschirr, Kartoffelschlafsäcke aus der Heide, Waren aus China, Nordirland und anderswo.

Geht es um dörfliche und ländliche Produkte, stehen fast durchweg Bilder und Erzählungen des Lokalen, Authentischen und Beständigen im Fokus. Was aber soll das sein? Ist das etwas so Eindeutiges? Ist das Dörfliche wirklich keinem Wandel unterworfen? Wenn nicht, wie macht man es als Mehrdeutiges oder Widersprüchliches erzählbar? Die Ermächtigung des ländlichen Raums zu einer eigenen und differenzierten Erzählung von sich selbst und das Erzeugen von Aufmerksamkeit für diese Erzählung gehört zu dem, was Kultur leisten kann.

Die Inszenierung wird gefördert vom Fonds Darstellende Künste aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien

Balanceakte – Skulpturen und Installationen unter den Dorfeichen

Jenny Brockmann, D / Gunilla Klingberg, S / Llobet & Pons, E / Milena Naef, CH / Lisa Seebach, D / Talmon Biran architecture studio, ISR /b Johan Thurfjell, S / Müge Yilmaz, TUR/NL

bis 29. September 2019

Unter den Eichen, zwischen Kunstverein und Kirche, sorgen Skulpturen und Installationen von acht internationalen Künstlerinnen und Künstlern für ungewisse Zustände. Gravitation und Gleichgewicht, Spannung und Volumen sind klassische Parameter der Skulptur. Kunst, die sich damit befasst, wirft auch die Frage auf, welche Beziehungen der Betrachter als physisches und soziales Wesen mit seiner Umwelt eingeht. Das Verlangen nach Balance und Ausgleich ist dabei zutiefst menschlich. Mit einem »verlorenen« Gleichgewicht beschreiben wir Störungen und Krisen der Psyche, der Gesellschaft und der Natur. Dem entgegen steht die Lust am befreienden Zusammen bruch allzu wohltarierter Verhältnisse und die verlockende Annäherung an den »Point of no Return«.

Ein Ausstellungsprojekt von Kunstverein & Stiftung Springhornhof in Zusammenarbeit mit der St.-Bartholomäus-Kirchengemeinde Neuenkirchen.

RANDI NYGÅRD

Gesichte, Geschichte, Gedichte – Sicht, Schicht, Dicht

bis 15. Dezember 2019

Foto: Uli Holz

 Randi Nygårds (*1977 lebt und arbeitet in Oslo, Norwegen) künstlerische Arbeit basiert auf einer Vielzahl interdisziplinärer Quellen. Ihre Werke sind inspiriert davon, was der Anbau von Baumwolle für das Ökosystem bedeutet, wie Vögel monatelang am Himmel gleiten können, ohne auf der Erde zu landen, wie viele Vögel sterben, wenn sie in Fenster fliegen, wie Umweltverschmutzung zur Entstehung von Wolken beiträgt, die voll von organischem Leben sind und was die Wörter „Zelle“, „Kostüm“ und „Geographie“ zu verschiedenen Zeiten bedeuteten. Für ihre Collagen findet Nygård Bücher und Zeitschriften oder Bilder aus dem Internet, die sich auf solche Themen beziehen. Indem das Material von ihr geöffnet, zerschnitten, transferiert und zu dreidimensionalen Gebilden verwoben wird, lässt sich erahnen, dass auch rationale Informationen poetische und intuitive Verbindungen enthalten. In ihren Frottage-Zeichnungen legt sie dünne Papiere auf Dinge und zieht ihre mit Kohle oder Pastell verschmierten Hände über die unebenen Oberflächen. Die Zeichnungen entstehen in der Begegnung ihrer Hände mit den Strukturen des Papiers und der Objekte, sei es tausendjähriges Eis, verblasste Blumen oder gebrauchte Buchumschläge. An den Schnittstellen zwischen dem Flachen und dem Räumlichen, dem Figürlichen und dem Abstrakten, dem Wissenschaftlichen und Poetischen entsteht der Wunsch, die Welt offener und vernetzter zu sehen. 

Llobet & Pons / Bevölkerungspyramidengrillplatz

Das spanische Künstler-Duo Llobet & Pons hat gemeinsam mit Dorfbewohnern und unterstützt von einem Team von Jugendlichen aus China, Deutschland, Frankreich, Russland, Serbien und Spanien eine partizipative Außenskulptur in Behningen bei Neuenkirchen entwickelt. 
Zwischen dem Dorfgemeinschaftshaus, das vor kurzem von den Dorfbewohnern renoviert wurde, dem Feuerwehrhaus und dem Spielplatz entstand der zweiteilige „Bevölkerungspyramidengrillplatz“, dessen skulpturale Gestaltung auf statistischen Daten zur Bevölkerungsentwicklung im Heidekreis basiert. Das Anliegen der beiden Künstler war es, eine Struktur zu schaffen, die einen praktischen Nutzen hat und zum Nachdenken über die Zukunft anregt. Ein Ort zum Feiern, an dem Dorfbewohner und Kunstbesucher sich treffen, picknicken und grillen können und der im Gegensatz zur traurigen Realität der Landflucht steht.

Seit 2002 erarbeiten Jasmina Llobet (*1978, Barcelona E) und Luis Fernández Pons (*1979, Madrid E) gemeinsam Skulpturen, Objekte und Installationen für den Innen- und Außenraum. Das künstlerische Vorgehen der beiden basiert auf der Beobachtung sozialer Beziehungen und dem Dialog. Vielfach verändern Llobet & Pons Alltagsgegenstände wie Baumaterialien, Kleidungsstücke oder Sportgeräte, um diese in einer Weise nutzbar zu machen, die den Objekten eine neue Bedeutung verleiht. Zu ihren bekanntesten Werken im Öffentlichen Raum zählt „Multibasket – No one wins“, eine variantenreiche Serie von Skulpturen aus Basketballkörben, bei denen das Spiel nach neuen Regeln erfolgen muss. In Barcelona wurden 2018 mehrere Körbe zu einem Ring angeordnet, auf Kuba bewegte sich 2015 ein „Basketmobil“ auf einem langsam fahrenden Auto durch ein Wohngebiet. In der Ausstellung „The Playground Project“ 2018 in der Bundeskunsthalle Bonn, markierten Basketballkörbe die Standorte von Ankerzentren für Geflüchtete auf großen Tafeln mit den Umrissen von Spanien und Nordrhein-Westfalen. 

Der „Bevölkerungspyramidengrillplatz“ wurde durch die Leader-Region Hohe Heide, den Lüneburgischen Landschaftsverbend und die VGH-Stiftung gefördert.
Der Aufenthalt der Jugendlichen wurde in Zusammenarbeit mit den Internationalen Jugendgemeinschaftsdiensten (ijgd) organisiert und durch die Rotary Clubs Walsrode und Hannover-Leineschloss unterstützt.

Rebecca Chesney

Ausstellung vom 22. September – 16. Dezember 2018

Rebecca Chesney beobachtet allmähliche Veränderungen in unserer Umwelt und die Auswirkungen menschlicher Aktivitäten auf die Natur. Die Filme, Papierarbeiten, Fundstücke, Stoffobjekte und Soundsammlungen der britischen Künstlerin entwickeln ihre Spannung aus der Kluft zwischen unseren Vorstellungen von Natur und Natürlichkeit und natürlich ablaufenden Phänomenen.

Chesney beschäftigt sich mit tragischen Unfällen durch fehlkonstruierte Outdoorkleidung (death by denim, Harris Museum and Art Gallery, Preston 2015), widmet sich den Auswirkungen extremer Wetterphänomene (Future Kit, Montalvo Art Center, California USA 2017) oder untersucht den Einfluss des Klimas auf die Literatur der Brontë-Schwestern und wie sich das Wetter rund um deren Wohnort seither verändert hat (Hope’s Whisper, Brontë Parsonage Museum 2011/12). In ihren Installationen verbinden sich nüchterne Beobachtung mit poetischer Deutung und grotesker Übertreibung.

Während eines Atelieraufenthalts im Springhornhof hat Rebecca Chesney die landschaftliche Umgebung des Dorfes erkundet, sich in die Werke des Heimatforschers Horst Mikasch vertieft und neue Werke für die Ausstellung entwickelt, die sie zusammen mit einer Auswahl vorangegangener Projekte zeigen wird. 

Einzelausstellungen, Installationen: 2015 City Birds Atelier Sangatsu. Osaka, Japan. Part of Indefineable Cities curated by Anna Francis and Koh Yoshida / 2013 Urban Wild. Cona, Mumbai, India; Irrational Constant. Nirox Sculpture Park, South Africa / 2012 I’m blue, you’re yellow. 2 acre meadow installation in Everton Park, Liverpool; Hope’s Whisper. The Bronte Parsonage Museum, Haworth / 2011 Diligent Observation. Yorkshire Sculpture Park, West Bretton / 2007 Death Equals All Things – Omnia Mors Aequat. Bolton Museum and Art Gallery, Bolton / 2005 Nightfall. The Lowry, Salford / 2003 Wait. Prima Kunst, Stadtgalerie, Kiel, Germany

Will Beckers DER WANDERER

DEU, Niedersachsen, Neuenkirchen, 2019, Skulptur „Der Wanderer“ von Will Beckers – Kunstverein Springhornhof in der Lueneburger Heide, Copyright photo: Fred Dott, Hamburg

Im August 2018 waren im Springhornhof zwölf Jugendliche aus Italien, Mexiko, Serbien, Frankreich, Russland und Deutschland zu Gast, um gemeinsam mit dem Künstler Will Beckers eine Skulptur am Randes eines Wäldchens bei Holtmannshof zu errichten.

Die Skulptur „Der Wanderer“ besteht aus einem Grundelement aus Corten-Stahl, dessen Form und Proportion an einen großen Findling oder ein Schneckenhaus erinnert. Über das Objekt verläuft eine Inschrift, die auf natürliche Migrationsprozesse hindeutet, die sehr weite Räume und große Zeitspannen umfassen. Rund um den „Wanderer“ wurden Haselsträucher gepflanzt, die das Objekt im Laufe der Jahre immer stärker einfassen, überschatten und verdecken werden.
Will Beckers Skulpturen sind aus Naturmaterialien, oft in symbiotischer Verbindung mit Stein und Metall. Als „lebende“ Kunstwerke werden sie im Laufe der Zeit von der Vegetation durchdrungen und verändert. Viele seiner Skulpturen sind von eindrucksvoller Größe, mitunter begehbar und fungieren oft als Durchgang, Tunnel oder schützender Raum inmitten der Landschaft. 

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Gefördert durch die Leader-Region Hohe Heide, den Lüneburgischen Landschaftsverband und die Bingo Umweltstiftung

Das zweiwöchige Sommercamp wurde in Zusammenarbeit mit den Internationalen Jugendgemeinschaftsdiensten (ijgd) organisiert.
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Sebastian Dannenberg

vintage

30.06 – 09.09.2018

In seiner Ausstellung „vintage“ führt der Künstler Sebastian Dannenberg erstmals sehr unterschiedliche Werke, die in den letzten fünf Jahren in unterschiedlichen Zusammenhängen entstanden sind, zusammen und bringt sie sowohl untereinander als auch mit den Ausstellungsräumen in Beziehung.

Die Auswahl reicht von gegenständlicher und abstrakter Malerei auf Leinwand, bis zu aktuellen Arbeiten, bei denen sich Metallgegenstände, Neon, unterschiedliche Bildträger und direkt auf die Wand aufgetragene Farben, in und mit den Ausstellungsräumen verschränken und diese neu ordnen.

Die vier Ausstellungsräume des Springhornhofs, die hell und klar strukturiert sind, mit Holzbalken, Stützen und Betonunterzügen jedoch sehr unterschiedlichen Charakter haben, sind ideal für diese raumbezogene und spielerische Herangehensweise des Malers Sebastian Dannenberg.

Wohl kaum ein junger Künstler aus dem norddeutschen Raum ist zurzeit so präsent wie Sebastian Dannenberg. Nach dem Studium in Karlsruhe und Bremen, erhielt der 1980 in Bottrop geborene Künstler neben zahlreichen weiteren Preisen und Stipendien 2015 den Bremer Förderpreis für Bildende Kunst, 2016 war er Stipendiat der Künstlerstätte Stuhr Heiligenrode. Arbeiten von ihm waren bisher in allen namhaften Bremer Ausstellungshäusern, im Kunstverein Lüneburg, in der Bundeskunsthalle Bonn, der Städtischen Galerie Delmenhorst, der Kunsthalle Recklinghausen und im Museum Folkwang in Essen zu sehen.

Wir danken dem Land Niedersachsen und dem Lüneburgischen Landschaftsverband für die Förderung der Ausstellung.

APM AIRCONDITION, 2018, Lack auf Wand, verzinkte Bleche, Maße variabel

roomservice, 2016, Lack auf Wand, Putz, Maße variabel, CADORO, Mainz

roomservice, 2016, Lack auf Wand, Putz, Maße variabel, CADORO, Mainz

Expedition Natur

Jasper de Beijer, Patrick Bergsma, Karin Bos, DAT (Tammo Schuringa, Claudie de Cleen, Corinne Bonsma), Simon Faithfull, Florian Göttke, Scarlett Hooft Graafland, Lynne Leegte, Jochem op ten Noort, Henk Wildschut, Marjolijn de Wit, Erik Wuthrich

14. April – 17. Juni 2018

Karin Bos, spyglass

„Expedition Natur“ zeigt Arbeiten von überwiegend niederländischen Künstlerinnen und Künstlern, die sich mit der Darstellung von Landschaften befassen und deren Arbeitsweise durch einen spezifischen Umgang mit Materialien, Proportionen, Perspektiven und Versatzstücken zu charakterisieren ist. Einige nähern sich ihrem Thema dokumentarisch, andere haben einen forschenden Ansatz oder verarbeiten Darstellungen bekannter Sujets und Situationen. Reisen durch das In- und Ausland liefern Ideen, Bilder und Geschichten. Als Entdecker, Forscher, Erzähler oder Erfinder erkunden sie das menschliche Eingreifen in die Natur; manchmal ist der Weg das Ziel.

Gefördert durch das Land Niedersachsen, die Stiftung Niedersachsen und den Lüneburgischen Landschaftsverband.

Eine Ausstellung in Kooperation mit dem Museum CODA Apeldoorn (NL), kuratiert mit Karin Bos (Amsterdam)

 

Präsentation der HUANGBIAN BAG

Sonntag, den 3. Dezember um 15 Uhr.

Der „Internationale Dorfladen“ lädt ein zur Präsentation der HUANGBIAN BAG

Bei einer Tasse Tee berichtet die Künstlerin Wapke Feenstra von ihrem Arbeitsaufenthalt in China und zeigt den Film »Huangbian Bag« (25 min.) über die Entstehung und Herstellung des jüngsten Produktes im »International Village Shop«.

Das Design der praktischen Umhängetasche aus hochwertigem schwarzem Leder basiert auf Beobachtungen und Erzählungen, die auf den Straßen von Huangbian in Ghuangzou, China, gesammelt wurden. Stickereien im Inneren der Tasche verweisen auf die Geschichte des Dorfes, in dem man einst vom Bergbau und dem Anbau von Kaki Früchten lebte. Heute ist davon nichts mehr zu sehen, die landwirtschaftlichen Anbauflächen und das Bergbauareal sind komplett von Beton bedeckt. Eine schier endlose Zahl von Industriebetrieben für die Exportproduktion haben sich in den letzten zwei Jahrzehnten dort nieder gelassen. Die Dorfbewohner sind jetzt Vermieter und Arbeitsmigranten aus anderen ländlichen Regionen strömen durch die Straßen.

Ein Projekt von Wapke Feenstra (Myvillages) und dem Banyan Commune, Times Museum Guangzhou, 2017.

Am 1. Advent findet von 14 – 19 Uhr auf dem Neuenkirchener Schröers-Hof der weihnachtliche Deelmarkt statt.

Als die Kunst aufs Dorf kam – Kunstlandschaft Springhornhof 1967 – 1978

19. November – 17. Dezember Di – So 14 – 17 Uhr
anschliessend bis 25. Februar 2018 geöffnet nach Vereinbarung.

Im Sommer 1967 luden die erfolgreichen Galeristen Ruth (1927 – 98) und Wilm (1917 – 73) Falazik zehn Bildhauer aus Schweden, Japan, Italien und Deutschland zu einem Künstlersymposion rund um den Springhornhof in Neuenkirchen in der Lüneburger Heide ein. Ein halbes Jahr zuvor hatten die beiden einen ländlichen Ableger ihrer Bochumer Galerie auf dem ehemaligen Bauernhof eröffnet.

Dass dies der erste Schritt zu einem einzigartigen Ensemble von Skulpturen im offenen Landschaftsraum sein würde, das internationale Anerkennung genießt, Inspiration für Menschen aus allen Teilen der Gesellschaft bietet und bis heute immer wieder neue künstlerische Perspektiven auf Dorf, Natur und Landschaft entwickelt, war damals nicht abzusehen.

Anhand von Fotografien, restaurierten Filmdokumenten, Kunstkritiken und den erhaltenen Modellen und Originalwerken gibt die Ausstellung einen Einblick in die lebhafte Gründungs- und Experimentierphase des Projekts „Kunst–Landschaft“.

Es war die Zeit in der Dorfbevölkerung und Kunstwelt sich neugierig aufeinander zu bewegten und Ausstellungen wie „Aktion Heidebild“ (1972), „Kunst – Dorf“ (1974), „Foto-Film-Video“ (1975) oder„Zwei Steine sind nie gleich“ (1977) das Verhältnis von Kunst, Landschaft und Öffentlichkeit hinaus immer wieder neu herausforderten.

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Zur Ausstellung erscheint eine Zeitung mit ausgewählten Kritiken und Pressereaktionen der damaligen Zeit. Redaktion: Carmen Wedemeyer.

Kunsttour mit dem KURATO.kollektiv

Unter der Leitung der Hamburger Künstlerin und Kunstvermittlerin Karin Haenlein findet am Sonntag, 1. Oktober, 11 Uhr der letzte öffentliche Kunstausflug des Springhornhof in diesem Jahr statt.

Aus diesem Anlass haben wir Gäste eingeladen. Gemeinsam mit den Mitgliedern des KURATO.kollektiv von Kunstraum Tosterglope erkunden wir per Fahrrad die Skulpturen in der Landschaft und hinterfragen unsere eigenen Erinnerungen und Erwartungen. Nicht-Fahrradfahrer können der Gruppe auch mit dem PKW folgen.

Das Projekt KURATO.kollektiv – KURATO ist Abkürzung für Kunstraum Tosterglope – stellt zwischen zwei Skulpturen-Positionen in der Landschaft bei Neuenkirchen eine Zelt-Station auf. In dieser können Eindrücke des Skulpturen-Besuchs skizziert und formuliert werden und zugleich Vermutungen über die nächste Kunst-Station angestellt werden. 

Auf dem Rückweg dient die Kunst-Station des KURATO.kollektiv der leiblichen Stärkung. Es gibt Getränke und eine Mahlzeit aus dem Wok

Die Teilnahme an den Sonntagsführungen ist dank der freundlichen Unterstützung der Volksbank Lüneburger Heide eG kostenlos. Leihfahrrad € 5  (sollten Sie mehrere Fahrräder benötigen, bitten wir diese vorab zu reservieren).
Logo und Schrift linksb 300dpi

Gefördert wird KURATO.kollektiv vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur und vom Lüneburgischen Landschaftsverband

Björn Braun

2. September – 29. Oktober 2017

Die Skulpturen, Objekte und Installationen von Björn Braun (*1979, lebt in Berlin) entstehen durch die Transformation von einfachen Dingen wie Federn, Kartoffeln, Stühlen oder Papier. Die Gestalt und die Beschaffenheit seiner Ausgangsobjekte unterzieht er Veränderungsprozessen, aus denen sich neue poetische Bedeutungen und Zusammenhänge ergeben.

Im Schnellkochtopf werden Bücher über Landschaftsmalerei so lange gekocht bis aus dem Brei Papier geschöpft werden kann, das auf Keilrahmen gezogen und dann als faserig abstraktes Landschaftsbild an die Wand gehängt wird.

Bei anderen Arbeiten bezieht Björn Braun die Aktivitäten von Tieren auf unterschiedliche Weise in künstlerische Prozesse ein. Mal werden die Tiere angelockt um ihre Spuren an Skulpturen und Installationen zu hinterlassen, mal wählt der Künstler bunte Fäden aus, die von Zebrafinken zu zarten Gespinsten weiterverarbeitet werden, oder er lässt Skulpturen aus den Abgüssen von Spechthöhlen und Maulwurfsgängen entstehen.

 

International Village Shop

Our „International Village Shop“ by artist group Myvillages founded by Kathrin Böhm (GB), Wapke Feenstra (NL) and Antje Schiffers (D) is social sculpture, network and distribution channel at the same time.

The product range includes existing local products, such as Friesland’s horse-milk soap or Brooms from the Lüneburg Heath, as well as new things developed by villagers all over the world especially for the „International Village Shop“: „Frogbutter spoons“ from Oberfranken, „caravan flowerpots“ from Northern Ireland, „farmer porcelain“ from Spain or „Fufu Bowls“ from Ekumfi-Ekrafwo in Ghana. And, of course, there is also the „Potato Sleeper“ from felt, which was invented in Neuenkirchen.

The range of goods represents local resources, international connections, regional cooperations, unexpected self-presentations and shows us a treasure of ideas and knowledge from the country.

  • DEU, Niedersachsen, Neuenkirchen, 2017, Ausstellung Internationaler Dorfladen im Kunstverein Springhornhof in der Lueneburger Heide, Copyright photo: Fred Dott, Hamburg
  • DEU, Niedersachsen, Neuenkirchen, 2017, Ausstellung Internationaler Dorfladen im Kunstverein Springhornhof in der Lueneburger Heide, Copyright photo: Fred Dott, Hamburg
  • DEU, Niedersachsen, Neuenkirchen, 2017, Ausstellung Internationaler Dorfladen im Kunstverein Springhornhof in der Lueneburger Heide, Copyright photo: Fred Dott, Hamburg
  • DEU, Niedersachsen, Neuenkirchen, 2017, Ausstellung Internationaler Dorfladen im Kunstverein Springhornhof in der Lueneburger Heide, Copyright photo: Fred Dott, Hamburg
  • DEU, Niedersachsen, Neuenkirchen, 2017, Ausstellung Internationaler Dorfladen im Kunstverein Springhornhof in der Lueneburger Heide, Copyright photo: Fred Dott, Hamburg

Internationaler Dorfladen

Der „International Village Shop“ der Künstlerinnengruppe Myvillages, bestehend aus Kathrin Böhm (GB), Wapke Feenstra (NL) und Antje Schiffers (D), ist soziale Skulptur, Netzwerk und Vertriebsweg zugleich.

Das Sortiment umfasst bestehende lokale Produkte, etwa Pferdemilchseife aus Friesland oder Reisigbesen, genauso wie Dinge die von Dorfbewohnern in aller Welt speziell für den „Internationalen Dorfladen“ entwickelt wurden: Froschbutterlöffel aus Oberfranken, Kartoffelschlafsäcke aus der Lüneburger Heide, Wohnwagen-Blumentöpfe aus Nordirland, Bauern-Porzellan aus Spanien oder Fufu-Schalen aus Ekumfi-Ekrafwo in Ghana. 

Das Warenangebot erzählt von lokalen Ressourcen, internationalen Verbindungen, regionaler Zusammenarbeit, unerwarteten Selbstdarstellungen und zeigt uns einen Schatz an Ideen und Wissen vom Lande.

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Gefördert durch die Niedersächsischen Sparkassenstiftung, die Kreissparkasse Soltau, den Landkreis Heidekreis und die Leader+ Region Hohe Heide

Die Hohe Heide wird im Rahmen von PFEIL 2014-2ß10 mit Fördermitteln aus der Europäischen Union unterstützt.

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Der „International Village Shop“ ist täglich außer Montags von 14 – 18 Uhr (Nov/Dez 14 – 17 Uhr) geöffnet.

Veröffentlicht unter 2017

Spaziergang und Wiedereinweihung mit Claus Bury

Sonntag 6. August 2017, Start zu Fuß um 11 Uhr am Kunstverein 

Claus Burys 1989 errichtete Holzskulptur „Der Augenblick“ wurde in diesem Sommer durch ein Team von Auszubildenden der BBS Walrode, Behinderten des Vereins „Arbeit & Begegnung“, engagierten Kunstvereinsmitgliedern und den Hartböhner Zimmerleuten grundlegend saniert. 
 Aus diesem Anlass lädt der Springhornhof ein zu einem Künstlergespräch mit Claus Bury an, in und um seine versteckt an einem Teich in Neuenkirchen gelegene Skulptur „Der Augenblick“. Im Anschluss gibt es – je nach Wetterlage – einen Mittagsimbiss vor Ort oder im Springhornhof.

Der 1946 geborene, in Frankfurt lebenden Künstler und Hochschullehrer Claus Bury ist vor allem bekannt für seine monumentalen architektonischen Skulpturen im Öffentlichen Raum. Die klar konturierte Konstruktion von „Der Augenblick“ wirkt wie eine Kreuzung aus Haus und Turm. Eine schmale Passage führt durch sie hindurch. Seitliche Stufen bieten Zugang ins Innere, wo ein von gegenüberliegenden Treppen gefasster Raum mit schrägen Wänden nach oben zum Himmel hin geöffnet ist. Von hier aus kann man in die vorbeiziehenden Wolken blicken und zur Ruhe kommen.

Der Workshop zur Sanierung der Skulptur wurde gefördert durch

Tagesausflug zu den Skulptur Projekten in Münster

Samstag 16. September 2017

Seit 1977 finden in Münster die Skulptur Projekte statt. Alle zehn Jahre werden Künstler/innen aus aller Welt eingeladen ihre Werke in Auseinandersetzung mit dem öffentlichen Raum entstehen zu lassen. Seien Sie gespannt auf Arbeiten wie Ayşe Erkmens Passage über das Wasser, Pierre Huyghes Biotop in einer demontierten Eissporthalle oder Nicole Eisenmans zwanglos-frivoles Brunnenensemble.

Bei ihren Recherchen haben die Kuratoren Kasper König, Britta Peters und Marianne Wagner 2015 auch die Skulptur „Keepalive“ von Aram Bartholl in Neuenkirchen besucht. Nun sind drei Installationen des Künstlers, die eine Brücke vom Feuer als uraltem Versammlungsort zu den digitalen Medien schlagen, in Münster zu bestaunen.

7 Uhr Abfahrt ab Springhornhof / Hinfahrt mit Frühstückspause
11 – 13 Uhr Führung zu Fuss ODER mit dem Rad (dann Beginn 11.30 Uhr)
13.30 – 16 Uhr Erkundung auf eigene Faust
16 Uhr gemeinsames Kaffeetrinken im „Lux“ (nicht im Preis eingeschlossen)
17.30 – 21 Uhr Rückfahrt

Preis p. Pers. mit Führung zu Fuß
Mitglieder € 60 / Nicht-Mitglieder € 70
Preis p. Pers. mit Führung mit dem Leihfahrrad

Mitglieder € 66  / Nicht-Mitglieder € 76

Im Preis eingeschlossen sind: Hin- und Rückfahrt im Reisebus / Ein kleines Frühstück auf der Hinfahrt / Ein geführter Spaziergang oder eine geführte Fahrradtour zu verschiedenen Skulpturen im Stadtraum.

Bitte senden Sie uns bis zum 25. August das ausgefüllte Anmeldeformular zu:
Anmeldung münster 17

Nach Erhalt der Buchungsbestätigung zahlen Sie bitte bis zum 08. September den Reisepreis auf das Konto:
Kunstverein Springhornhof e.V.  IBAN: DE39258516600000534321.

 

Mutter / Genth DIE INNERE LOGIK DER GESCHICHTE

Anlässlich des fünfzigjährigen Bestehens der Landschaftskunstprojekte von Kunstverein & Stiftung Springhornhof haben die Hamburger Künstler Heike Mutter und Ulrich Genth eine mechanische Installation mit der Holzfassade des Ausstellungsgebäudes realisiert. „Die innere Logik der Geschichte“ bezieht sich unmittelbar auf den Ort Neuenkirchen und seinen Entstehungsmythos. Die Existenz Neuenkirchens wird auf die erste mittelalterliche Kirche zurückgeführt, die an der Stelle des heutigen Kirchenbaus errichtet wurde. Zu ihrer Gründung ist eine einzige Geschichte schriftlich überliefert, mit der sich lokale Heimatforscher in jahrelanger Arbeit auseinandergesetzt haben. Sie wurde auf ihren Wahrheitsgehalt untersucht und in das lückenhafte Puzzle aus geschichtlichen Überlieferungen eingeordnet. 1958 stellte die Gemeinde trotz der Annahme, dass die Geschichte sich so nicht ereignet haben kann, einen Antrag das Gemeindewappen mit Elementen dieser Geschichte zu gestalten. Die künstlerische Arbeit ist die meiste Zeit nahezu vollständig verborgen. Nur eine Wetterstation auf dem Dach und die feine Linienzeichnung eines Fensterausschnitt es in der Fassade sind permanent sichtbar. Von Zeit zu Zeit öffnen sich ohne Ankündigung zwei Läden im Giebel und schwenken langsam nach außen. Durch eine verborgene Mechanik schließen sich die zwei Hälften eines metallenen Pferdekopfes in der Mitte zu einer Figur. Weithin verkündet sie die Entstehungslegende des Dorfes Neuenkirchen; jedoch immer wieder in einer anderen Version. Die verschiedenen Versionen konzentrieren sich jeweils auf einen anderen Aspekt des Mythos. Nach der Erzählung schließen sich die Läden wieder.

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Wir danken dem Land Niedersachsen und dem Lüneburgischen Landschaftsverband für die großzügige Unterstützung


Lara Almarcegui SAND

For her installation at the Springhornhof, Lara Almarcegui (born 1972 in Saragossa, living in Rotterdam) has 120 cubic meters of sand poured on the ground floor of the Kunstverein. With this almost ceiling-high installation, there is a creation of a relationship between the historical exhibition building and the naturalism of the raw material necessary for its construction, and the origins of that raw material from beneath the building. At the same time it directs the view of sand as one of the most important construction materials worldwide and comments on the availability of this resource.

Lara Almarcegui, who represented her birthplace of Spain at seth Venice Biennale in 2013, and who was an artist in residence of the Leuphana Arts Program in 2015, has an expanded researching approach tat examines economic conditions, legal regulations, and geological changes. In her exhibition, this is understood thanks to supplemental drawings, texts, and a film.

In the time leading up to the show, the artist undertook extensive research into the sand deposit of the region. Among other things, she was able to take ultrasonic measurements of the grounds of the Kunstverein Springhornhof with scientists from the Leibniz Institute for Applied Geosciences in Hannover in order to measure the soil texture and the strength of the natural sand layer. The result of the measurements taken were implemented in the exhibition via drawings. In addition, the Landkreis Hedekreis received a building permit for a deep pit, which officially secured the artist’s access to the sand.

The exhibition is the start of the Jubilee Program of Springhornhof, which this year celebrates the 50th anniversary of its landscaped art projects. In 1967, sculptors from Japan, Sweden, Italy and Germany were invited for the first time to the Heidedorf Neunkirchen, in order to work on boulders. Since then, artists such as Gary Rieveschl, Christiane Möbus, Timm Ulrichs, HAWOLI, Micha Ullman and Tue Greenfort, have repeatedly occupied themselves with the soil and rocks found in the region in their sculptures and installations.

Exhibition runs from April 2 to August 20, 2017

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Kunsttour mit Christiane Möbus

Am Sonntag dem 2. Juli lädt der Kunstverein Springhornhof in Neuenkirchen ein zu einem Künstlergespräch mit Christiane Möbus an ihrer Skulptur „Der innere Kreis der äusseren Linie – folgend“. Treffpunkt ist um 11 Uhr vor dem Kunstverein, dann geht es mit privaten PKWs zum Standort des Objekts am Rand von Tewel.

Als Christiane Möbus im Jahr 1977 zusammen mit 14 anderen Künstlern eingeladen wurde in Neuenkirchen eine Skulptur zu realisieren, gab es eine klar formulierte Aufgabenstellung. Ausschließlich vor Ort gefundene Pflanzen, Erde, Steine, Bäume oder aber landwirtschaftliches Gerät durften für die neuen Kunstwerke verwendet werden.

Die damals 30-jährige Bildhauerin und Objektkünstlerin schuf eine zurückhaltende und dennoch künstlerisch konsequente Arbeit. Mit einer ebenso minimalen wie irreversiblen Markierung auf der Oberfläche eines Findlings an einem Feldweg bei Tewel gelang es Christiane Möbus die Dialektik von Natur und Kultur, von Vorgefundenem und Bearbeitetem klar herauszuarbeiten.

Vierzig Jahre nach der Entstehung des Werkes geht es zusammen mit Christiane Möbus und dem seit damals mit ihr befreundeten Neuenkirchener Bildhauer HAWOLI auf Spurensuche vor Ort. 

Wie haben sich Kunst und Landschaft verändert und welche gemeinsamen Erinnerungen gibt es an die großen Künstlersymposien die in den 1970er Jahren hier stattgefunden haben? 

Christiane Möbus gilt heute als eine der wichtigsten Bildhauerinnen der Gegenwart. Nach wie vor verarbeitet die in Hannover und Berlin lebende Künstlerin, die 2010 den renommierten Gabriele Münter Preis erhielt, Archaisches: Von toten Bäumen bis hin zu präparierten Schwänen, Eisbären oder Giraffen.

Talk mit Lara Almarcegui & Fahrradtour

Herzlichen Einladung zu einem Pfingstsonntag mit Kunst und Kultur auf dem Lande!

Sonntag 4. Juni 2017

11 Uhr   Künstlergespräch mit Lara Almarcegui
12 Uhr    Geführte Fahrradtour zu den Landschaftskunstwerken von Gary Rieveschl, Karl Ciesluk, Ulrich Eller und Gabriela Albergaria.
Anschließend Möglichkeit zur Weiterfahrt zum Hoffest auf dem Menkenhof bei Soltau (ca. 8 km)
Rückfahrt individuell
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Im Ausstellungsgespräch von Lara Almarcegui (*1972 in Saragossa, lebt in Rotterdam) mit der Kuratorin Bettina v. Dziembowski geht es um Beziehungen und Abhängigkeiten von Natur, Politik und Architektur und darum wie die Künstlerin, die 2013 ihr Geburtsland Spanien bei der Biennale von Venedig vertreten hat, diese Zusammenhänge in ihrem Werk betrachtet.

Ihre Ausstellung im Springhornhf konfrontiert die Betrachter mit dem gewaltigen Volumen von zwölf LKW-Ladungen Sand aus einer nahe gelegenen Kiesgrube, den sie im Erdgeschoss des Kunstvereins hat aufhäufen lassen.

Das Material wird heutzutage in großen Mengen abgebaut um Betonfertigteile und Eisenbahnschwellen herzustellen. Der Rohstoff Sand lagert seit der Eiszeit auch in großen Mengen direkt unter dem Kunstverein. Almarceguis Installation verweist auf das rasante Tempo globaler Bautätigkeiten und die tiefgreifenden Veränderungen, die dies in der Landschaft verursacht.

Im Anschluss an das Künstlergespräch geht es per Fahrrad zu einigen Neuenkirchener Landschaftskunstwerken für deren Entstehung ebenfalls Gestein und Erdreich bewegt wurde.

Der Springhornhof blickt in diesem Jahr auf das fünfzigjährige Bestehen seiner landschaftsbezogenen Kunstprojekte zurück. 1967 wurden erstmals Bildhauer in das Heidedorf eingeladen, um vor Ort Findlinge zu bearbeiten. Bis heute haben sich Künstler/innen wie Gary Rieveschl, Karl Ciesluk, Ulrich Eller oder Gabriela Albergaria in ihren ortspezifischen Installationen rund um das Dorf immer wieder mit der Topografie der Lüneburger Heide auseinander gesetzt.

Im Anschluss an die Kuntsttour bietet sich ein Abstecher zum alljährlichen Hoffest mit Bewirtung, Musik, Kunsthandwerk, regionalen Produkten, historischen Treckern und jungen Pferden auf dem Menkenhof bei Soltau an.

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Die Teilnahme an den Führungen ist dank der freundlichen Unterstützung der Volksbank Lüneburger Heide eG kostenlos. Leifahrrad € 5 (bitte reservieren)

Gesprächskonzert »Ums Wort« | Ensemble Lemniscate

Sonntag 14. Mai 2017, 11 Uhr

Einladungskarte ensemble lemniscateDer Aufführungsort: eine Rauminstallation der Konzeptkünstlerin Lara Almarcegui – in ihren Werken beschäftigt sie sich mit Gestein, Mineralvorkommen, dem Erdreich und den Grundstoffen, aus denen sowohl unsere natürliche als auch unsere erbaute Umwelt besteht. So finden sich das Ensemble Lemniscate und das Publikum in einem mit Sand aufgeschütteten Raum wieder; und inmitten von Bildern, Diagrammen und Wandtexten, die die Erkundungen der Künstlerin visualisieren.

Das Ensemble Lemniscate, das immer wieder Grenzen der verschiedenen Genres und Stilrichtungen auslotet und unterschiedliche Kommunikationsformen musikalisch verarbeitet, erscheint prädestiniert dafür in dieser Umgebung aufzutreten und Raum, Klang und Wort in Beziehung zu setzen. Verteilt im Raum und umgeben von der Installation, »erspielen« die MusikerInnen eine ästhetische Erfahrung an der Schnittstelle von Musik und Bildender Kunst.

Wie stets bei den „Gesprächskonzerten“ im Springhornhof wird ein Mitglied des Ensembles – diesmal der Dirigent Daniel Moreira – kurz in die gespielten Stücke einführen. Im Anschluss an das Konzert gibt es die Gelegenheit zum Gespräch mit den Musikern bei einem Glas Wein und einem Teller Suppe.

KONZERTPROGRAMM
Anette Schmucki (*1968) | SAND_SCHLAMM_SCHNEE_QUARTETT (2015)
Yan Maresz (*1960) | Circumambulation (1993)
Matthew Shlomowitz (*1975) | Letter Piece No. 5: Northern Cities (2008)
Franco Donatoni (1927-2000) | Argot (1979)
Benjamin Ryser (*1989) | Fragebogen C (2015/16)
Daniel Moreira (*1984) | Das Nein-Doch Spiel (2011)

AUSFÜHRENDE
Micaela Grau Durán | Flöte
Mariella Bachmann | Klarinette
Andreas Kunz | Violine
Ellen Fallowfield | Violoncello
Anne-Laure Dottrens | Viola
João Carlos Pacheco | Percussion
Daniel Moreira | Dirigent
Ricardo Eizirik | Künstlerische Leitung

TICKETS
10,- € | 5,- € ermäßigt
Inklusive Mittagsimbiss im Anschluss an das Konzert.

Wiedereinweihung des sanierten „Holzkristall“ von Tony Cragg

Sonntag, 7. Mai 2017

11 Uhr    Kunstpartie per Fahrrad
mit Prof. Dr. Ulrich Krempel, Bürgermeister Carlos Brunkhorst und der Leiterin des Springhornhofs Bettina v. Dziembowski geht es mit Zwischenstopps an den Landschaftskunstwerken von Neuenkirchen nach Tewel.

13 Uhr    Willkommensfest rund um die Skulptur von Tony Cragg
Am Schwimmbad 100, 29643 Neuenkirchen-Tewel
– der Vorstand des Kunstvereins tischt auf
– es spielt das Blasorchester Tewel
– Plakataktion mit dem Kindergarten Löwenzahn
– zur Skulptur spricht Prof. Dr. Ulrich Krempel, Künstlerischer Beirat Springhornhof

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Lara Almarcegui SAND

 
Für ihre Rauminstallation im Springhornhof lässt Lara Almarcegui (*1972 in Saragossa, lebt in Rotterdam) 120 Kubikmeter Sand im Erdgeschoss des Kunstvereins aufschütten. Mit dieser fast raumhohen Installation stellt sie eine Beziehung zwischen dem historischen Ausstellungsgebäude und dem natürlichen Vorkommen des für dessen Errichtung notwendigen Rohstoffs her, der in großen Mengen unter dem Haus lagert. Zugleich lenkt sie den Blick auf Sand als eines der weltweit wichtigsten Konstruktionsmaterialien und die Verfügbarkeit dieser Ressource. 

Lara Almarcegui, die 2013 ihr Geburtsland Spanien bei der Biennale von Venedig vertreten hat und 2015 Residenzkünstlerin des Leuphana Arts Program war, hat einen erweiterten und forschenden Ansatz, der ökonomische Verhältnisse, gesetzliches Regelwerk und geologische Veränderungen einer intensiven Untersuchung unterzieht. In ihrer Ausstellung wird dies anhand von Zeichnungen, Textarbeiten, einem Film sowie der Installation „Sand“ eindrucksvoll spürbar. 

So hat die Künstlerin im Vorfeld der Schau umfassende Recherchen zu Sandvorkommen in der Region unternommen. Unter anderem konnte sie mit Wissenschaftlern des Leibniz Instituts für Angewandte Geowissenschaften Hannover Ultraschallmessungen auf dem Gelände des Kunstvereins Springhornhof durchführen, um die Bodenbeschaffenheit und die Stärke der natürlichen Sandschicht zu messen. Die Ergebnisse der Messungen hat sie für die Ausstellung in Zeichnungen umgesetzt. Darüber hinaus wurde beim Landkreis Heidekreis eine Baugenehmigung für eine tiefe Grube eingeholt, womit der Künstlerin der Zugang zur Sandschicht offiziell gesichert ist.

Die Ausstellung ist der Auftakt zum Jubiläumsprogramm des Springhornhof, der in diesem Jahr das fünfzigjährige Bestehen seiner landschaftsbezogenen Kunstprojekte feiert. 1967 wurden erstmals Bildhauer aus Japan, Schweden, Italien und Deutschland in das Heidedorf Neuenkirchen eingeladen, um vor Ort Findlinge zu bearbeiten. Seither beschäftigten sich Künstler/innen wie Gary Rieveschl, Christiane Möbus, Timm Ulrichs, HAWOLI, Micha Ullman und Tue Greenfort in ihren Skulpturen und Installationen immer wieder mit dem in der Region vorgefundenen Erdreich und Gestein.  

Ausstellung vom 02. April – 20. August 2017

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Tillmann Terbuyken TONDOS

29. Oktober – 18. Dezember / Januar & Februar 2017 TT_Neunkirchen_11_2_1

Seit dem Frühjahr hat Tillmann Terbuyken (*1978 in München, lebt in Hamburg und Amsterdam) das Atelier im ehemaligen Hühnerstall des Springhornhofs genutzt um seine Einzelausstellung vorzubereiten. Hier entstanden Malereien, Collagen, Decollagen sowie Gebautes aus unterschiedlichen Materialien. Terbuykens Objekte sind in immer wieder neuen Konstellationen und Raumsituationen einsetzbar. Ab Mitte Oktober wird er sie zu einem Gesamtgefüge aus Tafelbildern, mehr oder weniger funktionalem Mobiliar und variablen Bildräumen in die Architektur des Springhornhofs einfügen.

Michael Schmid MOMENT,

Moment,10. September – 16. Oktober 2016

In den Fotografien von Michael Schmid sind die Motive unmissverständlich.
Gegenstände seiner Darstellung sind oftmals Dinge des Alltags: eine Lampe, ein Herd, ein Gummihandschuh usw. Diese „Objekte der Erfahrung“ (Krauss) stehen isoliert im Zentrum des Bildraums, wo nichts von ihrer Präsenz ablenkt.
Eine dezidierte Konzentration auf das Wesentliche wohnt den Bildern inne, wobei ein Inneres – das sollten wir bei der Betrachtung von Fotografien niemals aus den Augen verlieren – sich hier nur auf der Oberfläche, an jenem „prominente[n] Ort einer Verständigung über die ihm vorausgesetzten medialen Bedingungen“ (Siegel), materialisiert. Auf, oder besser, in dieser dünnen Schicht verdichten sich Licht und Chemie zu einem Bild.
aus: Yvonne Bialek, „how to show“ – Versuch einer Antwort mit den Bildern von Michael Schmid, 2015.

www.schmidmichael.com

Diskussionsforum

Symposion Neuland: Kunst & LandschaftsarchitekturDienstag, den 30. August 2016, 18:00 h

Zwischen Musentempel und Manufaktur? Perspektiven für Handwerk und Kunst im ländlichen Raum

In Zusammenarbeit und mit „KulturKontakte“, einer Initiative des Landes Niedersachsen, den Industrie- und Handelskammern und der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg geht es um die vielfältigen Beziehungen zwischen Handwerk, Design und Bildender Kunst, und dies insbesondere im ländlichen Raum.

Welches sind die jeweiligen Alleinstellungsmerkmale? Wo liegen Unterschiede und Gemeinsam­keiten? Welche bisher ungenutzten Chancen bieten sich bei der Standortentwicklung im ländlichen Raum? Welche Erfahrungen und Erkenntnisse gibt es in anderen ländlichen Regionen in Deutschland und Europa?

Der Kurator und Kulturpublizist Martin Fritz, Wien beginnt mit einem einführenden Überblick.

Auf dem Podium außerdem:
Friederike Otto, Werkakademie für Design und Gestaltung im Handwerk Niedersachsen, Hannover
Markus Geyer-Meergans, Hermann-Petersen-Einrichtungen, Soltau
Moderation: Antje Diller-Wolff, shs-medien, Neuenkirchen

Ausdrücklich laden wir Sie in einem zweiten Teil des Diskussionsforums nicht nur als zuhörende Teilnehmer ein, sondern auch als Gesprächspartner, die sich mit Fragen, eigenen Erfahrungen und Anregungen einbringen können. Im Anschluss haben Sie bei Imbiss und Getränken Gelegenheit zum weiteren Gedankenaustausch.

Aus organisatorischen Gründen bitten wir um Anmeldung (bitte Vornamen, Namen und Funktion angeben) unter info@springhornhof.de.

NOWHERES Simon Faithfull

Vortrag bei Kaffee & Kuchen
Sonntag, 28. August um 15 Uhr

0_Navigation_partIIZum Abschluss seiner bis zum 28. August verlängerten Ausstellung „zero“ im Kunstverein Springhornhof berichtet der britische Künstler Simon Faithfull über künstlerische Projekte und persönliche Erlebnisse zwischen Nord- und Südpol.

Ganz im Geiste der Naturforscher vergangener Jahrhunderte macht er sich mit einem Kompass in der Hand auf den Weg um den Erdball zu durchmessen. So wandert er in seiner Videoarbeit „0°00 Navigation“ (2009) quer durch England entlang des Nullmeridians. Er durchschwimmt Flüsse, klettert über Zäune und durchquert Wohnhäuser und Gärten um so nahe wie möglich an der schnurgeraden Strecke zu bleiben. 2014 folgt er dem Nullmeridian von der Küste Frankreichs bis an den Strand von Ghana. Der Künstler, den die Video- oder Fotokamera dabei stets von hinten beobachtet, erkundet die Paradoxien und Absurditäten der hypothetischen Linie und macht sichtbar, wo die Wirklichkeit der Landschaften und des Alltagslebens mit der kartografischen Abstraktion kollidiert.

In anderen Arbeiten erkundet er eher unwirtliche Sphären, wie ein brennendes Flugzeug, eine langsam überschwemmte Sandbank, den Rand des Weltalls, oder den Meeresgrund und lässt den Ausstellungsbesucher in Form von Filmen, Fotografien, Zeichnungen, Live-Übertragungen und Tagebucheinträgen daran teilhaben. „Es geht Faithfull dabei darum, Grenzen auszuloten, aber auch um die Grenzen des Abbildbaren.“ (Peter Boué)

Simon Faithfull *1966 in Ipsden/GB lebt in London und Berlin. Studium an der Reading University und der Central St Martins School of Art in London. Heute lehrt er an der Slade School of Fine Art. Seine Werke sind in zahlreichen internationalen Ausstellungen zu sehen.

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Wir danken dem Land Niedersachsen und dem Lüneburgischen Landschaftsverband für die Förderung der Ausstellung und des Vermittlungsprogramms.

Simon Faithfull ZERO

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26. Juni – 28. August 2016
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Simon Faithfull (*1966 in Ipsden/GB) nimmt uns mit auf Expeditionen rund um den Globus, in die Tiefen der Meere und an die Grenzen der Atmosphäre. Seine Werke kreisen um Methoden der Forschung und des Experimentierens. Man kann sie als den Versuch auffassen unseren Planeten als ein skulpturales Objekt zu betrachten, dessen Extreme auszureizen und von seinen Grenzen zu berichten, aber auch den Alltag und das Weltliche zu erkunden, Räume zu verbinden und Abstände zu verkürzen.

Gesprächskonzert »Naturgesetze« | Daphnis Streichquartett & Mikael Rudolfsson

in Zusammenarbeit mit Musik21 Niedersachsen

Sonntag, den 12. Juni 16, 11 Uhr

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Programm

Karlheinz Stockhausen (1928-2007): »TIERKREIS – 12 Melodien der Sternzeichen« (1975) in einer Bearbeitung für Streichquartett und Posaune von Mike Svoboda

John Cage (1912-1992):  »Solo for Sliding Trombone« (1957-58)

Im Anschluss an das Konzert sind die Konzertbesucher zu einer Suppe im Ateliergarten herzlich eingeladen.

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In einem Martinee-Konzert mit dem Posaunisten Mikael Rudolfsson und dem Daphnis Streichquartett begegnen Werke von Karlheinz Stockhausen und John Cage den Installationen und Fotografien von Blas Isasi Gutierrez und Kim Schoen. Visuell und akustisch geht es um Verhältnisse von Zufall und Ordnung in Kunst und Natur.

Das Gesprächskonzert an der Schnittstelle von Musik und Bildender Kunst wird durch die Musiker moderiert.

Mikael Rudolfsson (*1987 in Stockholm) wurde im Alter von 20 Jahren Solo-Posaunist des Gävle Symfonieorkesters. Er ist Gründungsmitglied des Ensembles Schwerpunkt, ein Blechbläserquintett mit welchem er 2011 den Felix Mendelssohn Bartholdy-Preis in Berlin und 2012 den 1. Preis beim 8. Internationalen Jan Koetsier-Wettbewerb in München gewann. Seine Vorliebe für die Musik der Gegenwart hat ihn zu den verschiedensten Festivals weltweit geführt, bei welchen er als Solist oder Kammermusiker mitgewirkt hat, u.a mit dem Ensemble Modern. Rundfunk- und Fernsehaufnahmen für den Deutschlandfunk, BR, SWR, NDR und den HR dokumentieren seine Vielseitigkeit.

Moritz Ter-Nedden (Violine), Frédérique Guilikers (Violine), Friedemann Jörns (Viola) und Elisa Aylon (Violoncello), die vier Musiker des Daphnis Quartett, stammen aus den Niederlanden, Italien, Deutschland und Südafrika. Sie studieren gemeinsam an der Musikhochschule in Hannover (HMTM) und sind seit ihrer Gründung im Herbst 2013 sehr gefragt. Im Februar 2014 gaben sie ihr Debut-Konzert mit Rundfunkaufnahme im NDR Sendesaal Hannover. Der Ensembleklang ist technisch brillant, spielerisch elegant und voller Hingabe.

Eintritt 10 € | erm. 5 €, inkl. Mittagsimbiss und Besuch der Ausstellung

Komma

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Stella Gilfert, Blas Isasi Gutiérrez, Dieter Kiessling, Mandy Krebs, Lucie Mercadal, Esra Oezen, Marko Schiefelbein, Corinna Schnitt, Kim Schoen, Helena Wittmann Kuratiert von Corinna Schnitt

9. April – 12. Juni 1016
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Für die Ausstellung „Komma“ hat die Künstlerin und Braunschweiger Hochschullehrerin Corinna Schnitt Arbeiten von zehn Künstlerkollegen und ehemaligen Studierenden ausgesucht, die sich mit Phänomenen des alltäglichen Lebens auseinander setzen. Gezeigt werden Videos, Fotografien und Skulpturen, die Visionen von Lebensentwürfen, Beobachtungen des Alltäglichen als auch Erinnerungen an Vergangenes aufgreifen.

Aus der lockeren Zuordnung der Arbeiten entstehen Bezüge, die es dem Betrachter ermöglichen, einen neuen Blick auf die eigene Lebenswirklichkeit zu werfen. Wie sieht die Welt aus, die uns umgibt? Wie wünschen wir uns die Zukunft? Wie ist unser gegenwärtiges Erleben geprägt von Hoffnungen und Wünsche an die Zukunft?

Der Ausstellungstitel „Komma“ ist der Grammatik entlehnt. Das Komma dient der Verständlichkeit, der Strukturierung eines Satzes und kann wesentlich seine inhaltliche Bedeutung bestimmen. Es gibt einen Rhythmus und die Sprachmelodie vor. So sind es in der Ausstellung „Komma“ eher die medialen Verschiebungen, Lücken und Fehlstellen, die die Bedeutungen des Gezeigten herstellen.
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Corinna Schnitt (*1964) ist mit Videoinstallationen und Filmen bekannt geworden, die in knappen, präzise beobachteten Inszenierungen die Absurditäten gesellschaftlicher Beziehungen und deren medialer Repräsentation aufscheinen lassen. Sie ist Künstlerin, Hochschullehrerin an der HbK Braunschweig und Kuratorin.

Der von ihr 1997 in Köln gegründete „schnittraum“, dessen Ausstellungsprogramm sie mit einem wechselnden Kuratorenteam realisierte, stellte aktuelle Film- und Videoarbeiten vor, veranstaltete mehrwöchige Projektreihe mit Vorträgen, Performances und Filmvorführungen und stand Künstlerinnen und Künstlern als Gastatelier zur Verfügung.

 

 

 

Stefan Dornbusch – Zimmer im Freien/Die Blaue Insel (2011)

IMG_2175Ein Zimmer im Freien zu haben, das ist zumindest an warmen Sommertagen eine verlockende Vorstellung. Warum nicht zumindest die Wohnzimmeraktivitäten des gemütlichen Beisammen-sitzens unter den blauen Himmel oder das sternenklare Firmament verlegen? Am Ortsrand der Gemeinde Drögenbostel hat der 1963 in Würzburg geborene, heute in Berlin lebende Künstler und Architekt Stefan Dornbusch seine Vision des Freiluftwohnens realisiert. Unmittelbar an der Landstraße zwischen Neuenkirchen und Visselhövede lädt Dornbuschs Installation „Zimmer im Freien/Blaue Insel“ (2011) dazu ein sich auf den auf einer Holzplattform bereitgestellten einheitlich blau gestrichenen Bänken und Stühlen niederzulassen. Blumenschmuck in Form von Stiefmütterchen in einer Waschbetonschale ist ebenso vorhanden wie ein imposanter Wacholder, der sich im Advent bei Bedarf auch in einen Ersatztannenbaum umwandeln ließe. Bei einbrechender Dunkelheit sorgt eine standardmäßige Straßenlaterne für angenehme Beleuchtung. Und sogar ein „Sofabild“ ist vorhanden. Angebracht an einer vollverzinkten Metallstange zeigt die Großfotografie genau den Naturausschnitt, den sie auch verdeckt. Die Natur und ihre Repräsentation verschmelzen hier miteinander. So weit, so gut. Wäre da nicht dieser Hochsitz, der der zunächst so freundlich wirkenden Installation eine gewisse gesellschaftskritische Brisanz verleiht. Das kleinbürgerliche Idyll will offenbar gegen Eindringlinge von außen verteidigt sein. Tatsächlich fiel Stefan Dornbusch bei seiner Recherche in der Region auf, dass die Landschaft von Hochständen der Jäger ebenso geprägt ist wie von militärischen Radaranlagen. Und beobachtet wird auch im privaten Umfeld: Nachbarn, Fremde und Besucher geraten ins Visier derjenigen, die sich in ihrer mitunter engstirnigen Inselhaftigkeit eingerichtet haben. Was diese zunächst so leichtfüßig daherkommende Arbeit am Ende anprangert, ist die in der deutschen Provinz verbreitete Mentalität, eine sich scheinbar selbst genügende womöglich aber längst fragile Wir-Gemeinschaft durch die Observation und Ausgrenzung Außen-stehender nach innen hin zu stabilisieren.

Tea Time & Künstlergespräch mit Nils Norman

Samstag, 20. Februar 2016 ab 15 Uhr

Wetterfahne

Wetterfahne

Innenansicht Pavillon

Innenansicht Pavillon

Der britische Künstler Nils Norman hat im vergangenen Sommer eine marode Grillhütte am Neuenkirchener Dorfteich in einen lichten, luftigen Ort zum Verweilen umgestaltet, der sich in die Landschaft und zum Wasser öffnet. Die verspielte Gestaltung seiner Pavillonskulptur „The Folly of George III (Die Verrücktheit von Georg III)“ mit umlaufender Terrasse und einem Steg zum Wasser steckt voller Anspielungen und historischer Zitate.

Nach einem kurzen Spaziergang und einem Gespräch mit Nils Norman in seinem „Folly“ am Dorfteich lädt der Kunstverein Springhornhof zur „Tea Time“ in den Ausstellungsräumen. Hier spricht der Künstler über seine Vorgehensweise, die Recherchen zu seinen Projekten und einige seiner aktuellen Vorhaben. Die Veranstaltung ist in englischer Sprache und wird ins Deutsche übersetzt.

Der 1966 in Kent (GB) geborene Nils Norman lebt in London und Kopenhagen, wo er an der Königlich Dänischen Akademie für bildende Kunst lehrt. Nach Abschluss eines Malereistudiums an der St. Martins School of Art in London betrieb er gemeinsam mit Künstlerkollegen wie Stephan Dillemuth und Andrea Fraser experimentelle Künstlerräume in Köln, London und New York. Seine Arbeiten waren in zahlreichen Biennalen und in Ausstellungen namhafter Kunstinstitutionen wie der Tate Modern in London oder der Kunstsammlung NRW in Düsseldorf vertreten. Normans eigentlicher Schwerpunkt liegt jedoch auf Interventionen und Gestaltungen im öffentlichen Raum, die die schöne Utopie einer besseren, demokratischeren und gerechteren Welt thematisieren.

Neujahrsbrunch im Atelier HAWOLI

Die europäische Vereinigung sculpture network und der Bildhauer HAWOLI  laden am Sonntag, 24. Januar um 11 Uhr herzlich ein zu einem Neujahrsbrunch in seinem Atelier auf dem Springhornhof. 

Der Neujahrsbrunch von sculpture network findet zeitgleich in 58 Ateliers und Galerien in 18 Ländern in ganz Europa statt. Das diesjährige Motto lautet  „Die Natur als Material für die Skulptur“.

Nach einem kräftigen Brunch geht es je nach Wetterlage zu Fuß oder per PKW hinaus zu einigen neuen Skulpturen des Projekts Kunst-Landschaft.

Kostenbeitrag € 10 / Mitglieder des Kunstvereins und von sculpture network € 8.

Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Interessierte können sich über www.sculpture-network.org (bis 17.01) oder über info@springhornhof.de (bis 20.01.) anmelden.

Tue Greenfort – zwischen Stein und einer harten Sache

12.09 – 08.11.2015

Ausstellung von Tue Greenfort

Anlässlich der Einweihung des neuen Landschaftskunstwerks “Vitalismus Mechanismus” von Tue Greenfort zeigt der Kunstverein eine Auswahl von Arbeiten aus den Jahren 2001 bis 2015.

In seinem Werk beschäftigt sich der dänische Künstler seit jeher kritisch mit unserer Wahrnehmung von Natur und mit Themen wie Ökologie und dem Umgang mit Ressourcen. In den ästhetisch oft schlichten, formklaren Kunstwerken finden sich immer wieder komplexe Zusammenhänge, die auf ausführlichen Recherchen zu einem konkreten Ort, einer bestimmten Materie, einem realen Zustand beruhen.

„Erst indem wir den abstrakten, umstrittenen, mittlerweile so vertrauten Begriff ,Umwelt‘ neu denken, lässt sich vielleicht ein fundamentaler Paradigmenwechsel vollziehen. Gerade die Aushöhlung und fehlende kritische Tiefe des Begriffs ermöglichen eine Neuformulierung der Problematik.“ (Greenfort)

Ausstellungsinfo.Greenfort

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Blaffert & Wamhof

INSIDE Hohne Garrison

bis 31. Januar ist die Ausstellung nach Vereinbarung geöffnet.

Hohne Station

Eröffnung am Sonntag, den 14. November um 17 Uhr

Gegenstand der fotografischen Langzeitdokumentation „INSIDE Hohne Garrison“ des Künstlerduos Nicole Blaffert & Franz Wamhof ist der Abzug der britischen Streitkräfte aus der Garnison Bergen-Hohne in der Lüneburger Heide, den die Künstler im Sommer 2015 beobachtend begleitet haben. Im Zentrum der Arbeit von Blaffert & Wamhof stehen die Themen Landschaft,
Architektur und Menschen. Dabei interessiert sie weniger der militärische Aspekt, als vielmehr die Spuren des Alltagslebens innerhalb einer nach außen geschlossenen Community in einer Zeit des Übergangs. Außenstehenden gewähren die Fotos der verlassenen Gebäude und des Truppenübungsgeländes Einblick in eine Welt, die ihnen jahrzehntelang verschlossen war. Die Garnison und der NATO Truppenübungsplatz befinden sich in unmittelbarer Nähe des ehemaligen Konzentrationslagers Bergen-Belsen. Teile des britischen Hohne-Camps, das ursprünglich eine Wehrmachtskaserne war, wurden nach der Befreiung des KZ Bergen-Belsen als Unterkünfte und Krankenhaus für die Überlebenden genutzt (DP Camp). Ein Teil der Gebäude dient aktuell als Flüchtlingsnotquartier. Diese zusätzlichen Dimensionen der Überlagerung und Verdichtung von Geschichte ermöglicht eine weitere, differenzierte künstlerische Auseinandersetzung mit dem vertrauten Thema.

Im Anschluss an die Ausstellung erscheint ein Katalog, der von der Gedenkstätte Bergen Belsen herausgegeben wird. Eine Auswahl der Fotografien wird ab dem 27.01.2016 in der Gedenkstätte gezeigt.

Wir danken dem Land Niedersachsen und der Stiftung Niedersachsen für die großzügige Förderung des Projekts.

HAWOLI foto arbeiten

Zeitspuren Jura I 2003

Zeitspuren Jura I 2003

19. September – 08. November

Anlässlich des 80. Geburtstags von HAWOLI zeigt der Kunstverein Springhornhof fotografische Arbeiten des Bildhauers, der in Bleckede geboren wurde und seit 1973 in Neuenkirchen in der Lüneburger Heide lebt und arbeitet.

Das Verhältnis von Natur und Kultur ist das Grundthema seines Werkes. In seinen Skulpturen konfrontiert HAWOLI das Rohe unbearbeiteter Steine mit dem Künstlichen bearbeiteten Stahls. Weniger bekannt ist, dass er parallel zur Bildhauerei stets auch mit dem Medium Fotografie experimentiert hat. In der Dunkelkammer reproduziert er eigene Fotografien, meist handelt es sich dabei um Aufnahmen aus Steinbrüchen, auf Büttenpapier oder Steinflächen. Licht und Schatten des fotografischen Abbilds, der Pinselstrich beim Auftrag der Emulgatorflüssigkeit und die natürlichen Strukturen des Steins gehen eine spannungsreiche Symbiose ein.
Mit zahlreichen Ausstellungen und Installationen im Öffentlichen Raum zählt HAWOLI zu den überregional bedeutendsten kulturellen Vertretern der Region. Seit 1967 nahm er an zahlreichen Ausstellungen, z.B. im Duisburger Lehmbruck-Museum (1969), im Kunstverein Hannover (1977) und im Berliner Haus am Waldsee (1993/94) teil. Die Kunsthalle Mannheim (1993), die Städtische Galerie im Buntentor Bremen (1994) und das Kulturforum Lüneburg (2005) widmeten ihm größere Einzelausstellungen. Mit Arbeiten für den Öffentlichen Raum hat er die Städte Bremen, Hannover und Lüneburg geprägt. Seine Schwester Ruth Falazik (1927 – 98) hat er bei der Gründung des Neuenkirchener „Projekts Kunst-Landschaft“ und des Kunstvereins Springhornhof unterstützt und begleitet.

Zur Ausstellung erscheinen ein Katalog und eine Edition des Künstlers.

Bis 10. Oktober: Ausstellung HAWOLI werk zeugen im Kunstverein Rotenburg/W., Nödenstraße 9, Sa 15 – 17/ So 11- 13 & 15 – 17 Uhr.

Tue Greenfort – Vitalismus Mechanismus (2015)

Unter dem Titel „Vitalismus Mechanismus“ präsentiert der 1973 im dänischen Holbaek geborene, heute in Berlin lebende, Künstler eine dreiteilige Arbeit, die so unterschiedliche Themen wie Rohstoffkreisläufe, naturgerechte Lebensmittelproduktion und Industrialisierung der Landwirtschaft einer künstlerischen Recherche und Inszenierung unterzieht. Zwei Teile der Arbeit befindet sich im Außenraum. Zwei im Sturm umgestürzte Kiefern und eine Pappel hat Greenfort mit der Brut essbarer Pilze geimpft. Die Idee dahinter: Im Laufe der nächsten 15 bis 20 Jahre werden sich die Stämme auf natürliche Art zersetzen. Solange aber dienen sie für alle möglichen Organismen als Nährboden, darunter auch die vom Künstler ausgewählten Kulturpilze. Die ortsnahe Lage am Waldrand bietet Betrachtern die Gelegenheit diesem Prozess beizuwohnen und durch den Verzehr der schmackhaften Zuchtpilze sogar Teil davon zu werden.

Dem natürlichen Kreislauf des Werdens und Vergehens in der Natur stellt Greenfort ein künstliches Wachstumsexperiment gegenüber. Im Zentrum einer zu einem neutralen, achteckigen Ausstellungsraum umfunktionierten Scheune steht ein brunnenartiger Edelstahlbehälter mit einer darüberhängenden Baumwurzel. Aus Düsen wird die Wurzel mit Harnstofflösung benetzt. Die sich mit der Zeit ausformenden Kristalle lassen ein bizarr geformtes Gebilde entstehen lassen. So schön und faszinierend die Arbeit auf den ersten Blick wirkt, so schaurig und desillusionierend ist sie zugleich. Natürlicher Harnstoff könnte aus dem Urin von Menschen und Tieren gewonnen werden. Doch das reicht keineswegs aus, um den enormen Hunger der Agrarindustrie nach ökologisch umstrittenem Kunstdünger aus synthetisch produziertem Harnstoff, auch Urea genannt, zu stillen. Ein Stapel handelsüblicher Urea-Säcke im Ausstellungsraum weist darauf hin. Ebenso veranschaulichen Fotos, Wandtexte und Schauobjekte in beleuchteten Vitrinen die komplexen Zusammenhänge. Versuchslabor, Hexenküche, Lehrmittelraum und künstlerische Inszenierung im White Cube: Tue Greenfort gehört heute zu den wichtigsten Vertretern einer interdisziplinären, an der Schnittstelle von Ökologie und Ökonomie, Mensch, Natur und Umwelt operierenden Kunst. (Nicole Büsing & Heiko Klaas)

Die Installation entstand als Teil des Modellvorhabens „Offenland – Kunst & Umweltbildung“

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Nils Norman – The Folly of George III / Die Verrücktheit von Georg III. (2015)

  • The Folly of George III.
  • Innenansicht Pavillon
  • Wetterfahne
  • Plan mittelalterlicher Felder

„Folly“: Nils Normans Pavillon ist nach den kapriziösen Zierbauten benannt, die zur beliebten Ausstattung englischer Landschaftsparks des 18. Jahrhunderts gehörten. Der 1966 in Kent geborene britische Künstler, der international im urbanen Raum Projekte realisiert, verwandelte eine marode Grillhütte am Dorfteich in Neuenkirchen in einen lichten, luftigen Ort zum Verweilen. Norman öffnete die halbgeschlossenen Wände und gab so die Sicht auf die Umgebung frei. Die mosaikartige Täfelung und die Komposition der treppenförmigen Rundbank im Inneren des Pavillons, die Strukturierung der den Bau erweiternden Pflasterung und des Wegs zum Teich samt des Anlegestegs mit weiterer Sitzbank am Wasser deuten auf die kleinteilige Parzellierung der Felder vor den Landreformen des 18. und 19. Jahrhunderts. Die Silhouette auf der Wetterfahne, die Normans „Folly“ krönt, repräsentiert den „Bauernkönig“ Georg III. Regent von England und Hannover. Die unter Georgs Herrschaft in Gang gesetzten Landreformen in England waren Vorbild für eine massive Veränderung der Agrarlandschaft in weiten Teilen Europas.

Norman lebt in London und Kopenhagen, wo er an der Königlich Dänischen Akademie für bildende Kunst lehrt. Nach Abschluss eines Malereistudiums an der St. Martins School of Art in London betrieb er gemeinsam mit Künstlerkollegen wie Stephan Dillemuth, Josef Strau, Merlin Carpenter und Andrea Fraser experimentelle Produktions- und Ausstellungsplattformen in Köln, London und New York. Seine Arbeiten waren in zahlreichen Biennalen und in Ausstellungen namhafter Kunstinstitutionen wie der Tate Modern in London vertreten. Doch liegt sein Fokus auf ortsspezifischen architektonischen, landschaftsplanerischen und skulpturalen Interventionen und Gestaltungen in städtischen Environments. Blickerweiterung durch Öffnung und historische Aufladung der räumlichen Gegebenheiten: Wer in Normans „Folly“ Platz nimmt, sollte sich auf eine Intensivierung der Wahrnehmung gefasst machen. (Belinda Grace Gardner)

Die Installation entstand als Teil des Modellvorhabens „Offenland – Kunst und Umweltbildung.“ 

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Aram Bartholl – Keepalive (2015)

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Von außen betrachtet wirkt „Keepalive“ von Aram Bartholl (*1972 in Bremen) wie ein ganz normaler Findling. Man sieht dem Stein, der unscheinbar am Rande der idyllischen Ortschaft Hartböhn in der Lüneburger Heide liegt, nicht an, dass sich in ihm hunderte von digitalen Büchern befinden. Erst wenn jemand darunter ein kleines Lagerfeuer entfacht, werden ein thermoelektrischer Generator und ein WLAN-Router im Inneren aktiviert und man erhält per Smartphone oder Laptop Zugriff auf eine elektronische Bibliothek mit Überlebensratgebern aller Art, zu der man eigene Daten und Texte hinzufügen kann.

Der Medienkünstler Aram Bartholl arbeitet mit Wegen der Wissens- und Informationsvermittlung, die den Entwicklungen des digitalen Zeitalters entgegenwirken und unseren Umgang mit Daten hinterfragen. In diesem und anderen seiner Projekte hebelt er Machtverhältnisse und Kontrollmechanismen bei der Nutzung von Internetdiensten zur Datenübertragung aus, häufig auch durch das Hinzufügen einer unkontrollierbaren Zufallskomponente.

Mit „Keepalive“ wird der Stein selber zum Datenträger. In einer sehr archaischen aber auch konspirativen Art und Weise können Informationen lediglich lokal ausgetauscht werden, denn im Gegensatz zu weltweit vernetzten Servern, Services und Clouds ist dieser Stein nicht mit dem Internet verbunden. Man muss in die Natur gehen um den Stein zu finden und ein Feuer machen, um die Datenquelle zu aktivieren. Dies kann jeder tun, der sich vorher im nahe gelegenen Kunstverein Springhornhof oder über andere Quellen den genauen Standort hat erklären lassen.

Beherzigt man die Ratschläge aus der Sammlung von Survival-Guides ist man gewappnet, – so zumindest lautet ihr großes Versprechen – für das einsame Überleben im Wirr-Warr der Welt der Computerprogramme ebenso wie in der Wildnis.“„Keepalive“ stellt die Frage, was „Überleben“ wirklich meint, und ergründet unsere Bedürfnisse. Die Arbeit stellt sich dem Zentralisierungszwang im Internet entgegen, wirft Fragen zur Demokratie der Wissensverwaltung auf und leitet eine Gegenbewegung der Autonomie ein.“ (Jennifer Bork)

Aram Bartholl (*1972 in Bremen) ist Mitglied der Künstlergruppe Free Art and Technology Lab – F.A.T. Lab und bewegt sich in netzpolitischen Kreisen wie z.B dem Chaos Computer Club. Neben zahlreichen Vorträgen, Workshops und Performances wurden seine Arbeiten international u. a. ausgestellt im MoMA Museum of Modern Art, NY, The Pace GalleryNY und Hayward Gallery London. Aram Bartholl lebt und arbeitet in Berlin.

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Das Projekt „Keepalive“ von Aram Bartholl entstand im Rahmen des Forschungsprojekts „Art and Civic Media“ als Teil des Innovations-Inkubators Lüneburg, einem EU-Großprojekt, gefördert vom Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung und vom Land Niedersachsen.

Gabriela Albergaría – D28 (2015)

Aussenskulptur des Kunstverein SpringhornhofMit einer behutsam in die Landschaft eingefügten Bodeninstallation macht Gabriela Albergaria die Spuren, der mit großem maschinellem Aufwand durchgeführten Aufforstungen der Lüneburger Heide sichtbar.

Der lapidare Titel der Skulptur, „D28“ entspricht der Bezeichnung der Lüneburger Heide in der vom Bundesamt für Naturschutz herausgegebenen Liste naturräumlicher Einheiten.

Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts befanden sich an dieser Stelle baumlose Heideflächen, eine Folge der jahrhundertelangen Überweidung der kargen Sandböden. Erst als man im Zuge der Industrialisierung über die technischen Möglichkeiten verfügte, mit gewaltigen Dampfpflügen den so genannten „Ortstein“, eine wasserundurchlässige Bodenschicht, aufzubrechen, konnten Kiefern auf dem kargen Boden gedeihen.

Die gleichmäßig verlaufenden Bodenwellen, über die sich die Installation erstreckt, sind die noch immer sichtbaren Furchen dieser Dampfpflüge. Auf der gegenüberliegenden Seite des kleinen Wanderweges ist das Bodenprofil deutlich unregelmäßiger. Hier hatten sich durch die starke Winderosion, Sanddünen gebildet, welche an vielen Stellen in der Lüneburger Heide die Existenz ganzer Ortschaften bedrohen konnten.

Der rote Backstein für den sich die Künstlerin entschieden hat, ist ein typischer Baustoff dieser Region sowohl für Gebäude als auch für Gehwege. Leicht erhaben, als überschaubarer Abschnitt und jeder Unregelmäßigkeit im Boden folgend, fixiert Gabriela Albergaria damit den momentanen Zustand des Waldbodens.

Gärten und Landschaften als kulturell geschaffenen, hierarchisierten, gezüchteten und geplanten Gebilden gilt das Interesse ihrer künstlerischen Praxis. Gabriela Albergaría richtet unser Augenmerk auf die Ambivalenz von Natürlichem und Künstlichem, auf das, was an der Natur künstlich geworden ist, bzw. was sich durch die Herrschaft des Menschen über die Natur entwickelt hat.

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Die Außeninstallation D28 entstand als Teil einer Serie von Kunstprojekten des Europäischen Landschaftskunstnetzwerks ELAN, mit denen sich Künstlerinnen und Künstler im Springhornhof, im Yorkshire Sculpture Park (GB), dem Centre of Polish Sculpture in Oronsko (PL) und bei Arte Sella im Trentino (I) auf ökologische Bedingungen, Landschaftsgestaltung, Vegetation und Wachstumsprozesse des jeweiligen Ortes beziehen.

Gabriela Albergaria (*1965 Vale de Cambra, Portugal. Lebt in New York, USA) hat Kunst an der Universität in Porto studiert und war artist-in-residence am Künstlerhaus Bethanien, an der Cité International des Arts Paris und im Botanischen Garten der Oxford University. Seit 1990 hat sie an zahlreichen Gruppen- und Einzelausstellungen teilgenommen. Ihre Projekte und Installationen waren unter anderem in Sao Paulo (Brasilien), der Villa Arson in Nizza, der Kunsthalle Emden, der Vancouver Art Gallery und der Biennale Montevideo zu sehen.

 

Gabriela Albergaría

 Ausstellung

»L’espace est une impasse où son temps s’abolit.« / »Der Raum ist eine Sackgasse, in der die Zeit abgeschafft ist.« (Jean Prevert)
18. April – 14. Juni 2015

Einladung Eröffnung (pdf)

Aussenskulptur D28

Das Projekt Kunst-Landschaft wird in diesem Frühjahr um die Bodenskulptur D28 von Gabriela Albergaria erweitert. Mit ihrer behutsam in die Landschaft eingefügten Bodenskulptur begibt sich die Künstlerin auf die Spur der mit erheblichem maschinellen Aufwand erfolgten Aufforstungen der Lüneburger Heide am Ende des 19. Jahrhunderts.

Aus diesem Anlass zeigt der Kunstverein Springhornhof eine Einzelausstellung mit Zeichnungen, Collagen und Installationen der portugiesischen Künstlerin.

Gärten und Landschaften als kulturell geschaffene, hierarchisierte, gezüchtete, transportierte und geplante Gebilde sind das wichtigste Material von Albergarias Arbeit. Durch die Kombination von Zeichnungen, Objekten und Fotografien hat sie ein Verfahren entwickelt, mit dem sie Pflanzen, bzw. Gärten und Parks seziert, neu zusammensetzt und fiktionalisiert.

Häufig nutzt sie Methoden, die an die alte Technik des Pfropfens angelehnt sind, um gefällte Bäume in neue skulpturale Form zu bringen. Sie legt Wurzelgeflechte frei, beobachtet absterbende Teile und verbindet künstlerische Mittel mit den Methoden der Botanik oder Landwirtschaft: Transplantation, Klassifizierung, Beschnitt etc.

Das Aussenobjekt von Gabriela Albergaria ist ein Projekt von ELAN european landart network.

Gabriela Albergaria (*1965 Vale de Cambra, Portugal. Lebt in New York, USA) hat Kunst an der Universität in Porto studiert und war artist-in-residence am Künstlerhaus Bethanien, an der Cité International des Arts Paris und im Botanischen Garten der Oxford University. Seit 1990 hat sie an zahlreichen Gruppen- und Einzelausstellungen teilgenommen. Ihre Projekte und Installationen waren unter anderem in Sao Paulo (Brasilien), der Villa Arson in Nizza, der Kunsthalle Emden, der Vancouver Art Gallery und der Biennale Montevideo zu sehen.

IMG_1312 bei Recherchen in Neuenkirchen

Dokumentation Waldschutzhütte

Marjetica Potrč und die Klasse Design der Lebenswelten der HfbK Hamburg (Finn Brüggemann, Maria Christou, Fabian Dehi, Bernhard Niklaas Karger, Maja Leo, Johanna Padge, Till Richter, Amalia Ruiz-Larrea, Nuriye Tohermes) in Zusammenarbeit mit der Klasse 6a der GOBS Neuenkirchen und ihrer Lehrerin Lena Kohrsmeier

Begleitausstellung zum Projekt „Offenland – Kunst und Umweltbildung“

18.10. – 21.12.2014

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Die Neuenkirchener Schule bewirtschaftet seit März 2013 ein in der Nähe des Dorfes gelegenes Waldstück. Am Rande dieses Waldstücks haben die Klasse 6a der und ihre Lehrerin Lena Kohrsmeier im Frühjahr damit begonnen, gemeinsam mit der Künstlerin Marjetica Potrč und einem Team von Studierenden der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg eine „Waldschutzhütte“ zu planen, die ein Ausgangspunkt für die Erforschung und Erfahrung des Waldes sein soll.

Am Beispiel von Behausungen der Tiere des Waldes wurde erkundet, was ein schützender Ort im Wald erfordert und wie er aussehen könnte. Es wurden Ideen gesammelt, Träume und Wünsche geäussert, Erfindungen gemacht, gezeichnet und Modelle gebaut. Die möglichen Ausmasse einer Architektur zwischen Bäumen, die als Unterstand, Lagerraum, Rückzugsort, Treffpunkt und offenes Klassenzimmer genutzt werden kann, wurde mit provisorischen Lattenkonstruktionen erprobt.

Mit der Präsentation im Kunstverein Springhornhof soll das Projekt der Öffentlichkeit vorgestellt und weitere Anregungen und Ideen gesammelt werden, bevor ein konkreter Entwurf entsteht. Nächste Schritte sind die Umsetzung des Entwurfs in eine genehmigungsfähige Bauzeichnung und die Errichtung der „Waldschutzhütte“ durch Schüler, Studenten und Handwerker aus der Region.

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Rebecca Partridge – Notations

18 Oktober – 21 Dezember 2014
06. – 25. Januar 2015 geöffnet nach Vereinbarung
25. Januar, 15 Uhr: Vortrag von Rebecca Partridge & Katalogvorstellung

english text see below

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NOTATIONS, die erste Einzelausstellung der britischen Künstlerin Rebecca Partridge (*1976) in Deutschland, ist eine Anordnung von Gemälden, einem Film und Keramikobjekten von Rebecca Partridge, die unsere Beziehung von “Innen und Außen” erkundet.

Ausgehend von ihren eigenen synästhetischen Erfahrungen, einem Sinnesvorgang den jeder mehr oder weniger intensiv erlebt, untersucht die Künstlerin grundlegende Wahrnehmungsprozesse. Ihre Werke treten in Beziehungen miteinander und stellen “kreuz und quer” Verbindungen her. Sie beschäftigen sich sowohl mit dem Körper und mit Landschaft, als auch mit unserer inneren subjektiven Welt und der äußeren Umgebung.

Der Ausstellungstitel NOTATIONS bezieht sich nicht nur auf ein von John Cage 1969 herausgegebenes Buch grafischer Partituren, die die Sprachen von Klang und visueller Form miteinander verbinden, sondern auch auf den Begriff der Beobachtung, die unscharfen Randbereiche subjektiver Erfahrung und den Versuch der objektiven Aufzeichnung.

Partridges minimalistische Seestücke und komplexe Baumstrukturen bewegen sich weg vom Erzählerischen hin zu einer unmittelbaren Auffassung von Räumen als Orten sinnlicher Erfahrung. Zugleich abstrakt und realistisch, werden die Bilder zu Spiegeln des Inneren und entwickeln einen Rhythmus, der sich als Resonanzen innerhalb einzelner Werkserien fortsetzt. Die mit aufmerksamer Sorgfalt ausgeführten Kunstwerke werden zu einem Ort der Übersetzung von innerer und äußerer Erfahrung.

Zum Ende der Ausstellung erscheint ein Katalog mit einem Gespräch von Jan Verwoert mit der Künstlerin.

Rebecca Partridge wurde 1976 in Großbritannien geboren und lebt und arbeitet in Berlin. Seit ihrem Abschluss an der Royal Academy of Arts, London 2007 hat sie international ausgestellt. Jüngste Einzelausstellungen u.a.: ‘As Above, So Below’(Art First Projects, London) und ‘In The Daytime’ (Kunsthalle CCA, Andratx) sowie zahlreiche Gruppenausstellungen z.B. ‘A Planetary Order’ (Galerie Christian Ehrentraut, Berlin).

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Rebecca Partridge
Notations
18 October – 21 December 2014

Notations is a collection of paintings, film and ceramic sculpture which form a constellation of works exploring our relationship between ‘inside and outside’.

Reflecting the artist’s experience of synaesthesia, which on some level we all have, the works explore our basic perceptual experiences as they enter into relationship with each other creating ‘cross overs and correlations’. The works deal both with the body and with landscape, our inner subjective world and our external environment.

‘Notations’ then, refers not only to John Cage’s book of graphic scores which crosses over the languages of sound and visual form, but also to the notion of observation, the blurred boundary of subjective experience and attempts at objective recording.

Partridge’s minimal seascapes and complex tree structures steer away from narrative towards a direct experience of spaces as sites of sensory experience. Simultaneously abstract and realistic, the works often have an internal sense of mirroring, as well as a rhythm which continues amongst the works in series and as wider constellations. These basic resonances and mimetic relationships are at the heart of the practice, raising questions as to where these connections arise. Described with an attitude of careful attention, the art works become a point of translation between our experience of inner and outer.

Notations is Rebecca Partridge’s first solo exhibition in Germany.

The exhibition will be accompanied by a catalogue with the contribution of a conversation between the artist and art crtic Jan Verwoert.

Rebecca Partridge was born in U.K, 1976 and currently lives and works in Berlin. Since graduating from the Royal Academy Schools, London in 2007 she has exhibited internationally. Recent solo exhibitions include, ‘As Above, So Below’at Art First Projects, London and ‘In The Daytime’ at Kunsthalle CCA Andratx, Spain,  as well as numerous group exhibitions ‘A Planetary Order’, Galerie Christian Ehrentraut, Berlin,  and “Reason and Emotion” which she co curated at Springhorhof in 2013.

 

Katie Paterson: Eveningness

English text see below

 Lightbulb Moonlight09. August – 28. September 2014
„Katie Paterson: Eveningness“ ist das bislang größte und anspruchsvollste Ausstellungsprojekt der Künstlerin, die die britische Zeitung The Observer 2010 als eine der „besten jungen Künstlerinnen Großbritanniens“ bezeichnet hat. Es ist ihre erste Einzelausstellung in Deutschland.

Katie Paterson nutzt für ihre Kunstprojekte hoch entwickelte Technologien und das Wissen von Experten, um die intimen, poetischen und philosophischen Beziehungen des Menschen zur Natur darzustellen. Ausgestattet mit der kindlichen Fähigkeit des Staunens und einem ausgeprägten Sinn für das Absurde, lässt uns ihr Werk das Universum neu sehen und eröffnet ein mitunter schwindelerregendes Bewusstsein für unseren Platz im Kosmos. Sie vereint einen wissenschaflich basierten Ansatz mit romantischer Sensibilität und minimalistisch „kühler“ Präsentation. Ihre Werke brechen die Distanz zwischen dem Betrachter und den entferntesten Winkeln von Zeit und Raum.

Paterson hat das Geräusch eines schmelzenden Gletschers live in den Ausstellungsraum übertragen, hat alle verloschenen Sterne kartografiert, ein Diaarchiv von der Dunkelheit in den uralten Tiefen des Universums erstellt, eine Glühbirne entwickelt, mit der sich die Erfahrung des Mondlichts simulieren lässt und ein nano-kleines Sandkorn tief in der Wüste Sahara begraben. Damit ruft sie Gefühle von Demut, Staunen und Melancholie hervor, die der romantischen Empfindung des Erhabenen nah verwandt sind. Patersons Werke sind zugleich sparsam in der Geste und gewaltig in ihren Dimensionen.

Die Ausstellung wird von der portugiesischen Kuratorin Filipa Oliveira und Bettina v. Dziembowski (Springhornhof) kuratiert und ist eine Koproduktion des Kunstvereins Springhornhof mit der Mead Gallery Warwick (GB) und La Casa Encendida, Madrid (E). Anhand der unterschiedlichen Auswahl von Arbeiten an den drei Ausstellungsorten, werden sich die vielfältigen Bedeutungsebenen von Katie Paterson künstlerischer Praxis Schritt für Schritt entfalten.

„Eveningness“ im Springhornhof konzentriert sich auf Werke, die sich mit dem Mond und dem Weltraum befassen. Die Spuren und Aufzeichnungen aus dem Hier und Jetzt wecken unsere Vorstellungskraft von weit entfernten Zeiten und unergründlichen Orten.

Die Ausstellung wird durch die Förderung durch das Land Niedersachsen und die Stiftung Niedersachsen ermöglicht.

Katie Paterson wurde 1981 in Glasgow geboren und lebt und arbeitet in Berlin. Seit ihrem Abschluss an der Slade School of Fine Art 2007 wurden ihre Werke von London bis New York, von Berlin bis Seoul, international ausgestellt und waren Teil wichtiger Ausstellungen in der Hayward Gallery und Tate in London, der Wiener Kunsthalle und Sydneys MCA. Patersons Arbeiten sind in Sammlungen wie dem Guggenheim Museum New York und der National Gallery of Modern Art, Edinburgh vertreten.

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Katie Paterson: Eveningness
9 August – 28 September 2014

Katie Paterson: Eveningness is one of the largest, and most ambitious exhibition of Paterson’s work to date, named by The Observer in 2010 as one of the ‘best new artists in Britain.’ It is her first solo show in Germany.

Katie Paterson’s conceptual projects make use of sophisticated technologies and specialist expertise to stage intimate, poetic and philosophical engagements between man and the natural environment. Tempered with a childlike kind of wonder and a keen sense of the absurd, her work makes us see the universe anew and offers a sometimes giddying sense of our place within the cosmos. Combining a research-based approach, a Romantic sensibility and coolly Minimalist presentation, her work collapses the distance between the viewer and the most distant edges of time and space. In the past, Paterson has broadcast the sounds of a melting glacier live to a visitor on a mobile phone in an art gallery, mapped all the dead stars, compiled a slide archive of darkness from the ancient depths of the universe, custom-made a light bulb to simulate the experience of moonlight, and buried a nano-sized grain of sand deep within the Sahara desert. Eliciting feelings of humility, wonder and melancholy akin to the experience of the Romantic sublime, Paterson’s work is at once understated in gesture and yet monumental in scope.

Co-curated by Bettina von Dziembowski and Filipa Oliveira, this exhibition is co-produced by the Kunstverein & Stiftung SPRINGHORNHOF with Mead Gallery, Warwick, and La Casa Encendida, Madrid. The multifarious meanings that can be accorded Katie Paterson’s practice will unfold over the duration of the exhibition tour with divergent selections of the artist’s work presented at each of the three exhibition venues.

The second of these exhibitions, Eveningness, which opens on 9th of August at the Kunstverein SPRINGHORNHOF, explores the conceptual nature of Katie Paterson’s practice and simultaneously focuses on works that deal with the moon and space, examined through traces and recordings in the here and now which trigger our imagination, often linking us to distant times and far unfathomable places.

Katie Paterson was born Glasgow, 1981 and currently lives and works in Berlin. Since graduating from the Slade School of Fine Art in 2007 she has gone on to exhibit internationally, from London to New York, Berlin to Seoul, and her works have been included in major shows including the Hayward Gallery and Tate in London, Vienna’s Kunsthalle and Sydney’s MCA. Her artworks are represented in collections such as the Guggenheim New York and the Scottish National Gallery of Modern Art, Edinburgh.

Kultur Kontakte Diskussionsforum: Frust und Flucht – oder Lust?

Die Chancen des ländlichen Raumes für Kultur und Wirtschaft

Samstag, den 5. Juli 2014, 14 Uhr

Die Veranstaltungsreihe „Kultur im ländlichen Raum – Gegenwart und Zukunft“ findet in diesem Jahr am Tag der Bildung und Kultur des Heidekreises in Neuenkirchen statt.

Angesichts von Globalisierung, Urbanisierung und demografischer Entwicklung wollen wir in einem Kreis ausgewiesener Experten aus Wirtschaft und Kultur sowie mit Ihnen über Gefahren und vor allem Chancen für die Zukunft des ländlichen Raumes sprechen. Giacomo Bianchi, unser italienischer Partner im EU-geförderten Landschaftskunst-Netzwerk ELAN, wird Sie über das für den ländlichen Raum beispielhafte Projekt Arte Sella in den italienischen Alpen informieren.

Die Podiumsteilnehmer

· Giacomo Bianchi
Direktor des LandschaftsKunst-Zentrums Arte Sella im Sellatal (Italien), Partner des Springhornhofs im Europäischen Landschaftskunst-Netzwerk ELAN
· Axel Brüggemann
Autor des Buch „Landfrust – Ein Blick in die deutsche Provinz“ (Kindler/Rowohlt)
· Michael Krohn
Projektmanager Deltaland und Geschäftsführer des Industrie- und Wirtschaftsvereins für den Heidekreis, Bomlitz
· Prof. Dr. Hansjörg Küster
Präsident des Niedersächsischen Heimatbundes und Professor für Pflanzenökologie am Institut für Geobotanik der Leibniz Universität Hannover
· Dr. Almut Willenbockel
Leiterin des Bereichs Kreisentwicklung und Wirtschaft im Heidekreis

Gesprächsleitung:
Stephan Lohr,
Moderator der Herrenhäuser Gespräche der Volkswagenstiftung und ehem. Kulturredaktion des NDR

Landschaften hören / Listening Landscapes

Jens Brand, Rebecca Chesney, Ulrich Eller, Cevdet Erek, HC Gilje, Pit Noack

Oliver Blomeier & Max Eastley
Installationen im Rahmen des Musik 21 Festivals

21. Juni – 3. August 2014

In der Ausstellung „Landschaften hören Listening Landscapes“ geht es um die vielfältigen Beziehungen von akustischer und visueller Wahrnehmung von Natur und Landschaft. Auf unterschiedliche Weise operieren die eingeladenen Künstlerinnen und Künstler, darunter der documenta-Teilnehmer Cevdet Erek, innerhalb und ausserhalb der Ausstellungsräume mit dem Zusammenspiel von Klang, Raum, Zeit, Bewegung und Form. Akustische Interventionen erweitern die natürliche Klangumgebung, Naturgeräusche werden zu visuellen Zeichen, aus Bewegung entstehen hörbare Landschaften und unsichtbare Vorgänge in der Natur werden mittels Elektronik wahrnehmbar.

Höhepunkt und Erweiterung der Ausstellung ist das dreitägige Musik 21 Festival, das vom 18. – 20. Juli in und um den Kunstverein Springhornhof stattfindet.

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Eine Ausstellung im Rahmen von Musik 21 Niedersachsen
DANK

Wir danken dem Land Niedersachsen, dem Lüneburgischen Landschaftsverband, der Volksbank Lüneburger Heide eG und der Stiftung Niedersächsischer Volks- und Raiffeisenbanken für die Förderung der Ausstellung. Der Abfallwirtschaft Heidekreis und der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe danken wir für die Unterstützung bei der Realisierung der Installation von Pit Noack.

 

Pflaumenbäume und Elefanten

p1010741Am 2. Oktober um 11 Uhr findet die letzte sonntägliche Führung dieser Saison statt. Per PKW und mit kurzen Abstechern zu Fuß geht es in Begleitung des Bildhauers HAWOLI zunächst nach Drögenbostel.

Hier entstand im Sommer 2003 auf einem privaten Dachboden das Panoramagemälde „Sieben Ansichten von einer Wiese mit Pflaumenbaum“ der Künstlerin Anna Gudjonsdottir. Das facettenreiche Gemälde, das sich über eine ganze Wand erstreckt, zeigt den Blick durch eine gläserne Vitrine auf eine weite Landschaft. Das Bild setzt sich zusammen aus Naturbeobachtungen vor Ort sowie aus Erinnerungen an Landschaften in Island, wo die Künstlerin aufgewachsen ist. Ein auffälliges Motiv ist ein knorriger Pflaumenbaum. Das „reale“ Vorbild für diesen Baum steht auf einer Wiese ganz in der Nähe. Sein Geheimnis wird erst im Laufe der Führung gelüftet.

Weitere Stationen der Tour sind zwei sehr gegensätzliche Skulpturen in der Nähe von Rutenmühlen. Die „Treppe“ des Hamburgers Stefan Kern wirkt streng und minimalistisch, „Die Eingefangene Zeichnung“ von Peter Pommerer ist mit Ornamenten und kleinen Elefanten verziert.

Nach Möglichkeit werden Fahrgemeinschaften in den PKWs der Teilnehmer gebildet.

Die Teilnahme an den Sonntagsführungen ist dank der freundlichen Unterstützung der Volksbank Lüneburger Heide eG kostenlos.

Logo und Schrift linksb 300dpi

Betriebsführung

Freitag, 21.03., 16.30 Uhr

Foto

Der Springhornhof bietet die seltene Gelegenheit zum Einblick in die Vorbereitunsphase einer Ausstellung.

Seit Anfang März nutzt die Künstlerin Gilta Jansen unsere Winterpause für den Aufbau ihrer Einzelausstellung. Sie arrangiert Fotografien, Filme und Objekte, arbeitet mit Licht und Schatten und entwickelt eigens für den Springhornhof eine begehbare Raum- und Klanginstallation. Die Ausstellung BROKEN IMAGES wird am 5. April um 17 Uhr offiziell eröffnet.

Doch was geht so einer Ausstellungseröffnung voraus? Wie viel Zeit vergeht von der ersten Idee bis zur öffentlichen Präsentation? Wer trifft welche Entscheidungen und wer ist neben der Künstlerin noch am Ausstellungsaufbau beteiligt?  Welche Rolle spielen der Ausstellungsort und die Beschaffenheit der Räume für die künstlerische Vorgehensweise? Und wer finanziert die künstlerische Arbeit, bzw. wovon lebt man als Künstler/-in heute?

Um praktische aber auch inhaltliche Fragen zur Entwicklung, Realisierung und Finanzierung von Ausstellungen aktueller Kunst, geht es bei der Ausstellungs­vorbesichtigung mit Gilta Jansen und den Mitarbeiterinnen des Kunstvereins.

Eintritt frei/Dauer ca. 2h

Gilta Jansen – BROKEN IMAGES

05. April – 09. Juni 2014

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Gilta Jansens Arbeiten lassen sich als offene Systeme verstehen; deren Wahrnehmung sich stets verändert und denen man sich aus unterschiedlichen Richtungen nähern kann. Den Materialien ihrer Installationen, wie Papierbahnen, Mobiliar, Äste, Felle oder Teppiche sieht man Alltagsgeschichte an. Dinge, die unterschiedliche Assoziationen und Erinnerungen wecken, werden von Gilta Jansen zerlegt, zerschnitten, drapiert und in Bezug auf den jeweiligen Raum neu zusammengefügt. Spiegel und Folien erweitern und reflektieren die Blickwinkel. Lampen erzeugen ein Spiel von Licht und Schatten. Die jeweilige Gesamtinszenierung verknüpft unterschiedliche Erzählstränge und Einzelszenen zu einem Drehbuch, das von jedem Betrachter neu geschrieben wird.

Im Springhornhof zeigt Gilta Jansen unter anderem Installationen, Fotografien und einen Film, die in Kooperationen mit dem Künstler Gordon Castellane, der Künstlerin Joanna Schulte und der Komponistin Esmeralda Conde Ruiz entstanden sind.

zeitgleich kleiner Kunstmarkt – ausgewählte Grafik, Malerei, Objekte, Kunstbücher und Editionen zum Behalten oder Verschenken.

Wir danken unseren Förderern

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Gilta Jansen

*1979 in Neuss, lebt und arbeitet in Dannenberg / Elbe
2001 – 07 Hochschule für Bildende Künster Braunschweig

Ausstellungen (Auswahl seit 2010)

2013 Vom Hier und Jetzt, 86. Herbstausstellung niedersächsischer Künstler, Kunstverein Hannover
3. Kunstpreis des Lüneburgischen Landschaftsverbandes, Kunststätte Bossard, Jesteburg
12 Grad unter dem wahren Horizont, mit Britta Ebermann, Quartierskünstleratelier auf der Veddel, Hamburg
8 Jahre V8, mit Britta Ebermann, V8 Plattform, Karlsruhe
2012 Paula Modersohn-Becker Kunstpreis 2012, Große Kunstschau, Worpswede
heute ist morgen immer noch, feat. Esmeralda Conde Ruiz, Kunstraum Tosterglope
residence – Junge Kunst aus Niedersachsen, Syker Vorwerk – Zentrum für zeitgenössische Kunst, Syke2012 No Ideas But In Things, Raum 2, Neu Tramm
TRUE COLOR, mit Britta Ebermann, Kunstwerk Köln
Jahresausstellung Künstlergut Prösitz, Klosterkirche St. Augustin, Grimma/Leipzig
2011 Nomadische Unschärfen, mit Britta Ebermann, Temporary Gallery Cologne, Köln
2. Kunstpreis des Lüneburgischen Landschaftsverbandes, Gotische Halle Schloss Celle
CREA.RE – creative regions, Linz/Österreich, Cordoba/Spanien, Poznan/Polen
2010 Welcome Home, Westwendischer Kunstverein, Gartow

Auszeichnungen/Preise:
2013 Daniel-Frese-Preis für zeitgenössische Kunst
2013 Wohn- und Arbeitsstipendium der Stiftung Künstlerdorf Schöppingen
2011 Aufenthaltsstipendium in den Künstlerhäusern Worpswede
2011 Aufenthaltsstipendium auf dem Künstlergut Prösitz (mit Britta Ebermann)
2008/09 Wohn- und Arbeitsstipendium in der Künstlerstätte Stuhr-Heiligenrode
2006 Theodor-Kohl-Preis für Malerei, Braunschweig

KRIS FINN / Welcome to Williston – Letzte Hoffnung Ölboom

29. Oktober  – 22. Dezember

Welcome to Williston - Letzte Hoffnung ÖlboomMit seiner Fotoreportage dokumentierte Kris Finn für den VGH Fotopreis 2012 den Alltag von Wanderarbeitern und Tagelöhnern, die ohne entsprechende Ausbildung, aber getrieben vom amerikanischen Traum, in das Zentrum des Ölbooms Williston in North Dakota gereist sind. Was noch vor wenigen Jahren ein verschlafenes Kaff war, ist heute dank der Methode des Frackings das Epizentrum des größten Öl-Booms in der jüngeren US-Geschichte. Die modernen Goldsucher wollen im Ölfeld reich werden, ein neues und besseres Leben beginnen, nachdem sie in der Wirtschaftskrise alles verloren haben. Aus dem ehemaligen Traum wird in der Realität schnell ein Albtraum, denn die Jobs im Ölgeschäft sind mittlerweile rar und bezahlbare Unterkünfte nicht zu bekommen. Die Wanderarbeiter wohnen häufig viele Monate lang in Autos oder Zelten. „Die Reportage ist facettenreich fotografiert und zeigt alles – von großen Hoffnungen und Erwartungen bis hin zu Trostlosigkeit und Elend. Kris Finn ist einerseits ganz nah an den Menschen und andererseits behandelt er ein politisch hochrelevantes Thema: die Gier nach Öl“, fasst Rolf Nobel die Bewertung der Jury zusammen.

Kris Finn * 1983 in Gronau. Nach einer Ausbildung zum Industriemechaniker begann er 2006 sein Fotojournalismus Studium an der FH Hannover. 2009 machte er eine 6-monatige Hospitanz als Pressefotograf bei der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung. Mit „Welcome to Williston“ gewann er den VGH Fotopreis 2012.

Anna Jander – IT’S SOUL

Kunstpreis des Lüneburgischen Landschaftsverbandes

19. Oktober – 22. Dezember

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„Ohne Partei zu ergreifen, macht sich Anna Jander mit ihrer Malerei zur engagierten Chronistin der zwiespältigen Dynamik urbaner Entwicklungen. Stets setzt sie dabei ihre subjektive Seherfahrung in Beziehung zum kollektiven Bildgedächtnis und der medialen Wirklichkeit. Mit der ihr eigenen Handschrift, dem Spiel mit Perspektiven, Unschärfen, Intensitäten und Unwägbarkeiten wird die Stadtlandschaft zugleich zur Seelenlandschaft – It’s Soul.“ (B. v. Dziembowski)

Vita 1967 geboren in Lüneburg
 1986 bis 1990 Studium an der Hochschule für bildende Künste Braunschweig
1997 – 2002 Lehrtätigkeiten: IFS Internationale Filmschule Köln, Animation School Hamburg, HFF Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolff in Babelsberg
 lebt und arbeitet in Niederohe und Berlin.

2013

26. Oktober – 22. Dezember
Kris Finn 
WELCOME TO WILLISTON – letzte Hoffnung Ölboom

19. Oktober – 22. Dezember
Anna Jander
IT’S SOUL – Kunstpreis des Lüneburgischen Landschaftsverbandes

31. August – 13. Oktober
Asa Sonjasdotter
DIE KARTOFFEL

15. Juni – 18. August
Verstand & Gefühl – Landschaft und die zeitgenössische Romantik

6. April – 9. Juni
Markus Saile
non-travail

6. April – 9. Juni
Nadine Städler
INADVERTEDLY TOUCHED BY A LONG-DISTANCE RUNNER

Åsa Sonjasdotter – Die Kartoffel

Mit Beiträgen der Landwirte Christina und Rolf Baden aus Neuenkirchen-Brochdorf, den ehemaligen Fotograf/Innen des Instituts für Kartoffelzüchtung Groß Lüsewitz und einer untersuchenden Kartoffelzüchtung, Berlin.

Projektstart Ende April / Ausstellung vom 31. August – 13. Oktober

Seit vielen Jahren befasst sich Åsa Sonjasdotter in ihren Ausstellungen und Projekten mit dem Verhältnis von Menschen zu Pflanzen. Im Zentrum ihrer künstlerischen Praxis steht dabei immer wieder die Kartoffel als Kulturpflanze mit einer langen Geschichte, die sowohl politisch als auch sozial- und wissenschaftshistorisch hochinteressant ist. Oft arbeitet sie in ihren Langzeitprojekten mit Landwirten, Hobbygärtnern, Ökoaktivisten, Genforschern, Urban Gardening Projekten aus der ganzen Welt zusammen und bezieht sich auf die Bedingungen des jeweiligen Ortes. Ihre in unterschiedlichste Fachgebiete verzweigten Vorhaben verdeutlichen die Brisanz der Thematik und verweisen auf Veränderungen der stereotypen Zuschreibungen von städtischem und ländlichem Raum.

Im Springhornhof widmet sie sich unterschiedlichen Aspekten des Kartoffelanbaus und der Kartoffelzucht. Stets reflektiert sie dabei die Art und Weise, wie das Thema in unserem Alltag, in wissenschaftlichen Diskursen, ökonomischen Zusammenhängen, in der Werbung oder historischen Dokumenten repräsentiert wird.

In Zusammenarbeit mit den Landwirten Christina und Rolf Baden, die in Neuenkirchen-Brochdorf einen kleinen Hofladen betreiben, hat sie die Kartoffelsorten „Adretta“ und „Gala“ anbauen lassen. “Adretta” war das Ergebnis der Entwicklung einer besonders robusten Kartoffelsorte, die für die Anbau- und Erntemethoden Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) in der DDR geeignet war. Die Sorte “Gala” wurde nach der Wiedervereinigung gezüchtet. Als das DDR Institut für Pflanzenzüchtung in Groß Lüsewitz bei Rostock nach der Wende aufgelöst wurde, gründeten ehemalige Institutsmitarbeiter zusammen mit Kartoffel-Veredlungsbetrieben der alten Bundesländer – als Gesellschafter – die Firma NORIKA GmbH. Sie führen in ihrem Betrieb das Wissen, das das Institut über Jahrzehnte aufgebaut hatte, fort.

Fotografien, Zeichnungen und Texte dokumentieren die deutsch-deutsche Geschichte der beiden Sorten, den Anbau, das Wachstum, die Ernte, aber auch den Alltag von Famile Baden. In großen Rollcontainern, die normalerweise für Supermärkte bestimmt sind, stehen“Gala“ und „Adretta“ zum Verkauf.

Im Raum daneben gewährt Åsa Sonjasdotter Einblicke in das Fotoarchiv des ehemaligen Instituts für Pflanzenzüchtung in Groß Lüsewitz. Die Fotos sind nicht nur wissenschaftliche Dokumente, sondern portraitieren auch die Institutsmitarbeiter, wobei eine interessante Spannung zwischen Ideologie und Alltagsleben entsteht. Die Notwendigkeit der Zucht robuster Sorten für eine großflächige Landwirtschaft, der wenig Chemikalien zur Verfügung standen, fügt eine aktuelle Bedeutung zu diesen Themen hinzu.

In der Textcollage „Auswahl/Erinnern“ im Obergeschoss verbindet Sonjasdotter verschiedene Erzählstränge im Zusammenhang mit der Entwicklung neuer Kartoffelsorten. Die Fakten entstammen dem Quellenmaterial, das in einer Vitrine ausgebreitet ist. Die Chronik beginnt mit der Russischen Revolution. Schauplätze sind Russland, Ungarn, Südafrika, Peru, Großbritannien oder Groß Lüsewitz. Die genetische Entwicklung des global verbreiteten Grundnahrungsmittels Kartoffel ist verknüpft mit politischer Ideologie, persönlichen Schicksalen, ökonomischen Interessen, Lizenzvergaberechten und individuellen Experimenten.

Die Installation „Eine untersuchende Kartoffelzüchtung“ setzt diese Geschichte fort. Diaserien dokumentieren drei Jahreszyklen des gleichnamigen Projekts auf einer Brache mitten in Berlin. Hier versuchen Gärtner, Künstler und Interessierte, an altes Wissen anzuknüpfen und mit einer großen Artenvielfalt von unterschiedlichen Formen, Farben, Qualitäten und Aromen zu experimentieren.

Wir danken dem Land Niedersachsen, dem Lüneburgischen Landschaftsverband und der Volksbank Lüneburger Heide für die Förderung der Ausstellung und des Begleitprogramms. 

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Ebenfalls danken wir dem Kulturhistorischen Verein Groß Lüsewitz e.V., der Universität Tromsø, dem Office for Contemporary Arts Norway, der Heidesand Raiffeisen-Warengenossenschaft eG, Norika GmbH und den Prinzessinnengärten am Moritzplatz Berlin für die freundliche Unterstützung der Ausstellung.

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Biografie

Åsa Sonjasdotter ist Professorin an der Akademie für zeitgenössische Kunst in Tromsø/N, an deren Gründung 2007 sie beteiligt war. Sie hat in Kopenhagen/DK und Trondheim/N studiert. In den neunziger Jahren war sie Gründungsmitglied von „Women Down the Pub“, einer feministischen Kunst- und Aktionsgruppe.

Ausgewählte Projekte: The Way Potatoes Go II (The Politics and Pleasures of Food, Halle 14, Leipzig, 2013); Rooting, Regional Networks, Global Concerns (Sullivan and Betty Rymer Galleries, Chicago, USA, 2013); The Way Potatoes Go (Green Acres: Artists Farming Fields, Greenhouses and Abandoned Lots, Contemporary Arts Center, Cincinnati, USA, 2012), Hungry City (Kunstraum Kreuzberg, Berlin, 2012), The Order of Potatoes (The Worldly House, dOCUMENTA (13), Kassel, 2012), The Order of Potatoes (Göteborgsbiennalen, Sweden, 2011), The Way Potatoes Go (EATLACMA, LACMA, Los Angeles, USA, 2010), Small Potatoes Make Big Noise (4th Bucharest Biennale, Romania, 2010); The Way Potatoes Go (The Gatherers: Greening Our Urban Spheres, Yerba Buena Center for the Arts, San Francisco, USA, 2008), Tea Pavilion (3rd Guangzhou Triennial, Guangzhou, China, 2008), Sharing the Knowledge (Konsthall C, Stockholm Sweden, 2007); Reconstructing supplies (Kunsthalle Exnergasse, Wien, Austria, 2007); Impossible India (Frankfurter Kunstverein, Germany, 2006); On Mobility (Muscarnok, Budapest, Hungary and De Appel, Amsterdam, Netherlands, 2006).

VERSTAND & GEFÜHL / Landschaft und die zeitgenössische Romantik

15. Juni – 18. August 2013

the hierarchy of relevance (snare drum)

Guy Allott (GB), Martin John Callanan (GB), Simon Faithfull (GB), Runo Lagomarsino (S/Bras), Randi Nygård (N), Munan Øvrelid (N), Rebecca Partridge (GB), Katie Paterson (GB), Benja Sachau (D), Corinna Schnitt (D), Richard T. Walker (USA/GB)

Kuratiert von Randi Nygard, Rebecca Partridge und Bettina v. Dziembowski

english version see below

Wohl kaum eine Epoche ist durch so viele Missverständnisse und Widersprüche geprägt wie die „sentimentale“ Romantik und wohl kaum eine Epoche hat unser nordeuropäisches Verhältnis zur Natur und zum Individuum so nachhaltig geprägt. Davon ausgehend setzt die Ausstellung „Verstand & Gefühl“ Motive und Ideenwelten der Romantik in Bezug zu den Arbeiten von elf zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern.
Charakteristisch für die Romantik des 19. Jhdts. ist die Verlagerung des Interesses vom Verstand zum Gefühl, von der Berechnung zur Intuition, von objektiver Betrachtung zur subjektiven Wahrnehmung. Ein Anliegen der Kunst war der Ausdruck des Individuums, die Vermittlung intensiver Gefühlszustände insbesondere in Beziehung mit einer tiefen metaphysischen Verbundenheit zur Natur.

Die Romantik war jedoch nicht nur paradiesisch und schön, sie umfasste auch das Subversive von Entgrenzungserlebnissen. Künstler wie Delacroix oder Goya stellten in ihren Schreckensszenarien ungezügelte Gefühle dar. Bilder ruinösen Verfalls bei Caspar David Friedrich oder William Turner erinnerten an die Macht der Natur sich die Zivilisation zurückzuerobern.

Vorherrschend jedoch, insbesondere unter den Malern, war die Darstellung unermesslich weiter unzivilisierter Landstriche, deren idealisierte Erhabenenheit die unauflösliche Beziehung des Menschen zur Natur zum Ausdruck brachten. Ehrfurcht einflössend und beängstigend zugleich wird der Betrachter damit konfrontiert, seine eigene Position im Universum zu hinterfragen: Die äussere Landschaft dient als Metapher für eine innere Erfahrung.

In den im Springhornhof gezeigten Arbeiten erscheint die Romantik nicht als sehnsuchtsvolle Wiederbelebung von Versatzstücken einer grandiosen Vergangenheit, sondern als Ansatz für eine Vielzahl von Strategien der Aneignung, Fortsetzung, Kritik und Transformation. Die heutige Romantik ist eine Metaromantik in der nicht nur Melancholie und intensive Gefühle zum Ausdruck kommen, sondern auch Distanzbewusstsein und Ironie. So spielen die beteiligten Künstlerinnen und Künstler sowohl auf die Sehnsucht nach einer märchenhaften Naturidylle an, als auch auf die Umstände dieses Eskapismus. Hinter der Sehnsucht nach der Schönheit und dem Paradies bleibt das Wissen um das Scheitern großer Utopien stets präsent.

 

REASON & EMOTION / Landscape and the contemporary Romantic

Hardly any epoch has been marked by so many misunderstandings and contradictions as the „sentimental“ Romantic era, just as hardly any epoch has so shaped our northern European relationship between nature and the indiviual. On this basis the exhibition „Reason and Emotion” explores ideas and motifs derived from Romanticism in relation to the work of eleven contemporary artists.

Characteristic of the Romanticism of the 19th Century is the shift of interest from reason to feeling, computation to intuition, objective observation to subjective perception. One aim of art at this time was the expression of the individual, the mediation of intense emotional states, particularly in relationship with a deep metaphysical connection to nature.

However, the Romantic was not only heavenly and beautiful, it also included the delineation of subversive experiences. Artists such as Delacroix and Goya presented scenarios of unbridled emotions in all their horror. Caspar David Friedrich and William Turner recalled the power of nature to regain civilisation through dark images of ruinous decay.

Predominantly, however, especially among the painters, was the presentation of immeasurably more uncivilised lands, whose idealised grandeur expressed the indissoluble relationship of man to nature. Awe-inspiring and frightening at the same time, the viewer is confronted with the question of his own position in the universe: the outer landscape serves as a metaphor for an inner experience.

In the works shown in Springhornhof the Romantic pervades, however not as a revival of a set of motifs sentimentally salvaged from a glorious past, but incorporated in a variety of strategies of appropriation, continuation, critique and transformation.

Today’s Romanticism is a Meta-Romantic showing not only melancholy and strong sensation, but also a distance, an awareness that manifests itself in ironic reflections. Thus, the participating artists play not only with the notion of romantic longing for nature-idyll, but also with the circumstances of this escapism. Behind the longing for the paradisiacal, the beautiful and fairy-tale, the abyss is just as present as the knowledge of the failure of utopias.

Nadine Städler INADVERTEDLY TOUCHED BY A LONG-DISTANCE RUNNER

o.T. (My black Nikes are the most comfortable Shoes I’ve ever had), Pigmentdruck auf Papier, 93 x 76 cm, 2012.

„Nadine Städler (*1979 in Hildesheim) beschäftigt sich in ihrer künstlerischen Arbeit hauptsächlich mit den drei Arbeitsfeldern Zeichnung, Raum und Sprache. Alle drei sind ausschlaggebend für grundsätzliche Überlegungen zu konzeptuellen und philosophischen Fragestellungen. In ihren speziell für die gedoppelten Räume konzipierten Arbeiten kommen v.a. das Spielgelbild und das Projektionsbild vor. Beim projizierten Bild gilt ihr Interesse in erster Linie der Projektion an sich bzw. dem Zurückscheinen und Wiedererkennen des Projizierten. Das Lichtbild ist dabei ein Spiegelbild. Der Spiegel wird im Wortlaut der Künstlerin zum Träger der Reflexion und kann als Spekulation von Wirklichkeit, als Vervollkommnung oder Verdoppelung des sich illuminierenden Bildes gelesen werden.“ (Sabine Schaschl)

 

Biografie

*1979 in Hildesheim, lebt und arbeitet in Köln

2003-2006 Studium der Freien Kunst, Hochschule der Künste Bern (HKB), CH
2008-2010 Master of Arts in Contemporary Arts Practice, Fine Arts, HKB, CH

Einzelausstellungen (Auswahl)
2007 Sommerprojekt, Marks Blond Project Bern, CH
2011 Le Cosmonaute avec Couleur, Künstlerstätte Stuhr-Heiligenrode

Gruppenausstellungen (Auswahl)
2008 Stipendienausstellung Aeschlimann-Corti, Centre Pasquart, Biel, CH
Swiss Art Awards, Basel, CH
2009 Regionale 9, Kunsthaus Langenthal, CH
2010 Stipendienausstellung Aeschlimann-Corti, Kunsthaus Langenthal, CH
Iris, Master HKB, Kunsthalle Bern, CH
2011 Bremer Förderpreis für Bildende Kunst, Städtische Galerie Bremen
Kunstfrühling Bremen
2012 Ab in die Ecke, Städtische Galerie Delmenhorst
Residence-Junge Kunst aus Niedersachsen, Syker Vorwerk

Stipendien
2008 Hirschmann Stipendium, CH
2010 Förderpreis des Aeschlimann-Corti Stipendium, CH
Wohn- und Arbeitsstipendium, Künstlerstätte Stuhr-Heiligenrode

 

 

MARKUS SAILE non-travail

o.T., Öl auf Holz, 58 x 43 cm, 2012, Privatsammlung Köln.

Die Arbeiten von Markus Saile (*1981 in Stuttgart) erforschen den Möglichkeitsraum zwischen abstrakter und figurativer Malerei in seinen historischen und aktuellen Bedingungen. Sie reichen von dynamischen malerischen Setzungen bis hin zu fast monochromen, komplexen Überlagerungen von Farbschichten, die atmosphärische und dennoch heterogene, manchmal in sich widersprüchliche Räume erzeugen. Jedes Bild stellt eine singuläre und prozessuale Erkundung dieses Möglichkeitsraumes dar und kann als Spur dieser Erkundung aufgefasst werden.

Der Ausstellungstitel non-travail verweist auf einen kurzen Text von Marguerite Duras, in dem sie das Schreiben als eine Zustand beschreibt, der sich der Ökonomie der Arbeit und der geplanten Form verweigert, in dem es vielmehr um ein Kräfteverhältnis geht und in dem sich etwas Unvorhersehbares einzustellen vermag. Auch die künstlerische Produktion lässt sich als Utopie entwerfen, der sich der Logik der spätkapitalistischen, das Subjekt vollständig ergreifenden Arbeit entgegenstellt. Die Auseinandersetzung mit der Kunst- und insbesondere der Malereigeschichte mit all ihren Parametern wie Komposition, Form, Abstraktion oder Geste, heißt in diesem Zusammenhang, sich diese Form des Wissens zum einen anzueignen, sie zum anderen wieder loszulassen, um ein neues Terrain des Nichtwissens zu eröffnen. Malerische Setzungen sind in Markus Sailes Bildern insofern nur in ihrem Bezug aufeinander zu verstehen, als ein Kräfteverhältnis, das sich im Bildraum abspielt, das sich aber auch über diesen hinaus auf den Ausstellungsraum bezieht.

 

Biografie

*1981 in Stuttgart, lebt und arbeitet in Köln
2004–10 Hochschule für Bildende Künste Braunschweig (HBK)
2010–11 Meisterschüler

Einzelausstellungen
2012 Schichtwechsel, RECEPTION, Berlin
Markus Saile, Ringstube, Mainz, Germany
2011 Cliffhanger, RECEPTION, Berlin

Gruppenausstellungen
2012 Landschaftsgänger, Parrotta Contemporary Arts, Stuttgart
2011 Jahresgaben, Kunstverein Braunschweig
Nomadische Unschärfen, Temporary Gallery, Cologne (cat.)
too much, Kunstgruppe e.V., Cologne
2010 every so often, DREI Raum für Gegenwartskunst, Cologne (cat.)
walls feel the love, Raum Kalk, Cologne
Von mir aus, Salon Schmitz, Cologne
2009 Trinken als Chance, Kunstgruppe e.V., Cologne
2008 our gift to the World, Kunstklub, Berlin
motten unter der langen weißen Wolke, A.K.A., Munich
2007 Junge Kollegen, Verein für Originalradierung, Munich (cat.)
Beyond the line, HBK Braunschweig, Germany (cat.)
Dross, Hochschulgalerie HBK Braunschweig, Germany
2005 Plattform, Kunstverein Hannover, Germany
Stipendien
2007–2011 Studienstiftung des deutschen Volkes

Wir drehen einen Heimatfilm!

Plakat Heimatfilm

Video-Workshop im Kunstverein Springhornhof Neuenkirchen

Heimatfilme sind vielleicht ein wenig aus der Mode geraten, aber unsere Kunstvermittlerinnen Karin Haenlein und Rahel Puffert sind fest entschlossen, das Genre aufzugreifen und gemeinsam mit anderen Filmbegeisterten einen aktuellen Heimatclip zu drehen.

Ort der Handlung ist Neuenkirchen. Mit ein wenig Augenzwinkern, werden wir die Lüneburger Heide, die Schnucken, das Dorf und seine Bewohner in Szene setzen.

Nachdem wir Ausschnitte aus klassischen Heimatfilmen angeschaut haben, entwickeln wir gemeinsam ein eigenes Storyboard, legen Drehorte fest, kümmern uns um Kostüme und Statisten, wählen passende Musik aus, proben und … drehen unseren Heimatfilm.

Menschen in jedem Lebensalter sind eingeladen, mitzumachen.

Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.

Termine:

21.03. 14 bis 17 Uhr
22.03. 10 bis 13 Uhr
20.04. 14 bis 17 Uhr
21.04. ab 11 Uhr

Anmeldung & weitere Infos: info@springhornhof.de

 

Impressum/Kontakt

Kunstverein & Stiftung SPRINGHORNHOF
Tiefe Straße 4
D-29643 Neuenkirchen (bei Soltau)
REDAKTION
Bettina v. Dziembowski und Monika Zimmermann
GRAFISCHES KONZEPT UND PROGRAMMIERUNG
Agata Krolikowski

Inhaltlich verantwortlich gemäß § 55 Abs. 2 RStV: Bettina v. Dziembowski

Alle Rechte, insbesondere das Recht auf Vervielfältigung und Verbreitung sowie Übersetzung vorbehalten. Keine der Abbildungen darf ohne Genehmigung des jeweiligen Künstlers reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden

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© Kunstverein & Stiftung Springhornhof, die Künstler/innen, Fotograf/innen und Autor/innen, 2012

 

Jeppe Hein – Parcours (2009)

Aussenstelle des Springhornhofs im Camp Reinsehlen bei Schneverdingen (ca. 16 km nördlich von Neuenkirchen)

Info & Anfahrt: Leporello_JeppeHein_Parcours

Jeppe Hein, Loop Bench (2009) - Camp Reinsehlen bei Schneverdingen

Die „Loop Bench,“ die Jeppe Hein 2009 am Rande einer weiten Gras- und Heidefläche inmitten der Lüneburger Heide platziert hat ist nicht zu übersehen. Die strahlend weiße Skulptur sieht aus, als wäre eine harmlose Parkbank zu einer rasanten Achterbahn mutiert. Sie bildet den Auftakt zu einem „Parcours“ mit denen der dänische Künstler das ehemalige Militärgelände Camp Reinsehlen bei Schneverdingen auf überraschende Weise in Szene setzt.

Entlang eines Rundwegs, der bauliche Relikte der militärischen Nutzung als Flugfeld im 2. Weltkrieg und späteres Panzergelände der britischen Streitkräfte miteinander verbindet, trifft man immer wieder auf diese fremdartigen Objekte. Sie erinnern an Parkbänke, entziehen sich allerdings der gängigen Nutzung. Jede ist auf eine andere Weise verformt und verfremdet: zu hoch, zu tief, scheinbar kaputt oder zu einem Kreis gebogen.

Der Höhepunkt des Kunstparcours kommt dagegen völlig unscheinbar daher. Am Rande des Wasserauffangbeckens der ehemaligen Panzerwaschanlage steht eine schlichte Sitzbank aus Holz. Setzt man sich darauf, steigt in der Mitte des Beckens eine zwanzig Meter hohe Wasserfontäne empor (nur in den Sommermonaten). Der ruppigen Zweckarchitektur wird ein überraschend poetisches Motiv entgegen gesetzt. Doch wie so oft im Werk von Jeppe Hein manifestiert sich das Kunstwerk erst, wenn es wahrgenommen wird. Steht der Betrachter wieder auf, sinkt der Wasserstrahl nach kurzer Zeit in sich zusammen.

Im Sommer 2007 erhielt Jeppe Hein für seinen „Parcours“ den Landschaftskunstpreis NEULAND, den die Stiftung Niedersachsen gemeinsam mit der Stiftung Springhornhof sowie in enger Kooperation mit dem Institut für Landschaftsarchitektur der Leibniz Universität Hannover ausgelobt hat.

Publikation: Neuland – Landschaft zwischen Wirklichkeit und Vorstellung. Hg. von Bettina von Dziembowski, Udo Weilacher und Joachim Werren. Birkhäuser, 2009. € 32,95

Jeppe Hein (*1974 in Kopenhagen) ist ein in Berlin lebender dänischer Bildhauer.
Studium an der Königlich Dänischen Kunstakademie und an der Städel-Hochschule für Bildende Künste in Frankfurt.
Seine Werke werden international ausgestellt, unter anderem in der Tate Liverpool (A Secret History of Clay), in der Galerie für Zeitgenössische Kunst in Leipzig (Performative Installation) und in New York im Museum P.S.1 (Flying Cube).

Weitere Informationen erhalten Sie bei der Schneverdingen Touristik.

 

Himmel und Erde (Valerij Bugrov) 1991/Dorf der Kinder (Susanne Ahner und Kinder aus Delmsen und Neuenkirchen) 1991

Himmel und Erde (Valerij Bugrov) 1991

Als makelloser, kreisrunder Spiegel mit 16 Metern Durchmesser liegt »Himmel und Erde« inmitten der Felder. Ein schulterbreiter begehbarer Einschnitt führt leicht abfallend zum Mittelpunkt der reflektierenden Fläche. Hier, in der Erde stehend, über das Feld in die Weite schauend, erlebt man das Wechselspiel zwischen realem Himmel und widergespiegeltem Himmelsbild. Gleißendes Licht, dahinziehende Wolken und prasselnder Regen erzeugen den ständigen Wechsel der Erscheinung des Spiegels.
Der Betrachter erlebt sich und sein eigenes Spiegelbild in einer irritierenden Situation des Dazwischen, in der die vertrauten Abgrenzungen von Luft und Erde, Oben und Unten, Standfestigkeit und Schwerelosigkeit, Materialität und Immaterialität fragwürdig werden.

zum Außenobjekt
Text von D. Wittkuhn

Dorf der Kinder (Susanne Ahner und Kinder aus Delmsen und Neuenkirchen) 1991

Die vier Spielhäuser im »Dorf der Kinder« wurden unter der Regie der Künstlerin Susanne Ahner von Kindern aus Neuenkirchen und Delmsen entworfen. Der Standort auf einem brachliegenden Gelände am Bahndamm gab das Thema vor: Die Kinder erforschten gemeinsam mit der Künstlerin anhand von Fotos und auf Exkursionen die Architektur von Bahnhofsgebäuden. Die Eindrücke setzten sie in Entwürfen für Spielhäuser um. Die besten Ideen wurden im nächsten Schritt von den Kindern in maßstabsgerechte Modelle umgesetzt und von Handwerkern aus dem Ort gebaut.
Trotz des engagierten Anfangs ist der Versuch, mit dem Spielplatz den von Gleisanlagen und Straße getrennten Weg von Delmsen nach Neuenkirchen zu überbrücken, nicht im erhofften Umfang gelungen. Die Randlage des Geländes erwies sich weiterhin als problematisch. Mittlerweile mußte der Spielplatz dem Neubau des Feuerwehrhauses weichen.

Eva Castringius — Back Country

9. April – 5. Juni 2011

In einer auf die Architektur des Kunstvereins bezogenen Installation, stellt Eva Castringius Malerei und Fotografie in einen ungewöhnlichen Dialog über das Thema Landschaft. Visuelles Material sind industriell geprägte Regionen im Südwesten der USA. „Ich arbeite mit reduzierten Bildelementen und setze architektonische Formen auf leuchtende Untergründe. Im Wechselspiel von Farbtransparenz und Farbdichte wird das Bild zur Projektionsfläche eines unendlichen Raumes.“

Gefördert durch das Land Niedersachsen, Consulate General of the United States of America, Mykita. Handmade in Berlin und Eidotech

Andrea Winkler — Famous Quotes by Famous People

18. Juni – 28. August

Die künstlerische Arbeitsweise von Andrea Winkler ist zwischen ortsspezifischer Installation, Objet trouvé und Skulptur angesiedelt. Mit ihren einfachen, fast beiläufig wirkenden Interventionen und verfremdeten Wiederaufführungen von Versatzstücken aus der Alltagswelt in Form von Objekten, gefundenen oder modifizierten Materialien und räumlichen Eingriffen, verwandelt sie vertraute Räume in komplexe dreidimensionale Collagen.
Für die Ausstellung im Kunstverein Springhornhof hat sie eine raumgreifende temporäre Installation aus alltäglichen Materialien wie Ink Jet Prints, Styroporplatten, Holz, Pappe, Bauschaum, Folie, Stoff, Absperrketten, Pfeiler, Magazinseiten, Papier und Acrylfarbe entwickelt, die sich direkt auf die räumliche Situation bezieht, vor Ort erarbeitet wurde und sich an einigen Stellen mit einer für die Dauer der Ausstellung angebrachten, zeichenhaften Wandmalerei verbindet.

Ähnliche Objekte tauchen in unterschiedlichen Kombinationen und Variationen in allen drei Räumen des Springhornhofs auf. Es entsteht eine szenisch angelegte Choreografie, die als präzise gesetzter Parcours durch die Räumlichkeiten auf zwei Stockwerken führt und diese zu einer in sich geschlossenen „Raum-Collage“ verknüpft.

So wird die heterogene Ausstellungssituation in den ehemaligen Ställen und Dachböden eines historischen landwirtschaftlichen Gebäudes, dessen unsprüngliche Nutzung man noch erahnt, zu einer wichtigen und Form gebender Komponente, die nicht nur eine Bühne liefert, sondern auch zum Anteil der Arbeit wird. Der Ausstellungsraum, aber auch der Betrachter werden als wesentliche „Akteure“ mit thematisiert.

Räume – auch die so genannten „White Cubes“ in Museen und Kunstinstitutionen – sind strukturiert durch ihre Architektur, Objekte und Arrangements, die von einer gewissen sozialen Funktion erzählen und regeln wie wir uns darin aufhalten und benehmen. Andrea Winkler interessiert, wie die von ihr inszenierten Objekte und Wandmalereien mit den existierenden Räumen interagieren und welche Emotionen und Gefühle sie auslösen können. Dabei geht es ihr um die physischen und psychologischen Qualitäten eines Raumes, von Materialien und Objekten.

Die einfachen Setzungen und teilweise subtilen Verfremdungen sind weniger »minimal« im traditionellen Sinne, es eröffnet sich vielmehr ein ambivalenter Assoziationsraum, der in seiner Transgressivität Momente der Erwartung, des Verlustes und Begehrens anklingen lässt.

Andrea Winkler (*1975 in Zürich) hat an der Slade School of Fine Art, London und der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg bei Wolfgang Tillmans, Cerith Wyn Evans und Gisela Bullacher studiert. Ihre Arbeiten wurden u.a. in der Kunsthalle St. Gallen, im Kunsthaus Hamburg, im Argauer Kunsthaus, bei Anthony D‘Offay, London, in der Tanya Bonakdar Gallery, NY und im Kunstverein Harburger Bahnhof gezeigt. Die Ausstellung im Kunstverein Springhornhof ist ihre erste größere Einzelausstellung.

Claudia Mucha —Landfriedensbruch

Von friedlicher Natur kann keine Rede sein. Land wird vermarktet, versiegelt oder verbaut. Die Fotografien von Claudia Mucha (*1971 in Wolfratshausen, Bayern) zeigen nicht nur die direkten Auswüchse der Wachstumsökonomie. Auch Klimawandel und steigender Energieverbrauch, die zu grundlegenden Transformationen der Landschaft führen, werden thematisiert. Daher hat sich unserer Bild von Landschaft tiefgreifend verändert. Claudia Mucha reflektiert den Blick auf die Natur in seiner ganzen Gebrochenheit.

Landfriedensbruch ist eine Straftat gegen die öffentliche Ordnung. Die erste Ordnung, die es im allgemeinen Interesse zu beachten gilt, sind jedoch die Formen der Selbstorganisation von Natur.

Gefördert durch das Land Niedersachsen, den Lüneburgischen Landschaftsverband und die Volksbank Lüneburger Heide eG.

Heinrich Riebesehl — Äcker & Häuser

3. September – 23. Oktober 2011 

Heinrich Riebesehl (*1938 in Lathen an der Ems; † 2010 in Hannover) hat die künstlerische Fotografie in Deutschland seit den 1970er Jahren maßgeblich geprägt. Als Fotograf, Dozent und Kurator trug er mit seinen, vorwiegend in Norddeutschland entstandenen, „lakonischen Fotografien einer lakonischen Gegend“ (Peter Sager) wesentlich zu einer Erneuerung der Dokumentarfotografie bei.

Die Motive seiner seit Mitte der siebziger Jahre entstandenen Serien „Agrarlandschaften,“ „Dorfansichten“ oder „Gewerbebauten“ fand er in Ortschaften wie Hodenhagen, Jeddingen oder Hanstedt. Riebesehl erweist sich darin als Entdecker einer spröden, oftmals melancholischen Schönheit des Banalen und Alltäglichen.

Für seine intensive fotografische Auseinandersetzung mit der Topografie der norddeutschen Kulturlandschaft wurde er u.a. 1982 mit dem Sprengel-Preis für Bildende Kunst der Niedersächsischen Sparkassenstiftung und dem Niedersächsischen Kunstpreis 2000 ausgezeichnet. Seine Werke sind in bedeutenden europäischen und amerikanischen Museen und Privatsammlungen vertreten.


Fotografien aus der DZ BANK Kunstsammlung — Heimat

14. April – 10. Juni
Heimat
Fotografien aus der DZ BANK Kunstsammlung

Laurenz Berges / Peter Bialobrzeski / Angus Boulton / Sonja Braas / Mona Breede / Balthasar Burkhard / Heinz Cibulka / Frank Darius / Caroline Dlugos / Thomas Draschan / Jochen Gerz / Tatjana Hallbaum / Jitka Hanzlová / Carsten Höller / Axel Hütte / Barbara Klemm / Lewis Koch / Florian Merkel / Jean-Luc Moulene / Simone Nieweg / Martin Parr / Emanuel Raab / Inge Rambow / Heinrich Riebesehl / Andreas Rost / Hans-Christian Schink / Michael Schmidt / Helmut Schweizer / Annelies Štrba / Wolfgang Tillmans / Virxilio Vieitez / Edwin Zwakman

Heimat ist ein unsicheres Terrain. Längst scheint der Begriff Opfer romantischer Verklärung, nationalistischer Vereinnahmung, klischeehafter Werbebilder und provinzieller Enge geworden zu sein. Aber sind wir in Zeiten von Globalisierung und medialer Vernetzung noch auf das Gefühl der Zugehörigkeit zu einem vertrauten Ort angewiesen? Geht es nicht viel mehr um unsere innere Orientierung an Wertvorstellungen und kulturellen Wurzeln?

Die Auswahl von hochkarätigen Arbeiten aus der renommierten DZ BANK Kunstsammlung nähert sich Vorstellungen von Heimat in all ihrer Widersprüchlichkeit. Die Fotografien zeigen uns bedrohte Territorien, flüchtige Orte des Transits, Situationen des Verlustes, Kindheitserinnerungen, echte und falsche Idyllen aber auch Landschaftsbilder voller Ruhe und Weite.

Wir danken dem Land Niedersachsen, der DZ Bank, der Stiftung Niedersächsicher Volks- und Raiffeisenbanken und der Volksbank Lüneburger Heide eG für die Unterstützung der Ausstellung

Stef Heidhues — Yes Sir, No Sir

23. Juni – 5. August
Stef Heidhues
Yes Sir, No Sir

Mit Stef Heidhues (*1975) setzt der Springhornhof seine Reihe von Ausstellungen und installativen Eingriffen fort, in denen das Gebäude des Kunstvereins zum Material der künstlerischen Auseinandersetzung wird.

Der Bezug auf den jeweiligen Ort und der spielerische Umgang mit bedeutungsgeladenen Materialien ist charakteristisch für ihre Arbeiten. Statisch gewagt, mit überraschenden Wendungen und unvorhersehbaren Kombinationen stellt Heidhues allgemein anerkannte Gewissheiten über das „Normale“ in Frage. Elegante Metallbögen werden zu Abspergittern, Fahrradketten ragen als Fahnen in den Raum, ein vorhangartiges Gespinst entpuppt sich als starres Konstrukt aus Aluminium.

„Oft trifft innerhalb meiner Arbeit das Rohe auf das Sinnliche, das Künstliche auf das Natürliche, das Laute auf das Leise, das Traditionelle auf das Trashige, das Handgemachte auf das kommerziell Produzierte, und oft befinden sich diese Gegensätzlichkeiten innerhalb einer Skulptur, räumlichen Setzung oder Collage. Für mich wird es da spannend, wo Reibung und Widerspruch ist, dann wird aus dem Objekt ein Subjekt.“ (Heidhues)

Die Ausstellung wird gefördert durch das Land Niedersachsen und die Volksbank Lüneburger Heide eG.

2012

28. Oktober – 16. Dezember
The Simple Life
Angela Bulloch / Josephine Meckseper / Shana Moulton / Fabian Reimann / Simon Starling / Niko Wolf

Angela Bulloch, Gruppenausstellung "The Simple Life", 2012

11. August – 14. Oktober
Klara Hobza
Moving with Fervor into Moments of Levity
Special feature: Werner Herzog, „Die Große Ekstase des Bildschnitzers Steiner“
Katalog

23. Juni – 5. August
Stef Heidhues
Yes Sir, No Sir

14. April – 10. Juni
Heimat
Fotografien aus der DZ BANK Kunstsammlung
Laurenz Berges / Peter Bialobrzeski / Angus Boulton / Sonja Braas / Mona Breede / Balthasar Burkhard / Heinz Cibulka / Frank Darius / Caroline Dlugos / Thomas Draschan / Jochen Gerz / Tatjana Hallbaum / Jitka Hanzlová / Carsten Höller / Axel Hütte / Barbara Klemm / Lewis Koch / Florian Merkel / Jean-Luc Moulene / Simone Nieweg / Martin Parr / Emanuel Raab / Inge Rambow / Heinrich Riebesehl / Andreas Rost / Hans-Christian Schink / Michael Schmidt / Helmut Schweizer / Annelies Štrba / Wolfgang Tillmans / Virxilio Vieitez / Edwin Zwakman
Begleitheft

Klara Hobza — Moving with Fervor into Moments of Levity

11. August – 14. Oktober

Special feature: Werner Herzog, „Die Große Ekstase des Bildschnitzers Steiner“

„Klara Hobzas Aktionen sind ebenso absurde wie visionäre Inszenierungen von Sisyphusgeschichten. Ihre selbst gestellten Aufgaben, deren erfolgreiche Verwirklichung möglich, aber nicht überaus wahrscheinlich erscheinen, werden von ihr mit Hartnäckigkeit und wilder Entschlossenheit ausgeführt, wobei der feierlich zur Schau gestellte Ernst mit Momenten schrulliger Heldenhaftigkeit aufgemischt wird. Ob nun die Repatriierung von ehemals in Amerika angesiedelten Staren nach England, ein nahezu dreißig Jahre umfassender Tauchgang durch die Gewässer Europas, der von der Künstlerin gesteuerte kommunikative Tanz der Lichtzeichen im nächtlichen New York oder ihre explizit als Auswanderung inszenierte Rückkehr von Amerika nach Europa, zu der auch die Verschiffung des gesamten Atelierbestands zum Frachthafen Newarks mit einem Floß gehörte: Hobzas Vorhaben haben oftmals mit physischem Einsatz und Bewegung – der Verschiebung von Massen, von Objekten wie auch des eigenen Körpers – zu tun. Selbst die eigene Künstlerinnenbiographie folgt den Grundsätzen von Bewegung, wenn Lebensdaten -und ereignisse einem kreativen Prozess der Revision und Fabulierung unterzogen werden.
Hobza hat ihre Ausstellung unter den Titel „Moving with Fervor into Moments of Levity“ gestellt – eine Losung, die ihre Navigationskunst zwischen verschiedenen Größenverhältnissen und Gewichtsklassen treffend beschreibt. Denn Hobzas Ziele sind hoch und wiegen zunächst schwer. Nur mit gewaltiger Anstrengung und Aufwand sind sie realisierbar – ein geradezu aberwitziger Kampf gegen die Widerstände von Naturkräften, physikalischen Gesetzen und bürokratischen Fallen, der, wenn überhaupt, nur aus dem Zusammenspiel von Fachwissen, präziser Planung, Improvisationskunst und dem Einsatz spezieller Fähigkeiten zu gewinnen ist. Dabei sind ihre Arbeiten, die vor, während oder auch auf Seitenwegen ihrer Performances entstehen – Videos, Fotografien, Objekte, Zeichnungen, Statements und Publikationen – wohl kaum von Pathosformeln bestimmte Zeugnisse von Strapazen, sondern vielmehr spielerische Erzählungen, die sich gerade in Momenten von Erschöpfung, Ungeschicklichkeit und offenkundiger Vergeblichkeit zu überraschender Leichtigkeit aufschwingen. …“

(Auszug aus dem Katalogtext „Die unglaublichen Abenteuer der Klara Hobza“ von Esther Buss)
Die Ausstellung wird gefördert durch das Land Niedersachsen und den Lüneburgischen Landschaftsverband

2010

20. November – 22. März 2011
Matthew Antezzo, 2010 / Wolf Kahlen, 1975 / Edmund Kuppel, 1975 / HAWOLI, 1975
TESTBILD – Ein Déjà Vu mit dem Neuenkirchener Symposion Foto-Film-Video 1975

07. – 17. Oktober
in der Vertretung des Landes Niedersachsen beim Bund, Berlin, myvillages.org Internationaler Dorfladen

21. August – 10. Oktober 
Ulu Braun
Fiebergärten

24. August – 10. Oktober
Lucas Wahl
Kathmandu – city of kings

Donnerstag, 9. September, 18 Uhr 
Diskussionsforum Kulturelle Bildung als Standortfaktor: Stiefkind oder Chance des ländlichen Raumes?

6. Juni bis 15. August 2010 
Dominik Bednarek / Hanna Brandes / Kalin Lindena / Alex Müller

11. April bis 24. Mai
Stefan Römer
Schlagbaum. Über die Grenzen von Natur und Kultur

2009

21. November – 20. Dezember 2009
Schnucken, Elefanten und andere Gastgeschenke
myvillages.org: Antje Schiffers (D), Kathrin Böhm (UK/D), Wapke Feenstra (NL)
Pressetext

12. Juli bis 16. August
Jeppe Hein, Ulrik Weck
Pressetext

29. August bis 15. November
Landschaft 2.0
Pressetext

16. Mai bis 5. Juli
Caroline Bayer, Dennis Feddersen, Sofia Hultén, Katrin Pieczonka
Haus kaputt — Haus heile
Pressetext

2008

8. November bis 14. Dezember
Michael Reisch
Landschaften
Pressetext

13. September bis 26. Oktober
HAWOLI, Dominik Lang, Andrea Pichl, Rafani, Tilo Schulz, Antje Schiffers und Thomas Sprenger, Katerina Šedá, Libot Stavjaník
Bewohnte Orte/Obydlená Místa • Illusionen über die Stadt und das Land.
Pressetext

22. Juni bis 07. September
Thomas Baldischwyler
5 – 6 – 7 • Eine Installation
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12. April bis 15. Juni
Eine Auswahl von Stipendiatinnen und Stipendiaten der Künstlerstätte Schloss Bleckede • Shannon Bool, Kerim Seiler, Dani Jakob, Pauline Kraneis, Jens Wolf, Katharina Jahnke , Simon Wachsmuth, Ella Ziegler
Diskurs im Grünen
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2007

14. Oktober bis 16. Dezember 
Malte Urbschat & Mark Wehrmann
Reinsehlen
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14. Oktober bis 11. November
Neuland Symposium 2007 • Wettbewerbsentwürfe zum Landschaftskunstpreis

08. September bis 30. September
25 Jahre Kunstverein Springhornhof — Erinnerungen an Ausstellungen und Veranstaltungen auf dem Springhornhof
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16. bis 29. Juni (Workshop) 30. Juni bis 26. August (Ausstellung)
Studierenden der Klasse „Environment“ an der Fakultät für Bildende Künste der TU Brno: Lucia Cernayová, Darina Hlinková, Martin Jelínek, Judita Matoušková, Hana Oplatková, Petra Ošlejšková, Zdenka Rezbová
Crosskick – dort oder dort • Ausstellung und Workshop
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14. April bis 10. Juni
Antje Bromma, Stefan Demary, Stefan Ettlinger, Bernd Krauß, Peter Pumpler, Rindfleisch/Rapedius, Cony Theis, Heike Weber, Markus Wirthmann, Jürgen Witte, Joseph Zehrer
Worpswunder
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2006

11. Nov. bis 17. Dez.
Inga Svala Thorsdottir
Borg 21° W 64° N
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9. bis 10. Nov.
Neuland Symposium 2006 • Kunst und Landschaftsarchitektur als Impulsgeber in aktuellen Kulturlandschaften
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Programm als PDF

23. Sept. bis 29. Okt.
Árni þór Árnason • Helga Björg • Gylfadóttir • Harpa Dögg Kjartansdóttir • Steinþóra Hildur Clausen • Sigurrós Svava Ólafsdóttir • Þórdis Jóhannesdóttir • Ingunn F. Ingþórsdóttir
Crosskick — Hotspo(r)t
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29. Juli – 31. August
Jan Meyer-Rogge
Skulpturen
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11. Juni bis 23. Juli
Joachim Grommek
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8. April bis 5. Juni
Nandor Angstenberger, Christl Fetzer, Emanuel Geisser, Andrea Heller, Arne Klaskala, Markus Lohmann
Pepperland
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2005

19. Nov. bis 23. Dez.  
FOKUS 3 – Künstler fotografieren die Hohe Heide
Kaucyila Brooke, Dorit Margreiter
Pressetext

24. Sept. bis 23. Okt.
HAWOLI
Modelle Ideen Konzepte
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18. Sept. bis 13. Nov.
Wolfgang Volz
Natur wird Landschaft
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10. Juli bis 11. Sept.
Silke Schatz
Terezín, 2005
Pressetext

3. Juni bis 3. Juli
In & Out • Eine Ausstellung in Kooperation mit der Gesamtschule Schneverdingen und der Freizeitbildungsstätte Schneverdingen
Pressetext

9. April bis 29. Mai 
suburbia • Gruppenausstellung
Susanne Luptovits, Sean Reed, Natalia Stachon, Dirk Stewen, Kerstin Stoll und Andrea Winkler
Pressetext

2004

27. Nov. bis 22. Jan.
Camoufleurs
Fernando Alvim, Willem Boshoff, Lisa Brice, Kendell Geers, William Kentridge, Mounir Fatmi, Moshekwa Langa, Michèle Magema, N’Dilo Mutima, Olu Oguibe, Tracey Rose, Minette Vári
Pressetext

3. Okt. bis 21. Nov. 
FOKUS 2 – Künstler fotografieren die Hohe Heide
Jens Haaning, Otobong Nkanga
Pressetext

27. Juni bis 5. Sept. 
Agnès Thurnauer
„don’t pretend you never heard of it“ • Malerei
Pressetext

Ausstellung (28. März – 20. Juni) und Ballonprojekt (April – August)
Tilo Schulz
sondo
Pressetext

2003

  • Nimm 2 – Kunst zum Kaufen und Sammeln • 9. Nov. bis 21. Dez.  Teilnehmer
  • OUTLOOK • Michael Asher, Michael Elmgren & Ingar Dragset, Anna Gudjónsdóttir, Stefan Kern, Job Koelewijn, Rupprecht Matthies, Peter Pommerer • Eröffnung am 6. Sept. Pressetext
  • FOKUS 1 – Künstler fotografieren die Hohe Heide • Hendrikje Kühne & Beat Klein • 10. Aug. bis 26. Okt.  Pressetext  Katalog
  • many happy returns! • Kora Jünger, Christine Lemke, Stefan Panhans und Ralph Weissleder • 21. Juni bis 3. Aug.  Pressetext
  • out.look PILOT • Michael Asher, Michael Elmgren & Ingar Dragset, Anna Gudjónsdóttir, Bethan Huws, Stefan Kern, Job Koelewijn, Rupprecht Matthies, Peter Pommerer • 31. März bis 15. Juni Pressetext

2002

  • ILAP • Jeroen Bodewits, Martin uit den Bogaard, Guy van den Bossche, Dellbrügge & De Moll, Rainer Ganahl, Peter van der Heijden, Greg Hilton, Peter Kempff, Loodwick Press Images, Aldert Mantje, Andre Mesman, Annette Palstra, Jan van der Ploeg, Steve Soreff, Thorwaldur Thorsteinsson, Roel van Timmeren, Allan Uglow, David Veldhoen, Jennifer Protas • 3. November bis 22. Dezember  Pressetext
  • Susanne Paesler • 8. September bis 20. Oktober Pressetext
  • Michaela Melián • Triangel • 14. Juli bis 1. September  Pressetext Katalog
  • Nana Petzet • Metainventur • 25. Mai bis 7. Juli Pressetext Katalog

2001

  • Land in Sicht • Kunst. Jugendliche. Projekt • 18. November bis 16. Dezember Pressetext
  • Bethan Huws • All artists are mortal — all artists make artworks • 11. November bis 16. Dezember  Pressetext 
  • Claus Bury • Ausstellung von Modellen und Fotografien anlässlich der Wiedererrichtung der Außenskulptur • 30. September bis 4. November Pressetext
  • Rainer Ganahl • lüneburger heide sprechen. Ausstellung • 26. August bis 4. November Pressetext
  • Lea Lublin • Interrogations sur l’art / Fragen über die Kunst • 27. Mai bis 12. August  Pressetext
  • Ralf Peters • M I X • Fotografien & Zeichnungen • 24. März bis 20. Mai Pressetext
  • N.N. — Sukzessives Ausstellungsprojekt mit Beiträgen von Maria Eichhorn, Silke Wagner, Dorothy Iannone, Björn Roth • 9. April — 30. Sept.  Pressetext

2000

  • Anna Gudjónsdóttir • Das tiefe Tal der Rentiere, Forellenportraits, über einhundert Steine, Eier, Vitrinenblicke, fünfunddreißig Zelte und weitere Bilder • 5. November bis 23. Dezember Pressetext
  • Gerda Hahn • Doppelportraits / Gerda Hahn in Behningen • 3. September bis 22. Oktober Pressetext
  • Gegenwartskunst für Jedermann – eine nicht unbegründete Auswahl • Druckgrafische Arbeiten in Zusammenarbeit mit der Griffelkunst Vereinigung Hamburg • 3. September bis 22. Oktober Pressetext
  • Tony Cragg • Aussenobjekt und Ausstellung im Kunstverein • Zeichnungen und Skulpturen • 28. Mai bis 27. August  Pressetext Katalog
  • Blume 2000 • Regula Dettwiler, Erik T. Øckenholt, Peter Pommerer, Brigitte Raabe, Hildur Jónsdóttir, Miron Schmückle, Ina Hattebier, Peter Rösel • 2. April – 21. Mai tl_files/images/header/Nupsi.gif Katalog Pressetext
  • Signale in der Heide • Gründungsjahre des Springhornhofs • 2. April – 21. Mai

1999

  • David Lee Thompson • Skulpturen • 6. November – 23. Dezember  Katalog
  • Huyn-Sook Song • Malerei, Filme, Zeichnungen • 11. September – 31. Oktober Katalog
  • Hans Alvesen • Aquarell auf Fotos • 18. Juli – 12. September
  • Tilman Küntzel • Licht- und Klanginstallation • 26. Juni – 5. September Katalog
  • Klaus Becker • Skulptur, Zeichnung, Fotografie • 8. Mai – 20. Juni  Katalog
  • Rolf Rose • 6. März – 2. Mai Katalog
  • Hommage à Ruth • Ausstellung mit Arbeiten von 90 Künstlern zugunsten der Stiftung Springhornhof • 5. Dezember 1998 – 31. Januar

1998

  • Rainer Tappeser • Horizont-Stücke • Graue Malerei • 24. Oktober. – 29. November Katalog
  • Beate Wassermann • Malerei • 5. September – 25. Oktober  Katalog
  • Klaus Kröger • Malerei • 19. Juli – 13. Sept. Katalog
  • Ursula Neugebauer • touren l’air • Objekte und Installationnen • 2. Mai bis 26. Juli Katalog
  • Otto Völker • Malerei • 7. März bis 26. April  Katalog

Guy Allott — Magic & Loss

29. Oktober  – 19. Dezember 2011

Für den britischen Maler Guy Allott (*1972, lebt in London) stehen seit gut zwei Jahren Bäume im Mittelpunkt seiner Arbeit. Oft sind es Wälder am Rande von Städten und Siedlungen oder auch städtische Gärten und Parks, in denen Guy Allott die Motive findet.

Während Aquarelle einzelne Bäume oder Blicke in das geheimnisvolle Dickicht von Wäldern zeigen, so wie Guy Allott sie vorgefunden hat, sind die Bäume auf seinen Ölbildern mit animistischem Vergnügen in eigenartige Wesen verwandelt worden. Sie stehen angewurzelt in Landschaften, die in ihrer Dramatik an die Bilder der deutschen Romantik erinnern. Irritierend sind die riesigen Löcher in ihren Stämmen, die den Blick freigeben auf den Bildhintergrund. So entstehen Bilder im Bild und zugleich ein Spiel mit dem Motiv des Durchblicks oder Fensters, wie es sich in der Landschaftsmalerei seit der Renaissance entwickelt hat.

Die Konstruktion von Landschaft als kultureller Kategorie, die auch die Darstellungen in der Landschaftsmalerei seit jeher beeinflusst hat, wird hier mit einem Augenzwinkern ins Bild gesetzt. Die Dinge ändern sich und bleiben doch dieselben…

In Deutschland ist dies die erste instituionelle Einzelausstellung Allotts, der 2009 in der Ausstellung East End Academy in der Whitechapel Gallery in London teilgenommen und in den letzten Jahren international ausgestellt hat.

Gefördert durch das Land Niedersachsen

Heinrich Riebesehl // ÄCKER & HÄUSER

3. Septpember – 23. Oktober 2011

Riebesehl

Heinrich Riebesehl (*1938 in Lathen an der Ems; † 2010 in Hannover) hat die künstlerische Fotografie in Deutschland seit den 1970er Jahren maßgeblich geprägt. Als Fotograf, Dozent und Kurator trug er mit seinen, vorwiegend in Norddeutschland entstandenen, „lakonischen Fotografien einer lakonischen Gegend“ (Peter Sager) wesentlich zu einer Erneuerung der Dokumentarfotografie bei.

Die Motive seiner seit Mitte der siebziger Jahre entstandenen Serien „Agrarlandschaften,“ „Dorfansichten“ oder „Gewerbebauten“ fand er in Ortschaften wie Hodenhagen, Jeddingen oder Hanstedt. Riebesehl erweist sich darin als Entdecker einer spröden, oftmals melancholischen Schönheit des Banalen und Alltäglichen.

Für seine intensive fotografische Auseinandersetzung mit der Topografie der norddeutschen Kulturlandschaft wurde er u.a. 1982 mit dem Sprengel-Preis für Bildende Kunst der Niedersächsischen Sparkassenstiftung und dem Niedersächsischen Kunstpreis 2000 ausgezeichnet. Seine Werke sind in bedeutenden europäischen und amerikanischen Museen und Privatsammlungen vertreten.

Lucas Wahl — Kathmandu – city of kings

24. August – 10. Oktober 2010

Der angehende Fotojournalist Lucas Wahl, Gewinner des VGH-Fotopreises 2009, zeigt seine Bildreportage über das Leben der Nepalesen im einstigen Hippie-Mekka. Wahl gelingt es in seinen WErken, die unterschiedlichsten Facetten der Stadt einzufangen. Obwohl er den Blick auch auf die Brennpunkte Kathmandus legt, in dem er Armut, Überfüllung und Verschmutzung zeigt, gelingt es ihm den Charme und die Schönheit der Stadt un ihrer Bewohner zu transportieren. Die Bandbreite der eindrucksvollen Situationen wird durch das ungewöhnliche Panoramaformat der Aufnahmen noch verstärkt.

Ulu Braun — Fiebergärten

21. August – 10. Oktober 2010

Der Künstler Ulu Braun (*1976) gehört zu einer neuen Generation kritischer Romantiker, der existenzielle Themen intelligent mit den Mitteln moderner Ironie, Mystik und poetischer Überraschungseffekte umsetzt. Ein immer wiederkehrendes Thema seiner Filme und Collagen ist  die Anziehungs- und Abstoßungskraft  künstlicher Paradiese gleichermaßen.

Ulu Braun greift dafür auf vorgefundenes Material zurück, nutzt eigene Dokumentaraufnahmen, aber auch Bilder aus Fernsehsendungen und dem Internet. Aus diesen Vorlagen erstellt er einen Film, der ohne klassische Schnitte auskommt, sondern den Bildraum in einem langen Schwenk überblickt. Wie in futuristischen Gemälden stehen zeitlich nicht kohärente Elemente nebeneinander, die wie in dadaistischen Collagen auch in ihren Dimensionen nicht zueinander passen.  Dennoch rezipieren wir den langsamen Schwenk über die dargestellte Szenerie wie ein Landschaftsgemälde.

Sein jüngster Film, ATLANTIC GARDEN, der im Springhornhof Premiere haben wird, ist die Konstruktion einer Landschaft, welche unterschiedliche Aspekte von Traditionalismus und Globalisierung an einem Ort vereint. Ulu Braun zeigt uns eine idyllische Küstenregion in der die unterschiedlichsten Leute und Gruppierungen friedlich und im Einklang mit der Natur nebeneinander existieren. Tanzende Derwische, spirituelle Prediger, fröhliche Landkommunarden, beseelte Esoteriker, ökologisch motivierte Weltverbesserer und prachtvoll gewandete Akteure eines Mittelalterspektakels tummeln sich unter ewig blauem Himmel. Das Video verbindet Idyllen der westlichen Landschaftstradition und die Visionen diverser Heilsbringer zu einem Panorama, in dem das oft Gesehene poetisch wirkt und geheimnisvoll erscheint. In seiner Überhöhung und Potenzierung wird das gesellschaftliche Idyll zwiespältig. Es schleicht sich eine Ahnung von der Beschränktheit und dem unterschwelligen Machtansprüchen ein, mit der sich gesellschaftliche Utopien in ihr Gegenteil verkehren können.

Ulu Braun spielt inhaltlich und formal offen mit der Erzeugbarkeit von Landschaften einschließlich der vielen kleinen Geschichten, die sich darin abspielen. Damit reizt er nicht nur zu direkten Vergleichen einzelner Bildelemente mit bekannten Filmen oder Gemälden, sondern verarbeitet relativ respektlos auch gleich die allgemeine (kunst)historische Entdeckung der Landschaft als menschlicher Bezugspunkt durch Petrarca und Dürer, ihre Idealisierung durch Lorrain, die Feier ihrer sublimen Wirkung durch Friedrich, Goya und Turner, aber auch ihre surrealistische Überformung durch Dalí, Ernst und Tanguy. Möglich ist dies, weil es sich um eine künstliche, aber keine Phantasielandschaft handelt, die im Grunde nur aus dem immer verworrenen Nebeneinander von bewegten Bildern besteht, aus dem wir alltäglich in unserem Fernseh- oder Videokonsum via Internet ganz von alleine solche Landschaften zusammensetzen.

Bednarek/Brandes/Lindena/Müller — Nutz- und Ziergartenbau

6. Juni bis 15. August 2010

Dominik Bednarek / Hanna Brandes / Kalin Lindena / Alex Müller

…über den Nutz- und Ziergartenbau, über das Urnenfeld bei Brampton, das Anlegen künstlicher Hügel und Berge, die von den Propheten und heiligen Evangelisten erwähnten Pflanzen, die Insel Tinos, die altsächsische Sprache, die Antworten des delphischen Orakels, die von unserem Erlöser gegessenen Fische, die Gewohnheiten der Insekten, die Falknerei, einen Fall von Altersfreßsucht, die Erfindung der Zeit und das Zeitlose, über Clowns, Schiffsbauchlinien, die Interessen eines Hutmachers, das Verhalten von Stehaufmännchen, die Schönheit, Gesamtkunstwerke, Sachen tragen, siamesische Zwillinge, die Amore, Hände, die knoten und noch manch anderes mehr…

Die Künstlerin Kalin Lindena hat für die aktuelle Ausstellung im Kunstverein Springhornhof die Zusammenarbeit mit ihren Künstlerfreunden Hanna Brandes, Dominik Bednarek und Alex Müller gesucht, die mit ihr gemeinsam an der HfbK in Braunschweig studiert haben. Der schier endlos lange Titel deutet auf eine Ausstellung hin, die ihrem Wesen nach weitläufig und grenzenlos ist und deren Arbeiten eigentümliche und paradoxe Geschöpfe sind, die – konkret und abstrakt zugleich – sowohl spezifische, individuelle Gegenstände wie Teil eines Ganzen sind.

Eine Gemeinsamkeit der beteiligten Künstler ist dass sie die unterschiedlichsten Einflüsse aus Kunst und Alltag, Gegenwart und Kunstgeschichte in ihrer Kunst integrieren, verarbeiten und in eine neue Bildsprache überführen. Alle vier arbeiten auf die eine oder andere Weise mit Fundstücken, nutzen das Prinzip der Collage oder reagieren auf die vorgefundene Architektur.

So überlagert Kalin Lindena mit skulpturalen Interventionen Eigenes und Vorgefundenes indem sie Stützen und Unterzüge des Ausstellungsraumes mit vielen Lagen farbigen Seidenpapiers überzieht. Durch die Transparenz der Schichten erzielt sie eine malerische Wirkung, die eigenartige Widerspüche von Malerei und Bildträger produziert. Einige Partien wirken wie Rost oder verwittertes Holz, anderswo ergeben sich grafische Formationen, die sich nirgendwo in die Fläche entwickeln können, sondern um die Kanten der Pfosten herumgezogen werden.

Lindenas Werke sind geprägt durch ihre Offenheit und Prozesshaftigkeit und erreichen nie einen endgültigen Zustand. Ihre Wandarbeiten existieren häufig nur für die Dauer der jeweiligen Ausstellung, andererseits übernimmt Lindena Fragmente vorangegangener Ausstellungen in neue Zusammenhänge. So zum Beispiel die säulenartige Skulptur im oberen Ausstellungsraum, die an anderer Stelle unter einem Oberlichtfenster in den Himmel ragte. Hier, eingepasst unter dem Deckenbalken korrespondiert sie als Zwitterwesen von Skulptur und Säule – oder vielleicht sogar Wirbelsäule – mit den vorhandenen Holzbalken.

Die Giebelform des Daches findet sich wieder in der Form ihrer Skulptur aus Metall, buntem Glas und Spiegelflächen im selben Raum. Die Brechung des Lichts, die Transparenz des Glases, die Spiegelung der bunten Flächen sowie der Holzbalken des Raumes führen zu einem endlosen Vexierspiel.

Die Werke von Hanna Brandes scheinen kleine rätselhafte Geschichten zu erzählen. Etwa das ausgestopfte Rehkitz in seiner eigenartigen Travestie mit einer viel zu großen Clownsnase. Das hat etwas Groteskes, beinhaltet aber auch ein Moment von Strangulation. Stets beschleicht einem bei genauer Betrachtung von Brandes Objekten ein Gefühl leichten Ekels und Unbehagen. Ein heiteres Mondgesicht besteht aus einer schmutzigen Resopalplatte und ausgedrückter Zigarettenaschen. Ein kleiner Ball, entpuppt sich als Haarknäuel, ganz regelmässig geformt, mit einem Goldfaden, der sich durchs Haar zieht. Diese preziose Kugel erscheint als eine Art Verdichtung von Leben, Emotionen, menschlichem Dasein, Körperlichkeit, zwischenmenschlicher Beziehung. Sie ist poetisch und sehr persönlich, kann auch etwas abstinent wirken durch das sehr intime Material Menschenhaar: Es ist eine sehr kleine Skulptur, aber gleichzeitig eine sehr große Menge Haar, gepresst in eine vollendete geometrische Form.

Dominik Bednarek ist der Bootsbauer unter den vier Künstlern. Alle seine Arbeiten in dieser Ausstellung haben irgendetwas mit Schiffen oder der Seefahrt zu tun. Sei es als Kontur eines Schiffrumpfs aus Resten von Spanplatte, der wie ein Flügel aus der Wand des Ausstellungsraumes ragt; oder als Schiffsbug aus Pappe, der sich oberhalb der Treppe auf den Heraufkommenden zuschiebt. Es handelt sich um das Relikt einer Aktion des Künstlers, bei der er mit einem selbst gebauten Boot aus Pappe so lange über einen See gefahren ist, bis es durchweicht war und kenterte. Die Sammelstücke in einem Regal stammen aus den Jahren 1919 – 2010: gefundene und selbst gebaute Spielzeugschiffe aus Plastik oder Metall, Modelle von Schiffsrümpfen und Segelflugzeugen, ein Geduldsspiel von Matrosen usw.. Dominik Bednarek lehrt uns das kindliche Staunen über die skulpturale Schönheit von Schiffsbauchlinien, und aktiviert beim Betrachter die ganze Fülle persönlicher Erinnerungen an die kindliche Faszination an Schiffen.

Alex Müller ist eine leidenschaftliche Flohmarktgängerin. Ihren Objekten liegen Fundstücke zugrunde, die sie zu neuen Bedeutungsträgern macht. Ein Lampenschirm, der sich wortwörtlich aus einer Lampe und einem sonnengelben Schirm zusammensetzt, ist bestickt mit Worten, die alle die Endung OS tragen – wie Namen aus der Griechischen Mythologie – Es sind persönliche Bezeichnungen für Alex Müllers Geisteshelden. Personen die sie bewundert, deren Arbeit sie schätzt – Jaques Tati, die Sängerin Kate Bush, der Maler Goya etc. Indem sie ihnen Spitznamen gibt, verschleiert Müller ihre Identität und macht sie zum Teil des eigenen künstlerischen Kosmos. Und wir, als um Dechiffrierung bemühte Betrachter werden dazu angeregt, uns auf falsche Fährten zu begeben und Eigenes zu assoziieren.

Vorgefundenes ist auch der Ausgangspunkt von Müllers Malerei. Sie benutzt Stoffreste wie z.B. ein Stück grünen Samt, oder ein altes Frotteehandtuch, als Malgründe. Das Malen auf solchen Untergünden erfordert einen experimentierfreudigen Umgang mit den malerischen Techniken. Farbfluss und -wirkung variieren je nach Untergrund. Die Stoffe bearbeitet Alex Müller indem sie eine Struktur mit Stiften in einen Samt hineinkratzt, oder aber indem sie sie mit Tieren, eigentümlichen Zwitterwesen oder Brustbildern von Frauen bemalt. Bei den Frauenbildnissen handelt es sich nicht um Porträts existierender Personen; Alex Müller nennt sie alle „Hedda“ – „Hedda in Gedanken an Fritz“, „Hedda im neuen Kostüm“, „Eine kluge Hedda zeigt sich mit Hut“ – Diese Frauenbildnisse haben etwas eigenartig melancholisches, obwohl sie einen mit großen Augen anschauen wahren sie die Distanz, so als ob sie sich jederzeit wieder in der Stofflichkeit des Bildes auflösen könnten.

Die Kunstkritikerin Susanne Prinz schreibt in einem Text über die vier Künstler: „Allen gemeinsam ist der poetische Standpunkt, der nicht so sehr in Kategorien der Bildbedeutung denkt, sondern vielmehr uns – dem Publikum – gegenüber Ansprühe geltend macht, die adressiert werden wollen.

Die Künstler versorgen ihr Publikum mit Hinweisen, überlassen es aber letztlich ihm, die Bilder und Objekte mit einer kongruenten Geschichte zu ergänzen. Zwangsläufig werden sich die entstehenden individuellen literarischen Interpretationen des Visuellen unterscheiden. Egal jedoch, wie detailreich die Geschichten ausfallen, im Kern führen sie alle auf Nichtsichtbares zurück. Mit anderen Worten, sie erzählen vom unstillbaren Verlangen. Einer Art Sehnsucht, begründet im Abwesenden, die mit Freuds Unheimlichen verwandt scheint.“

Stefan Römer//Schlagbaum.Über die Grenzen von Natur und Kultur

11. April bis 24. Mai 2010

In einer Serie von Fotografien und Zeichnungen widmet sich der Künstler Stefan Römer der Untersuchung des Verhältnisses von Kultur und Natur. Seine Fotografien, auf ausgedehnten Wanderungen durch Landschaften in Australien, den Amerikas, Asien, Afrika und Europa entstanden sind, zeigen scheinbar alltägliche, doch sehr spezifische Situationen in der Natur: Verbotsschilder, Erläuterungstafeln, Wanderzeichen, Wegweiser etc.  Sowohl anhand der abgebildeten gestalteten Natur als auch anhand der Verbote oder Warnungen auf den Hinweisschildern, wird deutlich, wie problematisch eine visuelle Lokalisierung der Grenze zwischen Kultur und Natur ist.

Die verschieden großen Fotografien hat Römer in Rahmen mit Passepartouts eingelassen, auf die er von Hand florale Ornamente gezeichnet hat. Das Zusammentreffen der präzis geplanten Fotografien und den nachträglichen, eher beiläufigen Zeichnungen auf den Einfassungen der Fotografien erzeugt eine performative Spannung zwischen der mechanischen fotografischen Dokumentation und einem eher automatischen unbewussten (oder: delirierenden) Zeichnen.

Der amerikanische Künstler Robert Smithson entdeckte in den späten 1960er Jahren beim Fotografieren auf einer Mexiko-Reise, dass er sich vorkam, als fotografierte er stereotyp bereits existierende Fotografien – was er im Sinne der Postmoderne als eine Fotografie einer Fotografie bezeichnete. Heute herrscht vor allem angesichts der computersimulierten 3-D-Landschaftsdarstellungen – für die Dan Camerons Hollywood-Film »Avatar« ein zeitgenössisches Beispiel darstellt – eine nostalgische Vorstellung von ursprünglicher Natur als einem Gewesenen.

Für Stefan Römer jedoch gerät die Aktion in dieser künstlerischen und erkenntnistheoretischen Zwischenzone von Natur und Kultur – sowohl beim Wandern und Fotografieren als auch beim Zeichnen – zu einer künstlerischen Arbeit entlang der Trennlinie zwischen Erfahrung und Reflexion, zwischen Chaos und Form, zwischen Botanik und Anthropologie sowie zwischen Delirium und Kategorisierung.

 

Mark Dion – Springhornhof Institut für Paläolithische Archäologie (2009)


Mark Dion, Springhornhof Institut für Paläolithische Archäologie (2009)

Mark Dion, geb. 1961, lebt in Pennsylvania und New York, USA

Das „Springhornhof Institut für Paläolithische Archäologie“ ist eine in­terdisziplinäre Installation des Künstlers Mark Dion. Ausgangspunkt ist eine Sammlung steinzeitli­cher Funde, die der begeisterte Hobbyarchäologe Wilm Falazik, der Anfang der sechziger Jahre eine Galerie auf dem Springhornhof eröffnete, in und um Neuenkirchen zusammengetragen hat.

Auf drei Etagen des historischen Treppenspeichers installiert Dion prähistorische Artefakte, archäologisches Handwerkszeug, Fundstücke, Textfragmente und ein Diorama samt zotteligem Mammut zu einer opulenten Gesamtinszenierung, die wissenschaftliche Prinzipien, persönliche Sammelleidenschaft, künstlerische Sichtweisen und Klischeebilder miteinander verquickt.

Mark Dion befasst sich in seinen überbordenden Rauminstallationen mit unserem Umgang mit der Natur und ihrer Repräsentation in Wissenschaft und Alltagswelt, sowie mit den komplexen Strukturen einer Geschichtsschrei­bung, die durch Objekte entsteht.

Pressetext

Elmgreen & Dragset – Park für unerwünschte Skulpturen (2003)

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Ingar Dragset geb. 1969 in Trondheim/N, lebt in Berlin
Michael Elmgreen geb. 1961 in Kopenhagen/DK, lebt in Berlin

Das Künstlerpaar Elmgreen & Dragset schafft mitten im Dorf Tewel einen Freiraum für Außenskulpturen, in dem die gängigen Entscheidungs- und Bewertungskriterien über Kunst im Öffentlichen Raum außer Kraft gesetzt sind. Künstler und Besitzer von Außenskulpturen, die aus den unterschiedlichsten Gründen keinen geeigneten Standort oder Lagerplatz zur Verfügung haben, können Werke zum „Park für unerwünschte Skulpturen“ beitragen. Jüngster Zugang ist eine Bodenskulptur „Fathers Garden“ des amerikanischen Konzeptkünstlers Vito Acconci aus der Schweizer UBS Art Collection.

Katalog: OUTLOOK. Landschaftsbezogene Kunstprojekte in der Lüneburger Heide. Rupprecht Matthies, Peter Pommerer, Anna Gudjonsdottir, Michael Asher, Job Koelewijn, Stefan Kern, Elmgreen & Dragset. Text: von Raimar Stange, Ralf Christofori, Belinda Grace Gardner, Lorenzo Benedetti, Eva Linhart, Stefanie Sembill, Dirck Möllmann, Bettina v. Dziembowski, revolver- Archiv für aktuelle Kunst, 2005. 66 S. € 20 / Mitgl. 15

Michael Asher – 53° 16’N 9° 57’O 52° 55’N 9° 8’O (2003)

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Michael Asher, geb. 1943 – gest. 2012, lebte in Los Angeles/USA

Michael Asher beschäftigt sich mit dem Wasser-, Strom- und Gasversorgungsnetzwerk in und um Neuenkirchen. Das Set von technischen Plänen und Landkarten der entsprechenden Leitungs- und Verteilersysteme in abgestuften Maßstäben kann man im Springhornhof studieren oder als Schuber erwerben. Eine Broschüre erläutert alle fachspezifischen Zeichen und Symbole. Es geht um den Zugang zu Informationen, die Zirkulation von Energie und Netzwerke, die „unter“ der Oberfläche der Landschaft liegen.

Michael Asher gehörte zu den einflussreichsten Konzeptkünstlern in den USA. Mit „subtilen aber absichtlichen Interventionen – Ergänzungen, Änderungen oder Subtraktionen – insbesondere in und von Umgebungen“ untersuchte er Zusammenhänge von künstlerischer Bedeutung und musealem Kontext.

Katalog: OUTLOOK. Landschaftsbezogene Kunstprojekte in der Lüneburger Heide. Rupprecht Matthies, Peter Pommerer, Anna Gudjonsdottir, Michael Asher, Job Koelewijn, Stefan Kern, Dragset & Elmgreen. Text: von Raimar Stange, Ralf Christofori, Belinda Grace Gardner, Lorenzo Benedetti, Eva Linhart, Stefanie Sembill, Dirck Möllmann, Bettina v. Dziembowski, revolver- Archiv für aktuelle Kunst, 2005. 66 S. € 20 / Mitgl. 15

Asher nahm an der Documenta 5 und 7, der Biennale von Venedig (1976) und bei den Skulptur.Projekten in Münster 1977, 1987, 1997 und 2007 teil.  Er hatte wichtige Einzelausstellungen im Centre Pompidou in Paris (1991), im Los Angeles County Museum of Art (2003), im Art Institute of Chicago (2005) und im Santa Monica Museum of Art (2008). 2010 erhielt er den hoch dotierten Bucksbaum Award der Whitney Biennial.

Rupprecht Matthies — „ankommen“ & „bleiben“ (2003)

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Rupprecht Matthies, geb. 1959 in Hamburg, lebt in Hamburg

Am Ortseingang begrüßt den Reisenden weithin sichtbar das Wort „ankommen“ als plastischer Schriftzug am Straßenrand. Bei der Fahrt aus Neuenkirchen hinaus, wirkt ein „bleiben“ vor der Kulisse eines kleinen Waldstücks wie ein vergeblicher Appell an den Weiter- bzw. Durchreisenden.
Matthies Wortobjekte funktionieren unweigerlich wie Kommentare zu ihrer Umgebung – mal zutreffend, mal widersprüchlich, mal mehrdeutig. Die Unmöglichkeit, das Wahrgenommene in eine endgültige Aussage zu bannen, erweist sich in vielfacher Hinsicht als produktiv.

Katalog: OUTLOOK. Landschaftsbezogene Kunstprojekte in der Lüneburger Heide. Rupprecht Matthies, Peter Pommerer, Anna Gudjonsdottir, Michael Asher, Job Koelewijn, Stefan Kern, Dragset & Elmgreen. Text: von Raimar Stange, Ralf Christofori, Belinda Grace Gardner, Lorenzo Benedetti, Eva Linhart, Stefanie Sembill, Dirck Möllmann, Bettina v. Dziembowski, revolver- Archiv für aktuelle Kunst, 2005. 66 S. € 20 / Mitgl. 15

Tony Cragg – Holzkristall (2000)

Tony Cragg, Holzkristall (2000)Tony Cragg, geb. 1949 in Liverpool, lebt in Wuppertal

Aus dem industriellen Holzwerkstoff »Kerto« wurden nach Zeichnungen des Künstlers 46 unterschiedliche Scheiben herausgesägt, die zu einem Turm übereinandergestapelt, verschraubt, geschliffen und lackiert, wie ein um sich selbst rotierendes menschliches Profil wirken. Eine frei stehende Arbeit, die sich beim Herumwandern ständig verändert, die umgangen und immer wieder neu entdeckt sein möchte.
Craggs Beitrag versteht sich als individuelle Transformation weiträumiger landschaftlicher Strukturen. Die Skulptur steht auf dem Gelände eines ehemaligen Freibads am Rande des Dorfes Tewel. Das Schwimmbecken ist heute ein Biotop, das Planschbecken ein Grillplatz. Über den Mehlandsbach hinweg blickt man in die Wiesen und Felder. Auch wenn die Skulptur formal eher Distanz zum Ort ihrer Präsentation sucht, ist die Entscheidung des Künstlers für diesen Platz aufschlußreich. An dieser Stelle des Übergangs von Dorf und Landschaft verschwimmen die Grenzen von geschaffener Natur und gewachsener Kulturlandschaft.
In seinen Arbeiten geht es Tony Cragg darum, in der Kunst Dinge hervor zu bringen, »die weder in der Natur noch in unserer funktionalen Welt existieren« (Cragg), die aber seine Empfindungen gegenüber der Welt und der eigenen Existenz widerspiegeln.

Nachtrag: Fünfzehn Jahre nach ihrer Errichtung hatten sich tiefe Spalten und Risse in der Holzstruktur der Skulptur gebildet. Nach einem langwierigen Trocknungsprozess konnte die Oberfläche wieder geschlossen und die Skulptur in Abstimmung mit dem Künstler neu beschichtet werden. Im Mai 2017 wurde die sanierte Skulptur bei einem Dorffest in Tewel willkommen geheissen.

Katalog: Tony Cragg, Holzkristall/Woodcrystal. Texte: C. Herstatt, L. Biggs, 2000, 66 S. € 20 / Mitgl. € 15

Text von L. Biggs

Ulrich Eller – Hörstein (1995)

Ulrich Eller, Hörstein (1995)

Ulrich Eller, geb. 1953 in Leverkusen, lebt in Hannover

Auf dem Gelände des Schäferhofs, Heimat der Heidschnuckenherde und einer der touristischen Anziehungspunkte Neuenkirchens, platzierte Ulrich Eller seinen Findling. Erst in Hörweite gibt sich der Stein als künstlerischer Eingriff in der Landschaft zu erkennen.

Der Stein ist waagerecht in zwei Hälften geteilt, die mit Millimeterabstand wieder aufeinandergesetzt wurden. Aus dem umlaufenden Spalt dringen permanent scharrende, kratzende Geräusche. Sie entstanden während des Aufschneidens und Ausfräsens des Steins, wurden vom Künstler akustisch aufgezeichnet und zusammen mit anderen Alltagsgeräuschen elektronisch zu einer Komposition verarbeitet.
»Der mit Hilfe der Geräusche in die Zeit zurückgeholte Findling, der sonst alle Qualitätsmerkmale menschlicher Ewigkeitsvorstellungen besetzt, wird seines enormen Gewichts scheinbar entledigt, er wird ganz Gegenwart und damit jeglicher Wahrnehmungskonditionierung beraubt. In diesem Sinne wird er Naturdenkmal.« (Ulrich Eller)

Katalog: Ulrich Eller. Hörstein. Text: F. Barth, H. Hellinger, 1995, 64 S. € 10 / Mitgl. € 7,50

Text von F. Barth

Valerij Bugrov – Himmel und Erde (1991/2000)

130_3Valerij Bugrov,
geb. 1949 in Moskau, lebt in St. Petersburg

Als makelloser, kreisrunder Spiegel mit 16 Metern Durchmesser liegt »Himmel und Erde« inmitten der Felder. Ein schulterbreiter begehbarer Einschnitt führt leicht abfallend zum Mittelpunkt der reflektierenden Fläche. Hier, in der Erde stehend, über das Feld in die Weite schauend, erlebt man das Wechselspiel zwischen realem Himmel und widergespiegeltem Himmelsbild. Gleißendes Licht, dahinziehende Wolken und prasselnder Regen erzeugen den ständigen Wechsel der Erscheinung des Spiegels.
Der Betrachter erlebt sich und sein eigenes Spiegelbild in einer irritierenden Situation des Dazwischen, in der die vertrauten Abgrenzungen von Luft und Erde, Oben und Unten, Standfestigkeit und Schwerelosigkeit, Materialität und Immaterialität fragwürdig werden.

Text von D. Wittkuhn

Katalog: Valerij Bugrov. Himmel und Erde. Text: D. Wittkuhn, 1991 (2. Aufl. 2000), 56 S. € 10 / Mitgl. € 7,50

Claus Bury – Der Augenblick (1989/2001)

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Claus Bury,
geb. 1946 in Gelnhausen, lebt in Frankfurt

Am Rande eines kleinen Teiches unweit des Dorfes errichtete Claus Bury aus rohen Brettern eine durchschreit- und begehbare architektonische Skulptur – halb Haus, halb Turm. Wirkt der Bau von außen kompakt und klar gegliedert, erweist sich die Anlage beim Begehen als räumlich komplexes Gefüge. Gegenüberliegende Außentreppen führen von den Seiten hinauf zu einem Innenraum mit hohen, schrägen Wänden und ohne Dach.
Vom oberen Raum bietet sich kein bequemer Ausblick über den Teich und die Landschaft. Lediglich vom schmalen obersten Absatz zweier seitlicher Treppen kann man über die Brüstung sehen. Die Stufen laden vielmehr zum Sitzen und Verweilen im Inneren des Turmes ein. Hier entsteht ein Ort der Ruhe und Kontemplation, in dem der Blick nach innen gelenkt wird.

Katalog: Claus Bury. Der Augenblick. Text: U. Wieczorek, 1989, 72 S. € 10 / Mitgl. € 7,50

Text von U. Wieczorek

 

Harald Finke — Dialog (1986)

Harald Finke,
geb. 1941 in Kiel, lebt in Hamburg

Die Hülle aus Eisenstäben ist gerade groß genug für einen Menschen. Man steht darin wie in einem hohlen Baum. Der eingeschränkte Blick fällt auf die Eiche gegenüber. Harald Finkes Beitrag „Dialog“ fordert zu etwas auf, das über die gewohnte menschliche Vorstellungskraft hinausgeht: Ein Zwiegespräch von Mensch und Pflanze.

Katalog: Harald Finke, Carl Vetter. Dialog. Texte: L. Romain, H. Finke, H. R. Leppien, 1986, 102 S. € 6 / Mitgl. € 5

Text von L. Romain
Weitere Arbeit aus dem Symposium „Dialog“

Nikolaus Gerhart — Gegen-Steine (1982)

Nikolaus Gerhart, geb. 1944, lebt in Hechendorf und München

Eine langgestreckte Reihe gleichgroßer Findlinge steht zwischen Straße und Feld. Parallel verläuft ein exakter Einschnitt im Asphalt. Eine alltägliche räumliche Situation wird sichtbar gemacht und neu strukturiert.

Katalog: Nikolaus Gerhart, HAWOLI, Gegen-Steine. Text: M. Fehr, 1982, 112 S. € 6 / Mitgl. € 5

Text von M. Fehr

Weitere Arbeit aus dem Symposium „Gegen-Steine“

Anna Gudjónsdóttir — Sieben Ansichten von einer Wiese mit Pflaumenbaum (2003)

Anna Gudjónsdóttir,
geb. 1960 in Reykjavik, lebt in Hamburg

Auf einer baumbestandenen Wiese wurde der natürlichen Vegetation ein knorriger Pflaumenbaum aus Bronze hinzugefügt.
Der zweite Teil der Arbeit ist ein panoramaartiges Ölgemälde von dieser Szenerie, das sich auf dem Dachboden eines nahegelegenen Bauernhauses befindet. Für die Betrachter von Landschaft, „Baumimplantat“ und Malerei entsteht ein raffiniertes Wechselspiel von natürlichem Vorbild und künstlerischem Abbild.

Katalog: OUTLOOK. Landschaftsbezogene Kunstprojekte in der Lüneburger Heide. Rupprecht Matthies, Peter Pommerer, Anna Gudjonsdottir, Michael Asher, Job Koelewijn, Stefan Kern, Dragset & Elmgreen. Text: von Raimar Stange, Ralf Christofori, Belinda Grace Gardner, Lorenzo Benedetti, Eva Linhart, Stefanie Sembill, Dirck Möllmann, Bettina v. Dziembowski, revolver- Archiv für aktuelle Kunst, 2005. 66 S. € 20 / Mitgl. 15

Jean Clareboudt – Windberg (1981)

Jean Clareboudt, Windberg 1981
Jean Clareboudt, geb. 1944 in Lyon/Frankreich, gest. 1997

Windberg« lautet seit jeher der Name der nur 90 Meter hohen Endmoräne zwischen den Dörfern Ilhorn und Sprengel. In der flachen Gegend bot sich hier ein weiter Ausblick in die Landschaft.
Jean Clareboudt besetzt diesen Platz an seiner höchsten Stelle mit einem kreisförmigen Areal aus Findlingen. In der Mitte wurde eine gewaltige Ringscheibe aus rostigem Stahl leicht schräg auf drei übermannsgroße Findlinge aufgesetzt. Formensprache und Materialität der Installation lassen an ein Observatorium, Schutzschild, Opfertisch oder Kultplatz denken.
Diese Anhöhe ist für den Künstler einer jener Orte, »deren Topografie eine Herausforderung jenseits jeglicher nützlicher Aktivität bedeuten und die daher häufig spielerische und spirituelle Sehnsüchte in sich bergen und extrem damit belastet sind.«
Trotz seiner Monumentalität wirkt das Objekt nicht als Fremdkörper, sondern bietet Resonanz für Aspekte des exponierten Standorts. Farbe und Wirkung von Stein und Metall verändern sich unter dem Einfluß von Tages- und Jahreszeiten. Klettert man über die Findlinge hinweg, gelangt man zu einem höhlenartigen Raum unter der Ringscheibe. Licht fällt durch die Öffnung. Auf das Metall prasseln Regen und Hagel; der Wind pfeift darüber hinweg.

Katalog: Jean Clareboudt, Windberg. Texte: P. M. Bode, G. G. Lemaire, J. Clareboudt, 1981, 40 S. € 6 / Mitgl. € 5

Text von P. M. Bode

Peter Könitz & Karl Ciesluk – Wege (1980/2003)

Peter Könitz, geb. 1942 in Mühlheim/Ruhr, lebt bei Hamburg

Karl Ciesluk, geb. 1952 in Ottawa/CDN, lebt in Ottawa/CDN

Könitz führt den Betrachter auf einer Trasse aus unregelmäßigen Holzbohlen und parallel zur Straße ausgerichteten Stahlträgern durch das Unterholz. Aus dem Kontrast von geometrischer Form und organischem Verlauf entsteht eine plastisch-räumliche Situation des Durchdringens und Unterlaufens.

Auf der anderen Straßenseite setzt Karl Ciesluk die Bewegungsrichtung mit seinen Findling fort. Als Verweis auf die gewaltigen Kräfte, die in der Eiszeit diese Landschaft geformt haben, scheint der Stein sich wie in einem Zeitraffer den Weg durch den Waldboden gebahnt zu haben.

Katalog: Arel, Boudre, Ciesluk, Duckwitz, Könitz, Wege. Texte: J. Morschel u. d. Künstler, 1980, 80 S. € 6 / Mitgl. € 5
Text von J. Morschel

Mic Enneper – Steinlawine (1978)

P1040704Mic Enneper,
geb. 1950 in Unna, lebt in Köln

In einer stillgelegten Kiesgrube wurde ein Wall aus Steinen über die Steilkante geschoben. Bei der Aktion handelte es sich um eine Art künstlerischen Modellversuch über die langanhaltenden Prozesse, die diese Landschaft geformt haben: Eiszeitbewegungen und menschliche Arbeit.

zum Syposion „Zwei Steine sind nie gleich“ 1978
Text von A. Vowinckel